Flugzeugabsturz

Chapecó nimmt Abschied von seinen getöteten Fußball-Helden

Zwei Transportflugzeuge mit insgesamt 50 Särgen erreichten am Samstag die brasilianische Stadt Chapecó.

Zwei Transportflugzeuge mit insgesamt 50 Särgen erreichten am Samstag die brasilianische Stadt Chapecó.

Foto: PAULO WHITAKER / REUTERS

Nach dem Flugzeugabsturz seiner Helden ist das brasilianische Chepecó geschockt. Am Sonnabend trauerten die Menschen im Stadion.

Chapecó.  Eine ganze Stadt trauert: Die Särge mit den Leichen der bei dem Flugzeugabsturz in Kolumbien getöteten Fußballspieler sind am Samstag im südbrasilianischen Chapecó eingetroffen. Zwei Transportflugzeuge der Luftwaffe landeten mit insgesamt 50 Särgen bei strömendem Regen auf dem Flughafen der 200.000-Einwohner-Stadt.

Eine Ehrengarde des Militärs marschierte auf. Auch Brasiliens Präsident Michel Temer war am Flughafen, um den Opfern der Tragödie die letzte Ehre zu erweisen. Die Särge mit den getöteten Spielern, Trainern und Betreuern wurden einzeln aus den Flugzeugen getragen und von jeweils sechs Soldaten über das Rollfeld und einen roten Teppich geschoben – die Menschen applaudierten den Opfern, Salutschüsse erschallten.

Menschen trauern im Stadion gemeinsam

Vom Flughafen sollten die Särge zur Arena Condá gebracht werden, wo 19.000 Zuschauer auf den Rängen der Trauerfeier beiwohnen können. Auf dem Rasen ist für rund 2000 Menschen Platz. Dieser ist Familien und Angehörigen vorbehalten.

Seit den Morgenstunden hatten sich die Menschen in und an der Arena versammelt, viele in den grünen Trikots des Clubs Chapecoense. Viele Menschen weinten dort bitterlich, gerade die Umstände, dass die Maschine wegen Treibstoffmangels abgestürzt ist, macht das Schicksal für viele noch schwerer ertragbar.

Weltweit Schweigeminuten vor Fußballspielen

Wegen des schlechten Wetters war der Andrang aber zunächst geringer als erwartet. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde dort erwartet. In Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes gibt es am Wochenende weltweit vor Fußballspielen eine Schweigeminute und die Mannschaften laufen mit Trauerflor auf.

Die gecharterte Maschine war am späten Montagabend (Ortszeit) kurz vor der Landung im kolumbianischen Medellín abgestürzt. Das Team von Chapecoense war auf dem Weg zum Final-Hinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional Medellín. 71 Menschen starben, sechs überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder, ein Journalist. Ihr Zustand ist inzwischen stabil. Der kleinen Charterfluggesellschaft Lamia wurde die Lizenz entzogen.

Piloten hatten zunächst keinen Notfall gemeldet

Das Flugzeug hatte zunächst nur Priorität bei der Landung eingeräumt bekommen, aber keinen Notfall gemeldet. Daher gab die Fluglotsin im Tower des Flughafens erst einem anderen Flugzeug, das offensichtlich ebenfalls größere Probleme hatte, die Landegenehmigung. Die Unglücksmaschine musste in eine Warteschleife.

Dann wurde die Lage aber zunehmend dramatisch. „Señorita, Lamia 2933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff“, meldete der Pilot nur Minuten, bevor das Flugzeug vom Radar verschwand. „Leider waren meine Anstrengungen vergeblich“, erklärte die Lotsin nach dem Unglück in einer Mitteilung.

Fluglotsin wurde nach Absturz bedroht

Sie habe alles Menschenmögliche getan, um das Flugzeug Richtung Landepiste zu bekommen – und sei nach dem Absturz dennoch bedroht worden. Das Flugzeug zerschellte knapp 15 Kilometer vom Flughafen entfernt.

In Chapecó, einer von europäischen Einwanderern geprägten Stadt im Bundesstaat Santa Catarina, steht die Zeit still. Das Grün des Clubs ist überall die dominierende Farbe. Die Mutter des Torwarts Danilo fragte in einem Interview auf dem Spielfeld des Stadions plötzlich einen Reporter, wie er sich fühle – schließlich waren auch 20 Journalisten gestorben, die das Team begleiteten. Er fing auch an zu weinen, beide umarmten sich und spendeten sich gegenseitig Trost.

Trikots von Chapecoense ausverkauft

Immer wieder werden im Fernsehen Jubelbilder aus der Kabine von Chapecoense gezeigt: Danilo zum Beispiel war vor zehn Tagen mit Glanzparaden noch der Held im Halbfinale des Südamerika-Cups gegen San Lorenzo aus Buenos Aires. Er ist nun tot, Ersatzkeeper Jackson Follmann überlebte. Ihm musste das rechte Bein amputiert werden. Der nicht mitgereiste dritte Torwart erklärte sein Karriereende.

Aus aller Welt gibt es Hilfsangebote und Anteilnahme. Wie es nun weitergeht, ist noch unklar. Eigentlich stünde in einer Woche das letzte Saisonspiel in der ersten brasilianischen Liga gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte in der heimischen Arena Condá an. Nach Medienberichten hat der Club, der bisher rund 5000 Mitglieder hat, mehr als 13.000 neue Anträge auf Mitgliedschaft bekommen. Zudem sind die grünen Trikots des Teams von Chapecoense vielerorts ausverkauft. (dpa)