Psychologie

Forscherin verrät, ob es schon vor dem Internet Trolle gab

Viele Trolle sind bei Facebook und in anderen sozialen Netzwerken aktiv und beleidigen dort andere Nutzer.

Viele Trolle sind bei Facebook und in anderen sozialen Netzwerken aktiv und beleidigen dort andere Nutzer.

Foto: imago stock&people / imago/Eibner Europa

Trolle machen im Internet fast jede gut gemeinte Diskussion zunichte. Eine Forscherin spricht nun über die verschiedenen Troll-Typen.

Berlin.  Es sind unter anderem so genannte Trolle, die dafür sorgen, dass aktuell die Diskussion um Hasskommentare und Fake-News so hochkocht. Trolle werden Internetnutzer genannt, die ausschließlich darauf aus sind, ihren Chatpartner oder ganze Gruppen von Menschen zu beleidigen und zu nerven.

Jackie Gray von der University of Middlesex in Großbritannien ist eine der wenigen Forscherinnen, die sich mit Trollen auseinandersetzt. Im Interview spricht die Professorin der Abteilung für forensische Psychologie unter anderem darüber, wie vor dem Internet-Zeitalter getrollt wurde.

Gibt es unterschiedliche Arten von Trollen?

Jackie Gray: Wir fangen mit der Forschung zu genau dieser Frage gerade erst an, aber es sieht danach aus, als gäbe es unterschiedliche Arten. Hinweise legen nahe, dass sich diese Arten daran ausrichten, in welcher Situation das Trollen stattfindet. Bestimmte Kommentare scheinen bei bestimmten Ereignissen immer wieder aufzutauchen.

Ereignisse rund um das Thema Feminismus – wie etwa Emma Watsons Rede vor den Vereinten Nationen – ziehen sehr wahrscheinlich frauenfeindliche Kommentare und Vergewaltigungs- und Morddrohungen an.

Es gibt eine große Reichweite von Kommentaren, die von geschmacklosen Witzen bis hin zu ausgearbeiteten Gewalt- und Sexfantasien geht. Hinzu kommen direkte persönliche Angriffe, die – je nach Rechtssystem – illegal sein können.

Auch wenn wir diesen Punkt noch nicht systematisch erforscht haben: Es scheint so, dass es Unterschiede zwischen den einzelnen sozialen Netzwerken gibt. Twitter-Trolle kommentieren demnach anders als diejenigen auf YouTube, auf Facebook oder in Foren.

Wie lassen sich Trolle charakterisieren?

Gray: Dazu gibt es keine verlässlichen Studien. Eine Arbeit des US-Forschers Whitney Phillips legt nahe, dass die Trolle meist jung, weiß und männlich waren. Das jedoch war nur das Ergebnis einer einzelnen Studie.

Lässt sich bei Trollen ein bestimmtes Krankheitsbild ausmachen?

Gray: Eine Studie zu dem Thema hat zu Tage gebracht, dass den Trollen einzelne persönliche Merkmale gemein sind. Vor allem ein gewisser „Alltags-Sadismus“ sei Menschen nachzuweisen, die in der betreffenden Studie selbst angegeben hatten, zu trollen. Eine eindeutige psychologische Störung ist jedoch mit dem Trolling nicht verbunden.

Gab es schon vor dem Internet Trolle?

Gray: Es gab immer schon so etwas wie „Desaster-Humor“, also geschmacklose Witze nach Tragödien. Zudem gibt es Berichte über Menschen, die eine Urheberschaft an Kriminalfällen für sich beanspruchten, um einen „Lacher“ zu verbuchen. Ein Beispiel dafür sind zum Beispiel Personen aus dem 19. Jahrhundert, die behaupteten, Jack the Ripper zu sein. Dieses Verhalten scheint Gemeinsamkeiten zum Trolling aufzuweisen. Doch erst das Internet hat Trolling vereinfacht und eine Umgebung für solch ein Verhalten entwickelt.

Stimmt die Handlungsempfehlung „Don’t Feed The Troll“, nach der man Kommentatoren links liegen lassen sollte?

Gray: Das ist eine schwierige Frage. Wenn man sagt, „Don’t Feed The Troll“, suggeriert man, dass diejenigen, die sich doch mit dem Troll auseinandersetzen, eine Schuld haben. Dieser Beschuldigung der Opfer würde ich eher gegenübertreten, weil es um das Erkennen von Trolling, nicht um die Freiheit der anderen Nutzer gehen sollte.

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