Verkehrssicherheit

Jedes fünfte Auto schafft es nicht durch den Tüv

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Fast 20 Prozent der geprüften Autos sind beim Tüv zuletzt durchgefallen. Leuchten, Bremsen, Öllecks und Achsfedern sind Hauptursachen.

Berlin.  Das Licht geht nicht, die Bremsen sind verschlissen, anderes funktioniert nicht: Jedes dritte Auto hat Mängel, jedes fünfte fällt bei der Tüv-Hauptuntersuchung sogar durch. Genau genommen waren es 19,9 Prozent im Vergleich zu 24,9 Prozent vor rund fünf Jahren. Das zeigt der Tüv-Report 2018.

Schon seit den Siebzigerjahren machen die Experten öffentlich, in welchem Zustand die Autos auf Deutschlands Straßen sind, welche Sicherheitsrisiken es gibt – und welche Modelle besonders gut oder schlecht abschneiden. Zu verstehen ist der Report somit als Bestandsaufnahme, aber auch als Ratgeber für jene, die ein Auto gebraucht kaufen wollen. Diesmal sind dafür mehr als zehn Millionen Hauptuntersuchungen aus der Zeit von Juli 2016 bis Juni 2017 eingeflossen.

Vor zehn Jahren standen viele japanischen Modelle auf den besten Plätzen. Mittlerweile belegen diese vor allem die deutschen Hersteller. Joachim Bühler, der Geschäftsführer des Verbandes des Tüv in Deutschland sagt, Mercedes, Audi, VW und Porsche hätten „endgültig überholt“.

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Die Tops beim Tüv

Unter den jüngeren Modellen bis zu drei Jahren sieht der offene Mercedes SLK am besten aus – nur zwei Prozent haben erhebliche Mängel. Ihm folgt der VW Golf Sportsvan. Bei den Vier- und Fünfjährigen glänzt mit der B-Klasse ein weiterer Mercedes mit hoher Qualität. Auch die ersten Plätze unter den älteren Fahrzeugen gehen an einen Schwaben: Der Porsche 211 ist in allen Jahrgängen zwischen sieben und elf Jahren der Musterknabe. „Mängelzwerge“ nennen die Tüv-Experten diese Tops. Am anderen Ende der Tabelle stehen die „Mängelriesen“, die Flops.

Die Flops beim Tüv

Zu ihnen gehört der stylishe SUV Kia Sportage. Der große Wagen schneidet unter den Zwei- und Dreijährigen am schlechtesten ab. Bei den Fünfjährigen ist es der Peugeot 206, bei den Siebenjährigen der Chevrolet Aveo. Auch der Chevrolet Matiz patzt. Er ist der Verlierer bei den neun Jahre alten Autos. Ford Ka und Ford Galaxy schneiden bei den Elfjährigen am schlechtesten ab.

Die häufigsten Mängel

Besonders oft werden beanstandet: defekte hintere Beleuchtung, mangelhafte Bremsen, Öllecks an Motor und Antrieb, schadhafte Achsfedern und Stoßdämpfer. Gerade jetzt im Herbst, in der dunklen Jahreszeit, könne eine „Kombination aus fehlender Beleuchtung und verschlissenen Bremsen fatale Folgen haben“, warnt Joachim Bühler.

Er ruft dazu auf, regelmäßig Inspektionstermine wahrzunehmen: „Keinesfalls sollte man die Mängel auf die leichte Schulter nehmen.“ Dabei gelte: „Je älter ein Wagen, desto mehr Mängel.“ Fällt bei den fünf Jahre alten PKW noch jeder zehnte durch den Tüv, ist es bei den Neunjährigen jeder fünfte, bei den Elfjährigen gut jeder vierte.

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Die Prüfung

Auspuffanlage, Achsaufhängung, Lenkung – gut hundert Prüfpunkte hakt der Tüv bei der Hauptuntersuchung ab. Grundsätzlich werden die Wagen dann unterschieden in jene „ohne Mängel“ und jene „mit Mängeln“. Sind es „geringe Mängel“, gibt es die Plakette, der Mangel muss aber behoben werden. Wem am Auto „erhebliche Mängel“ attestiert werden, darf ohne Plakette wieder weg. Der Mangel muss aber schnell, spätestens in vier Wochen behoben werden. Bei einem „verkehrsunsicher“ gibt es keinen Ausweg, das Fahrzeug wird sofort stillgelegt. Letzteres kam in den letzten Monaten allerdings nur bei einer von Tausend Hauptuntersuchungen vor.

Extra-Kriterium für Diesel

Ab diesem Jahr gibt es eine neue Regelung für jene, die einen Diesel besitzen und von den Abgasmanipulationen betroffen sind. Manche Autofahrer weigern sich aber, trotz amtlicher Aufforderung in die Werkstatt zu fahren, damit der Wagen nachgerüstet wird und ein Software-Update erhält. Sie fürchten einen Nachteil für ihren Motor oder höhere Spritkosten. Doch wird auf der Tüv-Grube festgestellt, dass das Update nicht oder unsachgemäß erledigt oder auch rückgängig gemacht wurde, gilt das als „erheblicher Mangel“.

Bislang fehlen im Tüv-Report nahezu völlig Autos, die mit alternativen Antrieben unterwegs sind. E-Autos, Wasserstoff- oder gasbetriebene Fahrzeuge fahren beim Tüv kaum vor. Das könnte sich künftig ändern.