Netflix-Serie

Was die Darsteller von „The Crown“ über die Serie denken

| Lesedauer: 7 Minuten
Anne Diekhoff
Haben gut lachen: Queen-Elizabeth-Darstellerin Claire Foy, Matt Smith (Prinz Philip) und Vanessa Kirby (Prinzessin Margaret) bei der Premiere in London.

Haben gut lachen: Queen-Elizabeth-Darstellerin Claire Foy, Matt Smith (Prinz Philip) und Vanessa Kirby (Prinzessin Margaret) bei der Premiere in London.

Foto: SIMON DAWSON / REUTERS

Sogar die Queen soll Fan sein: Zur zweiten Staffel „The Crown“ erzählen die Hauptdarsteller von der Serie, die ihr Leben veränderte.

London.  Sie winken, lächeln in die Runde, werden bejubelt, fast wie die richtigen Royals. Aber das viele Posieren für Selfies und das Autogrammeschreiben verraten dann doch, dass auf diesem roten Teppich Filmstars flanieren: Claire Foy und Matt Smith spielen Queen Elizabeth II. und Prinz Philip in der britischen Serie „The Crown“ (Die Krone), Vanessa Kirby ist Prinzessin Margaret. In London feierte die zweite Staffel der royalen Netflix-Produktion große Premiere.

Die Serie ist ein ehrgeiziges Erzählprojekt: Sie beginnt mit der Hochzeit Elizabeths und Philips im Jahr 1947; am Ende der vier geplanten Staffeln will sie in der Gegenwart angekommen sein. Die erste Staffel, die unter anderem mit dem Golden Globe als beste Drama-Serie ausgezeichnet wurde, endete mit dem Aus von Prinzessin Margarets großer Liebe. Der bürgerliche, geschiedene Offizier Peter Townsend war nicht standesgemäß für die Schwester der Queen.

Mehr Verständnis für Königin und Prinzgemahl

„Ich habe das Gefühl, dass ich die ganze königliche Familie jetzt besser verstehe und auch mehr zu schätzen weiß“, sagt Matt Smith am Tag nach der Premiere beim Gespräch in einem Londoner Hotel. Er und seine „Queen“ Claire Foy wirken ausgesprochen heiter, scherzen fast ununterbrochen in einem freundschaftlichen Ton miteinander. Ihre Arbeit am Langzeit-Projekt „The Crown“ ist getan – in den noch ausstehenden beiden Staffeln übernehmen ältere Schauspieler ihre Rollen –, sie können sich jetzt zurücklehnen und genießen.

„Es ist alles sehr seltsam“, sagt Claire Foy mit britischem Understatement auf die Frage, wie der Ruhm bei ihr ankommt. Die Kritiker waren überwiegend begeistert, sie ist bei den Golden Globes auch als beste Serien-Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden – bis dahin nicht gerade Alltagskost für die 33-jährige Schauspielerin. „Stolz sein zu können auf die eigene Arbeit ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt sie. „Es ist eine wunderbare Sache.“

Matt Smith, (35, der „elfte Doktor“ in der britischen Langzeitserie „Doctor Who“) zitiert Stephen Daldry, den Regisseur. Der habe gesagt „Es ist schön, wenn man zur Feier eingeladen wird“ – soll heißen: Man kann sich freuen, wenn es klappt, aber darauf gibt es keinen Anspruch. Nur nicht überheblich werden, Leute.

Ähnlichkeiten mit dem echten Prinz Harry

Überheblichkeit kann Smith sowieso zu Genüge in seiner Rolle als Prinz Philip ausleben – neben vielen anderen Eigenschaften natürlich. Autor Peter Morgan („The Queen“) ist ja gerade mit dem Ziel angetreten, die Menschen hinter der royalen Maske zu zeigen. Und darin ist er ganz gut.

Als Prinz Philip entwickelt Smith eine interessante Ähnlichkeit mit dem echten Prinz Harry – man nimmt ihm dessen Großvater in jung ohne weiteres ab. So entsteht beim Zuschauen zuweilen der Eindruck, Einblicke in ein Stück reale Geschichte zu erhalten.

