Höxter

Horror-Haus-Prozess: Frau sollte sich wie Ertrinkende fühlen

Im sogenannten Horror-Haus von Höxter soll ein Paar seine Opfer misshandelt haben. Mindestens zwei Frauen aus Niedersachsen starben.

Im sogenannten Horror-Haus von Höxter soll ein Paar seine Opfer misshandelt haben. Mindestens zwei Frauen aus Niedersachsen starben.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Im Prozess um das „Horror-Haus“ von Höxter hat die Angeklagte die Leiden mehrerer Frauen geschildert. Erstmals ging es auch um Geld.

Paderborn.  Die angeklagte Angelika W. hat vor dem Landgericht Paderborn neue Details zu den Geschehnissen im „Horror-Haus“ von Höxter preisgegeben. Die 47-Jährige schilderte am Dienstag, wie sie und ihr mitangeklagter Ex-Mann eine Frau aus Magdeburg über Monate gequält hätten.

Dabei sollen die ersten Gewalttaten von ihrem Ex-Mann Wilfried W. (46) ausgegangen sein. So soll er der Frau gewaltsam kaltes Wasser eingeflößt haben, um ihr das Gefühl zu geben, zu ertrinken. Dabei habe er dem Opfer mit einer scharfen Gefäßkante die Oberlippe aufgeschlitzt.

Paar erschlich sich 300.000 Euro von Opfern

Bevor die Frau nach einigen Monaten nach Magdeburg zurückkehren durfte, musste sie demnach ein Schriftstück unterschreiben, in dem sie versicherte, dass es nie zu Gewalttätigkeiten gekommen sei. Das hatte Angelika W. bereits an einem der ersten Prozesstage ausgesagt.

Erstmals äußerte sich die Angeklagte zu den Finanzen des früheren Paars. Nach ihrer Schätzung hatten sie und Wilfried W. sich von mehreren Frauen etwa 300.000 Euro erschlichen. Von ihrer eigenen Mutter hatte die Angeklagte 80.000 Euro bekommen. Die Ermittler fanden in dem „Horror-Haus“ im ostwestfälischen Höxter-Bosseborn 40.000 Euro Bargeld.

Angeklagter finanzierte sich so sein Hobby

Von einer der Frauen sollen es allein 55.000 Euro gewesen sein. „Die größte Einzelsumme von dieser Frau waren 5000 Euro, ansonsten waren es Summen von 300 bis 500 Euro“, sagte Angelika W. vor Gericht. Sie und Wilfried W. – beide selbst Hartz-IV-Empfänger – hätten von ihren Opfern Bargeld verlangt, damit die Behörden bei Bewegungen auf ihren eigenen Konten nicht stutzig werden. Gebraucht hätten sie das Geld unter anderem für die Interessen des Angeklagten wie Autos. Auch habe er Pläne gehabt, auszuwandern.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früher verheirateten Paar vor, über Jahre hinweg Frauen nach Höxter gelockt und brutal misshandelt zu haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien, weitere Opfer entkamen. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord.

Angeklagte sieht sich selbst als Opfer

Seit Oktober 2016 dreht sich der Prozess bislang um die Aussage der angeklagten Frau. Angelika W. hat darin sich selbst und ihren Ex-Mann schwer belastet: Sie habe einen Großteil der Gewalttaten verübt, dabei aber im Sinne ihres Mannes gehandelt. Dieser habe auch sie immer wieder gequält. Wilfried W. schweigt bislang. Nach Angaben seiner Anwälte sieht er seine Ex-Frau als Haupttäterin. (dpa)