Katastrophengebiet

Das müssen deutsche Urlauber nach Hurrikan „Irma“ wissen

Die US-Luftwaffe evakuiert Touristen von der niederländischen Karibikinsel Sint Maarten.

Die US-Luftwaffe evakuiert Touristen von der niederländischen Karibikinsel Sint Maarten.

Foto: U.S. Air Force via ZUMA Wire / Z / action press

„Irma“ hat an Kraft verloren. Nun werden Tausende deutsche Touristen aus Florida und der Karibik ausgeflogen. Die Bundeswehr hilft.

Miami/Berlin.  Der Sturm hat sich abgeschwächt, aber für Tausende Deutsche in den Katastrophengebieten ist der Schrecken längst nicht vorbei. Bis zu 200.000 deutsche Staatsangehörige halten sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Florida auf. Auch in der Karibik sind Deutsche von Hurrikan „Irma“ betroffen. Behörden und Reiseveranstalter versuchen nun, gestrandete Urlauber heimzuholen.

Am Dienstag landete ein 31-köpfiges, von der Bundesregierung entsandtes Krisenteam in den USA. Es besteht aus Mitarbeitern des Auswärtigen Amts, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks. Zudem brach ein mit Hilfsgütern beladenes A400M-Transportflugzeug der Bundeswehr nach Curaçao auf. Auf dem Rückweg sollen damit in den nächsten beiden Tagen Deutsche von der karibischen Insel St. Martin/Sint Maarten ausgeflogen werden.

Der Reiseveranstalter Tui berichtet von einer großen Zahl Betroffener: „In der Dominikanischen Republik sind rund 2000 deutsche Tui-Gäste, auf Kuba 600 und nochmal rund 600 in Florida. Nach heutigem Kenntnisstand ist kein Tui-Gast zu Schaden gekommen“, sagte Konzernsprecherin Anja Braun auf Anfrage. Tui setze Sondermaschinen ein, um die Deutschen „so schnell wie möglich“ nach Hause zu fliegen. Man rechne damit, bis zum Donnerstag alle Pauschalreisenden wieder nach Europa zu bringen.

Die Lage ist unübersichtlich

Über die Situation der Deutschen in der Karibik und in Florida gibt es aufgrund der Größe des Katastrophengebiets und der Schwere der Schäden noch keine belastbaren Angaben. Der niederländische König Willem-Alexander sagte während eines Besuchs auf Sint Maarten, die Verwüstung übersteige „alle Vorstellungskraft“. Das Auswärtige Amt berichtet, dass im Norden Kubas offenbar keine ausländischen Touristen verletzt wurden.

Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Kuba-Rundreisen bis zum 30. Oktober storniert. Reisen auf die Florida Keys wurden bis zum 30. September abgesagt. Thomas Cook erklärte, dass alle Gäste in sämtlichen betroffenen Regionen wohlauf seien. Tui reagiert ebenfalls und bietet voraussichtlich bis Ende des Monats keine Reisen nach Sint Maarten an.

In der Dominikanischen Republik herrscht wieder Alltag

In der bei deutschen Urlaubern besonders beliebten Dominikanischen Republik herrscht bereits fast wieder Alltag. „Irma“ hat dort laut dem Tourismusministerium des Landes keine größeren Schäden verursacht. Die touristische Infrastruktur sei intakt. Der Flugverkehr sowie die Hotelanlagen in Orten wie Punta Cana und Santo Domingo laufen wieder im Normalbetrieb. Tui berichtet, dass die meisten Reisenden in ihre Hotels zurückgekehrt sind. Offenbar sind sie gewillt, sich ihre Ferien nicht verderben zu lassen – sie setzen ihren Urlaub dem Unternehmen zufolge fort.

Zu den Betroffenen gehört auch der britische Milliardär und Abenteurer Richard Branson (67), der zeitweise auf einem zu den Britischen Jungferninseln gehörenden Eiland lebt. „Der Großteil der Gebäude und der Vegetation wurde zerstört oder schwer beschädigt“, teilte Branson mit.

100 Schwerverbrecher ausgebrochen

Während Urlauber auf eine baldige Ausreise hoffen können, bereiten sich die ständigen Bewohner auf anstrengende Wochen vor. Auf den Süden Floridas kommt eine Hitzewelle zu. In den nächsten Tagen soll es bis zu 42 Grad warm werden. Weil es zudem in mehr als sieben Millionen Haushalten und Geschäften weder Strom noch Wasser gibt und keine Toilettenspülung funktioniert, könnten die Aufräumarbeiten zur Tortur werden.

Die Behörden müssen nicht nur die Sturmschäden beheben, sondern auch die öffentliche Ordnung sicherstellen: Auf den Britischen Jungferninseln sind mehr als 100 Schwerverbrecher aus einem Gefängnis ausgebrochen. Sie stellten eine „ernsthafte Bedrohung“ für Recht und Ordnung in dem britischen Überseegebiet dar, wie der britische Staatssekretär im Londoner Außenministerium sagte. Es habe die Gefahr bestanden, dass der Rechtsstaat komplett zusammenbreche. Britische Soldaten hätten den Auftrag, „alles zu beschützen, was mit Recht und Ordnung zusammenhängt“.