Tourismus

Warum Südkoreaner kein Hundefleisch mehr essen sollen

Ein Hundefleisch-Stand auf dem Markt in Seongnam nahe der Hauptstadt Seoul.

Ein Hundefleisch-Stand auf dem Markt in Seongnam nahe der Hauptstadt Seoul.

Foto: REUTERS / TRUTH LEEM / REUTERS

Südkorea fürchtet um seinen Ruf: Der Verzehr von Hunden könnte Touristen verschrecken. Jetzt soll Schluss sein mit Hundefleisch.

Seoul.  Ein hohes Ansehen genießt der Moran-Markt schon lange nicht mehr. Das laute Winseln und Gebell, der leicht beißende Geruch und die ständigen Proteste von Tierschützern haben die einstige Hauptattraktion der Stadt Seongnam südlich von Südkoreas Hauptstadt Seoul schon vor einiger Zeit in Verruf gebracht. Auf dem Moran-Markt werden Hunde verkauft – genau genommen Hundefleisch. Nun wird dieser Markt dichtgemacht.

Seit Ende Februar sind die Behörden dabei, den größten Hundefleischmarkt des Landes nach und nach zu schließen. Alle 22 Händler müssen bis spätestens Mai ihre Schlachtstätten räumen.

Kunden können Hund lebendig aussuchen

Die Stadtverwaltung reagiert damit auf Forderungen des staatlichen Tourismusverbandes. Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen, die im Februar 2018 in der nicht weit entfernten Stadt Pyeongchang stattfinden sollen, fürchtet der Verband um den Ruf Südkoreas. Auch der Bürgermeister von Seongnam unterstützt diese Forderung. „Die Größe einer Nation wird danach beurteilt, wie sie ihre Tiere behandelt“, zitieren ihn südkoreanische Zeitungen.

Tierschutzverbände aus aller Welt fordern bereits seit Jahren, dass diese aus ihrer Sicht „barbarische Praxis“ beendet wird. Kunden können sich ihren Hund, den sie verzehren wollen, lebendig aussuchen. Augenzeugen berichten, dass einige der Metzger die Vierbeiner durch Stromschläge hinrichten. Andere würden ihnen lebend den Kopf abschlagen. Häufig sei das auch offen für die Kundschaft zu sehen gewesen. Noch im vergangenen Jahr wurde auf dem Moran-Markt das Fleisch von über 80.000 Hunden verkauft – das entspricht rund einem Drittel des gesamten Hundefleischhandels in Südkorea.

Dem Fleisch wird heilende Wirkung nachgesagt

Bilder aus dem koreanischen Fernsehen zeigten Händler, die gegen die Schließung ihrer Stände protestieren. „Was soll denn jetzt aus uns werden?“ Die Behörden konnten jedoch einen Kompromiss erzielen: Ihnen wurde Geld angeboten, um ihre Stände zu renovieren und neue Waren anzubieten.

Der Verzehr der Vierbeiner hat nicht nur auf der koreanischen Halbinsel, sondern auch in einigen Teilen Chinas, Vietnams, Thailands und den Philippinen eine lange Tradition. Das Fleisch wird vor allem im Sommer eine kühlende und erfrischende Wirkung nachgesagt. Der traditionellen chinesischen Medizin zufolge ist der Verzehr zudem blutdrucksenkend. Bewiesen ist das jedoch nicht.

Hund gehörte zu beliebtesten Fleischsorten

Doch während die Vierbeiner in südostasiatischen Ländern allenfalls als Delikatesse gilt, gehörte Hundefleisch in Südkorea noch bis vor einigen Jahren nach Rind, Schwein und Huhn zur beliebtesten Fleischsorte. Die Hauptstadt Seoul zählte vor zehn Jahren noch mehr als 1500 Hundefleischrestaurants.

Zudem ist Südkorea das einzige Land auf der Welt mit Farmen, die Vierbeiner allein zum Verzehr züchten. In China etwa werden streunende Hunde gegessen. Offizielle Zahlen liegen nicht vor. Aber es gibt Schätzungen, dass die Koreaner noch bis vor Kurzem bis zu 2,5 Millionen Hunde im Jahr verspeist haben.

Einstellung zu Hunden verändert

Inzwischen hat sich allerdings auch in Südkorea die Haltung geändert. Die meisten Koreaner bevorzugen die Vierbeiner inzwischen als Haustiere. Lieferanten berichten, dass sich die Zahl der Anbieter in den letzten Jahren mehr als halbiert hat. Die wenigen der noch verbliebenen Hundefleischrestaurants in Seoul haben nun auch Lammfleisch auf der Speisekarte stehen.

Tierschutzorganisationen sind dennoch besorgt, dass die Schließung des Moran-Marktes nur wegen der Olympischen Spiele erfolgt ist – und die Behörden bereits im nächsten Jahr den Markt wieder zulassen könnten. Sie sprechen aus Erfahrung. Auch in anderen Landesteilen seien Metzgereien, die Hundefleisch angeboten hatten, aufgrund von Protesten erst geschlossen worden, hätten aber an anderen Orten ihren Handel wieder eröffnet. „Die Tradition des Hundefleischverzehrs hält sich in Südkorea sehr hartnäckig“, befürchtet die südkoreanische Tierschutzaktivistin Lee Jae-Hong.

Andere sind da zuversichtlicher und verweisen auf Peking. Als 2008 die Olympischen Sommerspiele in der chinesischen Hauptstadt stattfanden, mussten ebenfalls die meisten Hundefleischrestaurants schließen. Die Bestimmung wurde nach den Spielen zwar wieder gelockert. Heute finden sich in Peking aber nur noch wenige Lokale, die die ungewöhnliche Spezialität anbieten. Manche Züchter importieren ihr Fleisch jedoch nun aus Südkorea.