Magnetfeld

Forscher vermuten: Pottwale starben wegen Sonnenstürmen

Tote Pottwale am Deich von Kaiser-Wilhelm-Koog in Schleswig-Holstein. Auslöser des rätselhaften Tods der Tiere waren Sonnenstürme, vermuten Wissenschaftler jetzt.

Tote Pottwale am Deich von Kaiser-Wilhelm-Koog in Schleswig-Holstein. Auslöser des rätselhaften Tods der Tiere waren Sonnenstürme, vermuten Wissenschaftler jetzt.

Foto: Fabian Bimmer / REUTERS

Massenhaft tote Pottwale an Nordseestränden Anfang 2016: Für das rätselhafte und traurige Phänomen gibt es nun eine mögliche Erklärung.

Kaiser-Wilhelm-Koog/Kiel.  Der Fall hatte im Januar und Februar 2016 viele Menschen bewegt: Warum werden an den Stränden tote Pottwale angespült? Ein Team von Wissenschaftlern hat nun eine überraschende Erklärung: Sonnenstürme. Sie kommt zufällig passend zum stärksten Sonnensturm seit zwölf Jahren.

Auf der Sonne kommt es immer wieder zu gewaltigen Eruptionen, bei denen auch gigantische Mengen von Gasen ins Weltall geschossen werden. Treffen sie auf die Erde, kommt es nicht nur zu Polarlichtern, auch das Magnetfeld der Erde kann gestört werden. Und genau das könnte den Walen zum Verhängnis geworden sein. Sie haben die Orientierung verloren und sind falsch abgebogen.

Zwei Sonnenstürme kurz vor den Todesfällen

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Kiel, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und einer Einrichtung im norwegischen Tromsø in einem Beitrag im „International Journal of Astrobiology“. Das Magnetfeld in der Region habe sich während eines Sonnensturms am 20. Dezember 2015 so verändert, dass es sich kurzzeitig um 460 Kilometer in Nord-Süd-Ausrichtung verschob. Am 31. Dezember gab es einen zweiten Sonnensturm.

Deshalb könnten die Meeressäuger vor der Küste Norwegens, wo das Meer in Tiefen von 1000 Meter abfällt, eine Route nach Süden genommen haben. Statt westwärts nördlich von der britischen Insel zu schwimmen, zogen sie nach Süden. „Wenn die Wale in der Gegend zwischen Schottland und Norwegen für ein oder zwei Tage in die falsche Richtung schwimmen, ist es für sie zu spät, sie sind gefangen“, sagte Klaus Vanselow vom Kieler Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der BBC.

Tiere hatten Plastik im Magen, waren aber gesund

Im Januar und Februar 2016 wurden dann an den Stränden 29 tote Pottwale registriert. Allein an der deutschen Nordseeküste wurden 17 der Riesen angespült, in den Niederlanden und in Großbritannien je sechs und an der französischen Küste fand sich ein Kadaver. Obduktionen hatten ergeben, dass die Tiere zwar viel Plastikmüll im Magen hatten, aber ansonsten gut genährt und gesund waren. Sie waren an Herz- und Kreislaufversagen gestorben.

Für die Theorie, dass sie sich verirrt hatten, spricht auch, dass es sich um Jungbullen handelte. In der Kinderstube der Wale vor den südlicher gelegenen Azoren ändert sich das Magnetfeld kaum, für die Tiere war das Phänomen in den polarnäheren Regionen neu. Zur Orientierung von Pottwalen gibt es noch viele ungeklärte Fragen, bei Vögeln ist bereits nachgewiesen, dass sie das Magnetfeld nutzen, aber zum Teil zusätzlich auch die Sonne. nenst

Bereits kurz nach den Todesfällen hatte ein Meeresbiologe einen andere möglichen Grund geliefert: Uwe Piatkowski vom Geomar Helmholtz-Zentrum hatte erklärt, heftige Stürme im Nordostatlantik hätten die Tiere in die Nordsee geleitet, weil sie ihrer Nahrung gefolgt seien. Die Stürme hätten die Kalmare nach Süden getrieben. Mit ihnen seien die Pottwale immer weiter in die flachen Gewässern der Nordsee vorgedrungen und dort schließlich gestrandet. (law)