Sambodrom

Schwerer Unfall überschattet Finale des Karnevals in Rio

Sorgenvoll schaut ein Mann auf den Unfallort im Sambodrom in Rio de Janeiro. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, als ein Umzugswagen in die Zuschauermenge fuhr.

Sorgenvoll schaut ein Mann auf den Unfallort im Sambodrom in Rio de Janeiro. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, als ein Umzugswagen in die Zuschauermenge fuhr.

Foto: PILAR OLIVARES / REUTERS

Beim Höhepunkt des Karnevals in Rio ist viel nackte Haut zu sehen. Diesmal gabs auch schlimme Bilder, weil ein Wagen in die Menge fuhr.

Rio de Janeiro.  Majestätisch sieht er aus der Wagen, oben thront eine Frau, die einen prall gefüllten Obstkorb auf dem Kopf trägt, ein Konfettiregen geht immer wieder auf die Zuschauer nieder. Aber die Tänzerin vor dem riesigen Wagen der Sambaschule „Paraíso do Tuiuti“ sieht das Unheil in ihrem Rücken kommen.

Plötzlich läuft sie nach vorne, Panik im Blick. Der mehrere Tonnen schwere Wagen mit vielen Tänzerinnen an Bord wird schneller, bricht aus, fährt rechts in die Menge, quetscht mehrere Leute an ein Absperrgitter. Ein Mann ist blutüberströmt, eine Frau liegt schwer verletzt am Boden. Schock auf den Tribünen.

Rund 20 Verletzte bei Unfall

Krankenwagen rasen zur Unglücksstelle, rund 20 Verletzte werden gezählt, darunter zwei Schwerverletzte. Als hätte Rio de Janeiro nach den Olympischen Spielen nicht schon genug Sorgen mit leeren Kassen, vergammelnden Stadien und Dauerprotesten wegen des harten Sparkurses.

Keine Stunde läuft zu diesem Zeitpunkt das Finale der zwölf besten Sambaschulen im von Oscar Niemeyer entworfenen Sambódromo. Die 1952 gegründete Schule, die noch nie den Titel gewann und letztes Jahr den Aufstieg in den erlauchten Kreis der zwölf Besten schaffte, hat ein Jahr lang auf diesen Tag hingearbeitet. Ein anderer Wagen wird von einem bunten Drachen gekrönt, Tukane, Papageien, eine Hommage an die Vielfalt Brasiliens. 3100 Frauen und Männer tanzen, Freude pur.

Danach geht die Party weiter

Doch kaum sind die Krankenwagen um Mitternacht abgefahren, die Spuren des Unfalls bei strömendem Regen weggewischt, kommt die Ansage: Wir machen weiter! Die 72 000 Menschen auf den Tribünen jubeln. Das kann man befremdlich finden, die folgende Schule „Gres Acadêmicos“ legt eine kurze Pause ein, bittet um Solidarität mit den Verletzten.

Dann geht die Show weiter, die auch ein TV-Spektakel ist. Auf der Straße hinter dem Sambódromo warten ungeduldig die nächsten Schulen auf den 75 Minuten dauernden Durchmarsch durch das 700 Meter lange Stadion.

Kritik an Agrobusiness

Einer der Favoriten ist die Schule Imperatriz. Die lieferte eine Kampfansage an das Agrobusiness und würdigte das durch Sojaanbau, Regenwaldabholzung und Rohstoffförderung bedrohte indigene Volk der Xingu im Amazonasgebiet.

Wegen der Krise ist alles ein bisschen kleiner als sonst, früher tanzten und sangen bis zu 5000 Mitglieder pro Schule. Die Zahl der Umzüge in Rio wurde von über 500 auf 452 reduziert, es fehlt vielen Gruppen das Geld - viele Kostüme und Wagen fallen weniger üppig aus.

Karneval bietet Ablenkung von der Krise

Zu merken ist das kaum. Geruchsmäßig schlägt allerdings der Mangel an Chemie-Toiletten zu Buche. Wahre Helden sind die tausenden orangenen Männer und Frauen von Rios Entsorger Comlurb, die den Müll sofort wegkehren. In Brasilien sind im Zuge einer tiefen Rezession rund 12,5 Millionen Menschen arbeitslos.

Der Karneval ist da Ablenkung für die einen, wichtige Einnahmequelle für die anderen. Allein in Rio wurde mit über einer Million Touristen gerechnet. In jedem der Umzüge, Blocos genannt, marschiert eine Armada von Bierverkäufern mit, das Bier eisgekühlt in Boxen auf Transportfahrrädern oder Sackkarren verstaut. (dpa)