Was mag die Queen darüber denken? Eine offizielle Reaktion aus dem Buckingham-Palast gebe es nicht, erzählt Margaret-Darstellerin Vanessa Kirby. Aber es hieße, die Königin sehe sich „The Crown“ gern an – Prinz Philip hingegen nicht.

Große Sympathie für die unglückliche Prinzessin

Vanessa Kirby hat das Schicksal der von ihr gespielten Prinzessin Margaret sehr bewegt. „Es war vermutlich eine der tragischsten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts“, sagt die 29-Jährige. Bevor sie die Rolle bekam, habe sie lediglich ein vages Bild im Kopf gehabt von einer „irgendwie tragischen Figur“. Durch die Arbeit habe sie aber dann herausgefunden, dass Margaret ein wunderbarer Mensch gewesen sei.

Was würde Kirby die 2002 gestorbene Prinzessin fragen, wenn sie könnte? „Ich würde sie fragen: Bist du jemals über Peter hinweggekommen? Wie lange hast du ihn geliebt?“

Einsteiger des Monats: Matthew Goode

Weniger tragisch wird Vanessa Kirby übrigens Mitte 2018 zu erleben sein – an der Seite von Tom Cruise in „Mission Impossible 6“. Zuerst aber findet sie als Prinzessin Margaret in der zweiten Staffel von „The Crown“ doch noch einen Ehemann – wenn auch nur vorübergehend: Matthew Goode („The Good Wife“, „Downton Abbey“) steigt in die Serie ein uns spielt den eigenwilligen Fotografen Antony Armstrong-Jones. Die Queen macht ihn nach seiner Hochzeit mit Margaret zum „1. Earl of Snowdon“ – was der Ehe auf lange Sicht auch nicht hilft.

Überhaupt, die Ehe: Sie ist hier ein großes Thema. In Staffel zwei, seit dem 8. Dezember bei Netflix, spitzen sich die Konflikte zwischen der Queen und Philip zu – oder eher: Sie werden auch mal ausgesprochen. Wenn nicht gerade der Sueskonflikt oder Intrigen in der Downing Street 10 im Mittelpunkt stehen.

Eheproblem auch bei der Königin und ihrem Mann

Wo die Queen ist, ist eben immer auch Weltgeschichte. Und was soll der Prinz so lange machen? Das ist das Problem: Er fühlt sich am Hof nicht ernstgenommen. Die Königin findet, er jammere wie ein Weichei und solle sich endlich in seine Rolle finden. Auch seine Untreue wird angedeutet – mehr aber auch nicht. Der Hof hatte bei beim Drehbuch übrigens nicht mitzureden.

Natürlich ist die Serie fiktiv. Abgesehen von den historisch verbrieften Ereignissen, die den Rahmen der Erzählung bilden: Die privaten Momente müssen erfunden werden. Aber ganz unbekannt ist die Geschichte der britischen Königsfamilie ja nicht. Nicht einmal die der Liebe zwischen Elizabeth und Philip, die vor mehr als 70 Jahren begann.

Googlen für den Realitätscheck

So wird der geneigte Zuschauer die Erzählung als sehr glaubwürdig erachten – und mit dem Googeln von Fakten beschäftigt sein, um herauszufinden, was davon vielleicht doch wirklich stattgefunden hat. Wenn er nicht gerade von den wirklich schönen Bildern abgelenkt ist, mit denen die Story erzählt wird.

Und wie spielt man nun die Königin von England? „Ich habe sehr früh gedacht, dass ich nicht die Königin spiele, sondern Elizabeth Mountbatten“, sagt Claire Foy. „Die Königin von England ist ein Konstrukt. Wir wussten, dass wir die Menschen zeigen wollten.“ Dafür müsse man versuchen, sie zu verstehen. Physisch und emotional. Smith ergänzt: „Und dann verbindet man diese Dinge und interpretiert sie neu.“ Wie auch immer das geht: Es hat auf jeden Fall geklappt.