Baby-Glück

Medizinische Sensation: Zweimal schwanger in zehn Tagen

In Australien sind zwei Mädchen zur Welt gekommen, die im Abstand von zehn Tagen gezeugt wurden. Jetzt feiern sie ihren ersten Geburtstag.

In Australien sind zwei Mädchen zur Welt gekommen, die im Abstand von zehn Tagen gezeugt wurden. Jetzt feiern sie ihren ersten Geburtstag.

Foto: iStockphoto/katrinaelena / iStockphoto

„Überschwängerung“: Die Schwestern Charlotte und Olivia sind durch eine Doppelbefruchtung entstanden.

Brisbane.  Charlotte und Olivia Hill tragen Zöpfe, rosa Babykleider und sind natürlich viel zu klein, um zu verstehen, dass sie in ihrem Heimatland Australien und mittlerweile auch global als eine absolute medizinische Rarität gelten. Die Schwestern, die am Sonnabend ihren ersten Geburtstag am selben Tag feiern und dennoch keine Zwillinge sind, entstanden aus einer sogenannten Überschwängerung oder auch Superfötation. Ein Phänomen, von dem es laut Experten nur zehn gesicherte Fälle weltweit gibt.

Die ungewöhnliche Geschichte um ihre Mädchen begann für Kate Hill aus dem australischen Brisbane im Frühjahr 2015. Die werdende Mutter und ihr Mann Peter hatten lange darauf gewartet, ein Kind zu bekommen, und die Hoffnung zwischenzeitlich schon aufgegeben. Doch dann wurde Kate Hill schwanger – und zwar, die Sensation, zweimal binnen zehn Tagen.

Arzt musste Google bemühen

Ihrem behandelnden Arzt Brad Armstrong fiel die Kinnlade herunter, als er bei einer Routinekontrolle in den ersten Wochen auf dem Monitor des Ultraschalls einen weiteren Fötus entdeckte. „Das Phänomen der Superfötation ist so selten, dass ich in keiner medizinischen Zeitschrift oder Datenbank etwas dazu finden konnte“, sagt Armstrong in der australischen Fernsehshow „Today Tonight“. Er habe daraufhin erst einmal googeln müssen, um zu sehen, worum es sich hier überhaupt handeln könnte. „Ich war schon schwanger und hatte aber noch einen zweiten Eisprung“, erklärt Kate Hill.

Dazu komme, dass in den zehn Tagen, in denen ihre Töchter gezeugt wurden, sie und ihr Mann nur einmal Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Die Spermien hätten zehn Tage überlebt.

Auch für Ärzte ein Rätsel

Laut Robert Atlas, Chef der Gynäkologie im Mercy Hospital im US-Staat Baltimore, ist so etwas zwar so gut wie unwahrscheinlich, aber theoretisch möglich. Eigentlich bekämpft der Körper diesen Vorgang. Weibliche Hormone sorgen dafür, dass die Schleimhäute in der Gebärmutter sich im Falle einer Frühschwangerschaft verdicken und die Einnistung einer weiteren befruchteten Eizelle verhindern, so der Arzt. Robert Atlas gilt als Experte für Superfötation, seitdem er die damals 31 Jahre alte Julia Grovenburg während ihrer Schwangerschaft betreute. Die US-Amerikanerin wurde im Jahr 2009 mit einem Abstand von zwei Wochen erst mit ihrer Tochter, dann mit ihrem Sohn schwanger.

Der Gynäkologe empfahl seiner Patientin damals ihre Kinder einfach wie Zwillinge wahrzunehmen. Warum es aber überhaupt dazu gekommen war, dass Julia Grovenburg zweimal binnen Tagen schwanger wurde, warum der Körper diese zweite Einnistung nicht bekämpft hat, bleibt für Robert Atlas ein Rätsel.

Kinderwunschbehandlung könnte Ursache sein

Im Falle von Kate Hill können diese und ihr Arzt nur mutmaßen, dass die Einnahme von Hormonen im Rahmen ihrer Kinderwunschbehandlung zu einem weiteren Eisprung geführt habe. Noch vor zehn Jahren hatten die Ärzte der jungen Frau nämlich eine Stoffwechselstörung namens Polyzystischen Ovarsyndroms diagnostiziert, die zu Unfruchtbarkeit führt. „Deshalb sind meine Mädchen echte Wunder“, sagt Hill.

Bei dieser ungewöhnlichen Zeugungsgeschichte sollte es dennoch eine tragische Schattenseite geben. Kate Hill war ursprünglich mit Zwillingen schwanger, bevor sie zehn Tage später feststellte, dass sie während der Schwangerschaft erneut schwanger wurde und drei Babys kriegen sollte. Im Laufe der Schwangerschaft verlor sie einen der Zwillinge.

Olivia und Charlotte feiern Geburtstag

Mit den zwei verbliebenen Babys, Charlotte und Olivia, die sogar unterschiedliche Blutgruppen haben, verlief die Schwangerschaft dann aber unkompliziert. Die Mädchen, die ursprünglich zwei Geburtstermine ausgerechnet bekommen hatten, kamen nicht im Abstand von zehn Tagen, sondern beide am 26. November 2015 zwei Tage vor dem geplanten Kaiserschnitt gesund zur Welt. Für diesen Sonnabend haben die Eltern bereits bunte Einladungskarten rausgeschickt, Verwandte und Freunde zu einer Party in ihrem Haus in Brisbane eingeladen. Das Leben mit ihren Zwillingen ist für sie die Erfüllung ihres Traums.