Restaurant

Zwillingsbrüder werden mit Omas Rezepten zu Stars in Bangkok

Die Zwillingsköche Thomas (l.) und Mathias Sühring.

Die Zwillingsköche Thomas (l.) und Mathias Sühring.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christoph Sator / picture alliance / Christoph Sat

Die Zwillingsbrüder Thomas und Mathias Sühring sind Koch-Missionare in Thailand: Die deutsche Hausmannskost ist dort der letzte Schrei.

Bangkok.  Die Kellnerin des Restaurants „Sühring“ in Bangkok ist einverstanden, das kleine, einem alten deutschen Schulheft nachempfundene Büchlein, in dem sie die ziemlich gepfefferte Rechnung präsentiert hatte, als Andenken herauszurücken. Ob sie auch das Original zeigen könne? Sie hält Rücksprache mit ihren Chefs, den deutschen Zwillingen Thomas und Mathias Sühring – und senkt energisch den Daumen. „Da stehen alle unsere Rezepte drin. Die rücken wir nicht raus“, übermittelt die Kellnerin die Nachricht.

Ein paar Tage später sitzen die Sühring-Brüder auf einer kleinen Terrasse ihres Lokals inmitten eines tropischen Gartens im Diplomatenviertel von Thailands Hauptstadt und schmunzeln über die Anekdote. Das Original des Hefts, in dem die 1932 geborene Großmutter in säuberlicher Handschrift ein Leben lang Kochrezepte sammelte, ist die Grundlage ihres Erfolges. Die 1977 in Ostberlin geborenen Brüder haben es geschafft, mit ihrem im Februar 2016 gegründeten Restaurant im renommierten Magazin „Asia’s 50 Best Restaurants“ auf Platz 13 zu landen. Mit Eisbein, Sauerkraut, Schweinshaxe, Regenbogenforelle oder Leberwurst-Brotzeit.

Kreatives Essen

Das lockt die High Society Bangkoks. „Bis zu 90 Prozent unserer Gäste sind Thailänder“, erklärt Mathias Sühring. Für sie bedeutet der Besuch im „Sühring“ eine exotische Reise. „Das Original des Buchs ist zu Hause“, sagt Mathias Sühring, während sein Zwillingsbruder Thomas auf ein hinter Palmen verstecktes Haus hinter dem Restaurant in einer schläfrigen Gasse zeigt, „ohne das Heft hätten wir vielleicht nicht den Mut aufgebracht, dieses Restaurant zu öffnen.“ Die beiden Sührings trauten sich, was bislang kein anderer deutscher Koch gewagt hat.

„Wir sind die Einzigen, die versuchen, außerhalb Deutschlands mit der neuen deutschen Küche Anhänger zu finden“, sagt Thomas Sühring. Was bedeutet neue deutsche Küche für sie? „Essen, das Spaß macht. Es soll zeitgemäß sein, kreativ ausfallen und gleichzeitig authentisch bleiben“, erklärt er. Dabei hatten sie anfangs mit Vorurteilen zu kämpfen: Deutsche Hausmannskost sei fettig, schwer verdaulich, erst recht in der Tropenhitze, die Portionen gewaltig. „Deutsches Essen wird bisher im Ausland mit Oktoberfest gleichgesetzt“, sagt Thomas Sühring. Klischees, die von anderen Lokalen wie dem Bangkoker „Old German Beerhouse“ bedient werden.

Die Idee der Brüder

Schon nach ihrer Kochausbildung in Berlin war den beiden klar: Sie wollten ganz nach oben. „Wenn schon, denn schon“, sagen die beiden wie aus einem Mund, als sie sich erinnern. In einem Smart rumpelten sie damals über deutsche Autobahnen und klapperten jedes Lokal eines Sternekochs ab.

Kaum hatten sie sich eingestanden, dass außer Benzinkosten nichts gewesen war, erreichte sie auf der Heimreise kurz vor Berlin ein Anruf der Kochlegende Sven Elverfeld. Er heuerte sie für sein Wolfsburger Restaurant „Aqua“ an. Es folgten Stationen in Holland, in Rom, mal getrennt, oft zusammen. 2008 bekam Thomas das Angebot, Küchenchef für das Bangkoker Luxusrestaurant „Mezzaluna“ unter der Kuppel des „Lebua“-Hotels zu werden. Seinen Bruder nahm er mit. Trotz des erlesenen Arbeitgebers: Der Wunsch, etwas Eigenes aufzuziehen, wurde größer. Die Brüder entwickelten ihr Konzept – auf Grundlage von Omas Rezepten.

Spätburgunder und Bier

„90 von 100 Leuten, mit denen wir über unsere Idee diskutiert haben, rieten uns ab.“ Doch gut gemeinte Ratschläge konnten Dickköpfe vom Schlag der Sühring-Zwillinge nicht beeindrucken. Jetzt gelten sie als Missionare der neuen deutschen Küche in Asien.

Chic ist das „Sühring“, aber auch zwanglos. Eine Kleiderordnung gibt es nicht. Natürlich fließt neben Riesling und Spätburgunder auch Bier. Während die Küche um zehn Uhr schließt, wird gezapft, bis der letzte Gast seinen Durst gestillt hat.