Drama

Todkrankes Baby in England: Kampf um den kleinen Charlie

Chris Gard und Connie Yates kämpfen um ihr Baby Charlie.

Chris Gard und Connie Yates kämpfen um ihr Baby Charlie.

Foto: Dominic Lipinski / dpa

Das Schicksal des kleinen Charlie schien besiegelt. Nun wird erneut über die Behandlung entschieden. Seine Eltern dürfen wieder hoffen.

London.  Papst Franziskus bot der Familie Zuflucht an, Präsident Donald Trump will sie in die USA holen, Hunderttausende Unterschriften wurden gesammelt – der Fall des todkranken Babys Charlie Gard bewegt die Welt. Seit Monaten streiten Charlies Eltern, das britische Ehepaar Connie Yates (31) und Chris Gard (32), vor Gericht um das Leben ihres todkranken Kindes. Ende Juni entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dann vermeintlich endgültig, dass die Ärzte des Londoner Great Ormond Street Hospital die Behandlung abbrechen und Charlie sterben lassen dürfen. Doch jetzt gibt es überraschend gute Nachrichten für die Eltern.

Am Freitag teilte das Great Ormond Street Hospital in London mit, dass am heutigen Montag erneut gerichtlich geprüft werden soll, ob Charlie für eine experimentelle Therapie ins Ausland gebracht werden könne. Die Klinik erklärte, Forscher hätten neue Hinweise auf Methoden zur Heilung des Kindes geliefert. „Wir glauben, genau wie Charlies Eltern, dass es richtig ist, diese Aussagen auszuwerten“, teilte das Londoner Krankenhaus mit.

Papst betet für Charlie

Bewegung in den Fall kam in der vergangenen Woche, als US-Präsident Donald Trump in einem Twitter-Beitrag seine Hilfe anbot. Papst Franziskus hatte kurz davor ­verlauten lassen, dass er für den Jungen und seine Eltern beten würde. Er bot der Familie sogar die Staatsbürgerschaft im Vatikan für ihr Baby an, um so das endgültige Gerichtsurteil zu umgehen.

Und die Welle der Hilfsbereitschaft riss nicht ab: Der italienische Außenminister rief bei seinem englischen Amtskollegen an und fragte, warum Charlie denn nicht im römischen Krankenhaus Bambino Gesù behandelt werden könne. Eine Demon­stration zog am gestrigen Sonntag vor dem Londoner Spital auf und lieferte eine Petition ab, in der 350.000 Unter­zeichner die Ärzte auffordern, Charlie die Reise nach Amerika zu gestatten.

Nach den Gerichtsurteilen gaben die Eltern nicht auf

Der Fall des kleinen Charlie Gard ist besonders. Das Baby leidet an dem äußerst seltenen mitochondrialen DNA-Depletionssyndrom (MDDS). Es kann nicht sehen, nicht hören und muss künstlich beatmet werden. Aber es lebt. Charlie wächst, kann seine Augen öffnen und sieht so niedlich aus, wie ein elf Monate altes Baby aussehen kann. „Er ist unser Sohn. Wir finden, dass es unser Recht als Eltern ist, ihm die Chance zu leben zu geben“, sagt die Mutter Connie Yates bei der Demons­tration vor der Londoner Klinik am Sonntag.

Connie Yates und ihr Mann Chris Gard wirken beim Ortstermin müde – seit Monaten kämpfen sie sich für ihr Baby durch alle Instanzen. Am Anfang hatten die beiden Grund zur Hoffnung. Noch im November dachten auch Charlies Ärzte, dass ihm eine Nukleosid-Therapie in den USA helfen könnte. Dann änderten sie ihre Meinung: Der Hirnschaden sei zu groß, die Aussichten auf eine Heilung oder auch nur Linderung wären nicht gegeben.

Ein New Yorker Krankenhaus könnte Medikamente liefern

Sie konnten drei Gerichte in Großbritannien und schließlich auch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte davon überzeugen, dass eine experimentelle Therapie lediglich zu weiterem Leiden für Charlie führen würde. Das Ausmaß der Hirnschäden bedeute, „dass die Lebensqualität, die Charlie zurzeit hat, es nicht wert ist, aufrechterhalten zu werden“, wie es im Urteil hieß. Daher läge es im besten Interesse des Kindes, wenn die Behandlung abgebrochen wird, um ihn „in Frieden“ sterben zu lassen.

Der Londoner Richter Nicholas Francis muss nun heute abwägen, was ­wirklich im besten Interesse von Baby Charlie Gard ist. Das New York Presbyterian Hospital hat jedenfalls schon angeboten, dass für den Fall, dass ein Transport als nicht zumutbar gelte, die Medika­mente nach Großbritannien geschickt werden könnten.