Ökumene

Das historische Gebet des Papstes zum Reformationsjubiläum

Papst Franziskus (3. v. l.) bei der Ankunft am Flughafen in Malmö.

Papst Franziskus (3. v. l.) bei der Ankunft am Flughafen in Malmö.

Foto: imago stock / imago/epd

Noch nie dagewesen, historisch, Sternstunde der Ökumene: So wird der Besuch des Papstes in Schweden beschrieben. Ein Knackpunkt bleibt.

Lund.  Mit einer historischen Geste hat Papst Franziskus zum Auftakt der Feiern zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren eine weitere Annäherung von Katholiken und Protestanten verlangt.

„Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen“, sagte der Papst am Montag im südschwedischen Lund. Dort stand er erstmals mit lutherischen Geistlichen am Altar, um zum Gedenken der Reformation gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Ein Zeichen für die Ökumene

An diesem Montag begannen offiziell die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr. Der Besuch des Papstes gilt als starkes Zeichen für die Ökumene: Denn der 31. Oktober 1517 wird mit dem Thesenanschlag von Martin Luther als Beginn der Reformation angesehen, in deren Verlauf sich die evangelische Kirche von der katholischen abspaltete.

„Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen“, sagte der Papst in seiner Predigt. Kontroversen und Missverständnisse hätten verhindert, dass man einander verstehe. Diese müssten nun überwunden werden. Die Spaltung der evangelischen und katholische Kirche sei weniger vom „Gottesvolk“ als von „Vertretern weltlicher Macht“ aufrecht erhalten worden.

Viele Gläubige sehnen sich nach gemeinsamen Abendmahl

Die ökumenischen Bestrebungen untermauerten Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, in einer gemeinsamen Erklärung. „Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden“, hieß es darin. Man wolle sich wieder verpflichten, sich vom Konflikt zur Gemeinschaft zu bewegen. Im Dom gab es nach der Unterzeichnung Applaus.

Die Erklärung geht auch auf einen Knackpunkt ein: das gemeinsame Abendmahl. Viele Gläubige sehnten sich danach, „die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“. Änderungen an dem derzeitigen Ausschluss vom Abendmahl der jeweils anderen Konfession werden allerdings nicht formuliert.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven würdigte den Papstbesuch. „Das ist hier groß, es ist historisch“, sagte der sozialdemokratische Politiker im schwedischen Fernsehen. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Besuch waren höher als bei dem Besuch von US-Präsident Barack Obama im Jahr 2013.

Zunächst traf Franziskus den schwedischen König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia. Auch das Königspaar nahm an dem Gottesdienst in Lund teil. Anschließend wollte sich der Papst auf den Weg zu einer Veranstaltung mit bis zu 10.000 Menschen im benachbarten Malmö aufmachen. Nach einer Messe am Dienstagmorgen fliegt er wieder zurück nach Rom.

Erste Schwedenreise seit 1989

Es ist die erste Reise eines Papstes in das skandinavische Land seit 1989. Damals hatte Johannes Paul II. Stockholm besucht. In Schweden mit seinen fast zehn Millionen Einwohnern leben rund 113.000 Katholiken. (dpa)