Preisverleihung

Trumps Lieblingsschauspielerin war noch 2015 Meryl Streep

Meryl Streep und ihre Trophäe, der Cecil B. Demille Award.

Meryl Streep und ihre Trophäe, der Cecil B. Demille Award.

Foto: MARIO ANZUONI / REUTERS

Vollkommen überbewertet: So zog Donald Trump über Meryl Streep her. Dumm nur, dass sie 2015 noch seine liebste Schauspielerin war.

Los Angeles.  Meryl Streep, eine überbewertete Schauspielerin, eine Hillary-Freundin und eine von diesen liberalen Filmmenschen? So zog der künftige US-Präsident Donald Trump nach den Golden Globes über Streep her, die ihn in ihrer Dankesrede kritisiert hatte, ohne seinen Namen direkt zu nennen.

Interessant: Noch im Jahr 2015 fand Trump die dreifache Oscargewinnerin und 19-fach nominierte Schauspielerin alles andere als überbewertet. Vom „Hollywood Reporter“ nach seiner Lieblingsschauspielerin gefragt, nannte er Julia Roberts und Meryl Streep. Letztere bezeichnete er als „excellent“ und als „fine person“. Dann fügte er in gewohnter Manier hinzu, das Problem sei nur, dass er drei oder vier Namen von Schauspielerinnen nenne und alle anderen, die er kenne, anschließend beleidigt seien.

„Gewalt animiert zu Gewalt“

Meryl Streep hatte bei den Golden Globes am Sonntagabend (Ortszeit) den Cecil-B.-Demille-Preis für ihr Lebenswerk entgegengenommen und war in ihrer Dankesrede auf Trump und seine Agenda zu sprechen gekommen.

Hollywood sei voll von Außenseitern und Ausländern, sagte Streep. „Wenn wir sie alle aus dem Land werfen, gibt es für uns nichts mehr zu sehen außer Football und Kampfkunst – was nicht die Kunst ist.“

Stehende Ovationen im Theater, böse Tweets aus dem Trump-Tower

Das von Rechten und Nationalisten verbreitete Klima mache Streep große Sorgen, sagte sie. Und Trump spiele darin eine große Rolle: „Dieser Instinkt, andere zu demütigen, zieht sich in den Alltag von uns allen“, sagte Streep. „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt.“

„Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“. Streep rief dazu auf, dem etwas entgegenzusetzen und sich einzusetzen. Sie erhielt dafür lange, stehende Ovationen – und drei eingeschnappte Tweets des künftigen Präsidenten.

In seinen Tweets rechtfertigte sich Trump gegenüber Streep, die seinen Umgang mit einem Reporter kritisiert hatte. Das ging scheinbar nur, indem er sie auch gleichzeitig als Künstlerin beleidigte. Mit seiner neu gefassten Meinung, Streeps Künste seien überbewertet, dürfte Trump recht alleine dastehen. (aba)

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