Ermittlungen

Peggys Mutter erhielt offenbar Hassbrief von Neonazis

Polizeifahrzeuge bei Wurzbach im Saale-Orla-Kreis an der Grenze von Bayern zu Thüringen: Hundertschaften suchten erneut am Auffindeort von Peggy in Rodacherbrunn mit schwerem Gerät.

Polizeifahrzeuge bei Wurzbach im Saale-Orla-Kreis an der Grenze von Bayern zu Thüringen: Hundertschaften suchten erneut am Auffindeort von Peggy in Rodacherbrunn mit schwerem Gerät.

Foto: Fricke / dpa

Welche Verbindungen gibt es zwischen der Neonazi-Szene und dem Fall Peggy? Ein Brief könnte einem Bericht zufolge Hinweise liefern.

Erfurt/Jena.  Elf Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter Peggy erhielt die Mutter Susanne Knobloch offenbar einen Brief, der rechtes Gedankengut enthielt. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Verweis auf ein Protokoll der Polizei: „Ein pergamentartiger Brief, beschrieben mit Schreibmaschine, versehen mit einem Foto der Peggy aus einer Zeitschrift. Der Brief ist beleidigenden Inhalts. In schlimmster Weise geschrieben. Offensichtlich von einem äußerst rechts orientierten Menschen.“ Der Brief habe bei der Mutter einen Weinanfall ausgelöst.

Dem Bericht zufolge konvertierte Knobloch im Jahr 1998 zum Islam. Sie lebte mit einem Türken zusammen, der strenggläubig gewesen sein soll. Der Absender des Hassbriefes spielt offenbar auf Knoblochs Lebenspartner und ihren Übertritt zum Islam an. Sinngemäß, schreibt das Blatt, stehe darin, dass die Mutter ein „arisches“ Kind wie Peggy nicht verdiene.

Ungeklärte Kindstötungen nach 1990

Nach der Entdeckung von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der Leiche der kleinen Peggy will die neue Sonderkommission der Thüringer Polizei ungeklärte Fälle von Kindstötungen nach 1990 unter die Lupe nehmen. Die Ermittler reagieren damit auf die Sicherstellung von Genmaterial Böhnhardts in der Nähe der sterblichen Überreste der getöteten neunjährigen Peggy aus Oberfranken. An diesem Montag will die Kommission ihre Arbeit aufnehmen.

In Jena, wo das mutmaßliche NSU-Trio um Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgewachsen war, gab es in den 90er Jahren drei Kindsmorde. Zwei von ihnen sind noch immer nicht geklärt.

Jahrelang unerkannt gemordet

Am Donnerstag hatten die Ermittler überraschend mitgeteilt, dass am Fundort der Skelettteile der 2001 verschollenen Peggy aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war. Die damals Neunjährige war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden. Erst im Juli waren Skelettteile von ihr in einem Wald im benachbarten Thüringen entdeckt worden.

In Thüringen gibt es nach Angaben des Innenministeriums seit 1990 etwa 70 ungeklärte Todesfälle, wie viele davon Kinder sind, war nicht bekannt. 1993 verschwand in Jena ein Neunjähriger, er wurde zwölf Tage später tot am Ufer der Saale in einem Gebüsch gefunden. Böhnhardt war damals einer der Verdächtigen. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden. Auch das Verschwinden und der Tod einer Zehnjährigen aus Jena 1996 konnte bislang nicht aufgeklärt werden.

Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist Böhnhardt soll mit seinem mutmaßlichen Komplizen Mundlos jahrelang unerkannt gemordet haben – hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Mundlos und Böhnhardt töteten sich laut Ermittlern im Herbst 2011 nach einem Banküberfall, um einer Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Sie steht seit fast dreieinhalb Jahren in München vor Gericht. (dpa/les)