Gewalttat

Griechische Behörden im Freiburger Mordfall in der Kritik

Noch immer bringen die Menschen Blumen und Kerzen an die Stelle, wo die Freiburger Studentin Maria L. getötet wurde.

Noch immer bringen die Menschen Blumen und Kerzen an die Stelle, wo die Freiburger Studentin Maria L. getötet wurde.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Hussein K. saß in Griechenland als Gewalttäter in Haft. Warum wurde nicht nach ihm gefahndet, als er das Land trotz Auflagen verließ?

Freiburg.  Im Fall der getöteten Freiburger Studentin Maria L. wächst in Deutschland die Kritik an den griechischen Sicherheitsbehörden. Der Verdächtige Hussein K. war im Mai 2014 in Griechenland wegen versuchten Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt und Ende Oktober 2015 mit Meldeauflagen auf Bewährung entlassen worden. Entgegen seiner Auflagen verließ er das Land kurz darauf.

Nach dpa-Informationen war der Verdächtige von den griechischen Behörden daraufhin nur innerhalb des Landes, nicht aber international zur Fahndung ausgeschrieben worden. Weder Interpol noch das Schengener Informationssystem (SIS) seien alarmiert worden, berichtete auch die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Auf Anfrage habe die Behörde mitgeteilt, deutsche Sicherheitsstellen stünden „in Kontakt mit den Behörden in Griechenland, um den Sachverhalt aufzuklären“.

Hätte der Mord an Maria L. verhindert werden können?

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sprach von einem „eklatanten Versagen“ griechischer Behörden. Da die Daten des flüchtigen Afghanen nicht in das SIS eingetragen worden seien, sei er nicht als gesuchter Straftäter identifiziert worden, als er im November 2015 auf dem Bundespolizei-Revier Freiburg Asyl beantragte. „Hätten die Griechen ihn zur internationalen Fahndung ausgeschrieben, wäre er uns auch aufgefallen“, sagte BDK-Chef André Schulz der „Bild“.

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Auch der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka kritisierte das Verhalten der griechischen Stellen. Sollte sich der Sachverhalt so bestätigen, „stellt sich vor allem die Frage, wieso ein verurteilter schwerer Gewalttäter bereits nach so kurzer Zeit aus der Haft entlassen wird und dann auch noch das Land verlassen kann“, sagte Lischka der „Rheinischen Post“. Den griechischen Behörden müsse man dann Vorsatz unterstellen.

Griechenland weist Vorwürfe zurück

Derartige Vorwürfe lässt die griechische Seite nicht gelten. „Die Freilassung war legitim und völlig gesetzeskonform“, sagte der Generalsekretär des griechischen Justizministeriums, Eftyxis Fytrakis, der „Bild“-Zeitung: „Sein Betragen war exzellent. Er besuchte die Schule in der 6. und 7. Klasse, leistete 581 Tage freiwillige Arbeit ab.“

Hussein K. soll auf der Insel Korfu eine 20-jährige Studentin überfallen und eine hohe Klippe hinabgeworfen haben. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Dass es sich in beiden Fällen um denselben mutmaßlichen Täter handelt, hat nach dpa-Informationen der Vergleich der Fingerabdrücke mit denen in einer griechischen Datenbank ergeben. Zunächst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

Laut griechischer Daten ist Hussein K. schon 20

Bei dem jungen Mann handelt es sich um einen Flüchtling aus Afghanistan, der 2015 nach Deutschland kam. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ und der Deutschen Presse-Agentur ist der Verdächtige laut seinem in Griechenland vorgelegten Pass älter als 17 Jahre – mit diesem Alter wurde er in Deutschland registriert.

Den Daten der griechischen Behörden nach wurde er aber am 1. Januar 1996 geboren und wäre damit schon 20 Jahre alt. Bei seiner Einreise nach Deutschland 2015 hatte er sich als 16-Jähriger vorgestellt. Fraglich ist somit auch, ob der Fall in Freiburg nach Jugendstrafrecht verhandelt wird. (dpa)