Texas

Kirchenmassaker: Das Motiv gibt Rätsel auf

Trump zu Schusswaffenangriff: "Unsere Herzen sind gebrochen"

US-Präsident Donald Trump zeigt sich entsetzt über den Schusswaffenangriff in einer Kirche in Texas. Auf seiner Asienreise erklärte Trump, die Amerikaner stünden in "dunklen Zeiten" zusammen.

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Kurz nach dem Blutbad in Las Vegas ist Amerika erneut von einem Anschlag erschüttert worden. Was wir über das Kirchen-Massaker wissen.

Sutherland Springs.  Ein junger Mann hat während eines Gottesdienstes in einer Kirche in Texas das Feuer auf Gläubige eröffnet und 26 Menschen getötet – und Wut auf seine Schwiegermutter könnte eine Rolle spielen. Bei der Bluttat gibt es laut den Ermittlern Hinweise auf ein familiäres Motiv. Die Schwiegermutter habe die Kirche in der Vergangenheit häufiger besucht, sagte Freeman Martin vom texanischen Ministerium für Öffentliche Sicherheit.

Der Angreifer hatte in der Kirche des kleinen Ortes Sutherland Springs am Sonntag das Feuer eröffnet und 26 Menschen getötet. Etwa 20 weitere wurden verletzt. Der Schütze wurde nach der Tat tot in seinem Wagen gefunden. Die Opfer sind zwischen fünf und 72 Jahre alt. Nach Angaben texanischer Behörden handelt es sich beim Täter um den 26-Jährigen Devin Petrick Kelley aus New Braunfels. Er soll im Jahr 2014 wegen unangemessenen Verhaltens aus der Air Force entlassen worden sein, berichtet CNN. In seinem Auto fand die Polizei mehrere Waffen.

Angeheiratete Verwandte besuchten Kirche

Kelleys Onkel sagte laut NBC: „Ich hätte niemals gedacht, dass Devin zu solchen Dingen in der Lage wäre (...) Meine Familie wird wegen seiner feigen Tat leiden (...) Es tut mir so leid um die Opfer von Texas.“

Nach Behördenangaben wurde der Täter gegen 11.20 Uhr (Ortszeit) zunächst an einer Tankstelle der Ortschaft gesehen. Er ging dann über die Straße zur Kirche und begann noch draußen, mit einem Gewehr zu schießen. Nach Behördenangaben starben dabei zwei Menschen, danach sei der Schütze in die Kirche gegangen und habe weiter gefeuert.

Neues Entsetzen nach New York und Las Vegas

Vier ihrer Enkelkinder und ihre Schwiegertochter hätten sich in der Kirche befunden, sagte Sandy Ward dem Sender MSNBC. Ihre siebenjährige Enkelin sei getötet worden, der jüngste Enkel (5) liege im Krankenhaus. „Ich fühle mich taub, mein ganzer Körper ist taub.“

Zu den Todesopfern zählt die 14-jährige Tochter des Pastors der Gemeinde, Annabelle Pomeroy. Das bestätigte der Geistliche selber: Er und seine Frau hatten sich demnach zum Zeitpunkt der Tat nicht in Sutherland Springs aufgehalten.

Das Blutbad in der kleinen Gemeinde Sutherland Springs löste nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten und der jüngsten Terrorattacke in New York mit acht Todesopfern neues Entsetzen aus. Das Motiv des Schützen war aber zunächst völlig unklar.

Trump spricht von „entsetzlichem Verbrechen“

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „entsetzlichen Verbrechen“ und einer „Tat des Bösen“, inmitten eines heiligen Gottesdienstes. „Wir können den Schmerz, die Trauer und das Leid, das die Familien der Opfer erlitten haben, nicht in Worte fassen. In so harten Zeiten wie diesen tun Amerikaner, was sie am besten können: Sie halten zusammen“, sagte Trump am Montagmorgen (Ortszeit) in Tokio. Der Präsident befindet sich zur Zeit auf einer fast zweiwöchigen Asienreise.

Allerdings habe der Angriff nichts mit dem Waffenrecht in den USA zu tun. „Das war ein sehr gestörtes Individuum“, sagte Trump weiter. Gefragt, ob eine Änderung des Waffenrechts anstehe, antwortete er, die USA hätten ein großes Problem mit psychischer Gesundheit. Das Massaker von Texas sei ein sehr, sehr trauriges Ereignis: „Wer hätte jemals gedacht, dass so etwas passieren kann“, sagte Trump.

Obama für schärfere Waffengesetze

Ex-US-Präsident Barack Obama hat sich erschüttert gezeigt und erneut schärfere Waffengesetze gefordert. „Wir trauern mit allen Familien in Sutherland Springs, die von diesem Akt des Hasses getroffen wurden (...) , twitterte er am Sonntagabend (Ortszeit) nach dem Blutbad. Zugleich sprach sich Obama – wie bereits während seiner Amtszeit – für schärfere Waffengesetze aus. „Möge Gott uns allen die Weisheit geben, um zu fragen, welche konkreten Schritte wir unternehmen können, um die Gewalt und die Waffen unter uns zu reduzieren.“

Nach Behördenangaben war der ganz in Schwarz gekleidete junge Mann um kurz nach 11 Uhr (Ortszeit) zunächst an einer Tankstelle der Ortschaft gesehen worden, ging dann über die Straße zur Kirche und begann noch draußen, mit einem Gewehr zu schießen.

Schütze in Fluchtauto tot aufgefunden

Nach Behördenangaben starben dabei zwei Menschen. Danach sei der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete Schütze in das Gebäude gegangen und habe weiter gefeuert. 23 Menschen waren auf der Stelle tot, ein weiteres Opfer starb später im Krankenhaus, teilte Freeman Martin von der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit weiter mit.

Schließlich wurde der Schütze von einem Einwohner konfrontiert, ließ seine Waffe fallen und flüchtete in seinem Wagen. Dort wurde er wenig später tot aufgefunden. Die näheren Umstände blieben zunächst unklar.

Keine Feuerwehr in Sutherland Springs

Wie es hieß, kommen im Durchschnitt 50 Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst. Die First Baptist Church sei das Zentrum der kleinen Gemeinde mit gerade mal mehreren 100 Einwohnern, die gut 50 Kilometer südöstlich von San Antonio liegt.

Eine Einwohnerin, Carrie Matula, sagte dem Sender MSNBC, Sutherland Springs sei so klein, dass es dort nicht einmal eine Feuerwehr gebe. Jeder kenne jeden, man stehe sich sehr nahe. Was am Sonntag geschehen sei, treffe damit alle Einwohner.

Motiv von Las Vegas weiterhin unklar

Erst vor gut einem Monat hatte ein Mann weltweites Entsetzen ausgelöst, als er in Las Vegas (Nevada) aus einem Hotelfenster auf Besucher eines Musikfestivals schoss und 58 Menschen tötete – mehr als 500 weitere wurden verletzt. Der Täter nahm sich das Leben. Es war der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Das Motiv ist nach wie vor unklar.

Bereits 2015 war es auch zu Schüssen in einer Kirche gekommen. Ein damals 21-Jähriger hatte aus rassistischen Motiven in einer Kirche in Charleston (South Carolina) neun schwarze Gläubige erschossen. Er wurde später zum Tode verurteilt. (dpa)