Oktoberfest

Irritation über Wiesn-Tipps für Schwule und Lesben

Am Samstag eröffnet in München die Wiesn 2017. Sind auch Schwule und Lesben willkommen?

Am Samstag eröffnet in München die Wiesn 2017. Sind auch Schwule und Lesben willkommen?

Foto: MICHAELA REHLE / REUTERS

Schwule Besucher sollten sich bei der Wiesn lieber „zurückhalten“. Eine Ratgeberseite fürs Oktoberfest löst im Netz Diskussionen aus.

Berlin.  Eigentlich haben sich die „Freunde des Münchner Oktoberfests“ die „Verhinderung und Bekämpfung von Vorurteilen“ auf die Fahnen geschrieben. So steht es in der Satzung des Fördervereins, der mit oktoberfestportal.de eine der größten Ratgeberseiten rund um die Wiesn betreibt. Ein dort veröffentlichter Katalog mit Verhaltenstipps für homosexuelle Wiesngänger wirft nun aber die Frage auf: Wie tolerant ist das Volksfest wirklich?

„Generell gilt eine gewisse Zurückhaltung auf der Wiesn“, heißt es da zu der Frage, ob Schwule und Lesben auf der Wiesn flirten dürften. „Nicht jeder Besucher des Oktoberfests ist so tolerant, dass er sich über schwule Männerpaare freuen kann.“ Außerdem sollten „schwule und lesbische Paare die Augen und Ohren offen halten, ob sie für Gesprächsstoff sorgen“.

„Männliche Bedienungen sind tabu!“

Das Bierzelt sei nicht der richtige Ort, um Menschen Begriffe wie Toleranz und Gleichberechtigung zu erklären. Bei schwulen Wiesn-Events könne man zwar „sein Glück versuchen und auch offen flirten: Nur die männlichen Bedienungen in den Zelten bleiben natürlich tabu!“

In den sozialen Netzwerken lösen die Hinweise Spott und Unverständnis aus. „Nicht nur die Webseite aus dem letzten Jahrtausend, leider auch die Ansichten“, schreibt ein Twitter-Nutzer. „Damit wird das Problem halt auf die Betroffenen verschoben statt auf die potentiellen Täter*innen“, meint ein anderer. Eine weitere Nutzerin schreibt: „Wer ein Problem mit homosexuellen Paaren hat, soll sich gefälligst in seiner Wohnung einsperren! Unfassbar.“

Oktoberfest selbst wohl nicht homophob

Intolerante Wiesn-Besucher sind das Eine, das Oktoberfest selbst scheint immerhin keine homophobe Veranstaltung zu sein. Der „Gay Sunday“ am ersten Festsonntag im Bräurosl, die „Prosecco-Wiesn“ oder der „RoslMontag“ gehören mittlerweile fest zum Programm. Eine Übersicht zu schwul-lesbischen Wiesn-Terminen bietet die Seite rosawiesn.de – betrieben übrigens von den „Freunden des Münchner Oktoberfests“. (küp)

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