Berlin

Wie ein 16-Jähriger mit Turnschuhen zum Millionär wird

Der „Mag“, den der Schuhhersteller Nike dem Film „Zurück in die Zukunft“ nachempfand, ist der derzeit teuerste Sneaker im Sortiment von Benjamin „Kickz“ Kapelushnik. Ein Paar ist dort für 8500 Dollar zu haben.

Der „Mag“, den der Schuhhersteller Nike dem Film „Zurück in die Zukunft“ nachempfand, ist der derzeit teuerste Sneaker im Sortiment von Benjamin „Kickz“ Kapelushnik. Ein Paar ist dort für 8500 Dollar zu haben.

Foto: © Danny Moloshok / Reuters / REUTERS

Benjamin „Kickz“ Kapelushnik ist 16 Jahre alt und verkauft Turnschuhe. Und er ist auf dem besten Weg, damit zum Millionär zu werden.

Berlin.  Understatement scheint nicht so das Ding zu sein von Benjamin Kapelushnik. Beim Anblick der Social-Media-Profile des 16-jährigen US-Amerikaners sieht man: dicke Autos, fette Goldketten, funkelnde Luxusuhren – und daneben und davor immer diesen Jungen, aus dessen Gesicht der Babyspeck noch nicht ganz verschwunden ist.

Man könnte meinen, da haut einer kräftig auf die Sahne, weil Papa ein dickes Portemonnaie hat. Doch Benjamin Kapelushnik hat sich das alles selbst verdient. Mit Turnschuhen.

Fans campen für Schuhe bei Minusgraden

Auf seiner Internetplattform sneakerdon.com verkauft der Teenager, der sich in Anlehnung an seine Ware auch Benjamin Kickz nennt, seltene Sneaker – so genannte „rare kickz“. Schuhe, die so selten sind, dass Fans auch schon mal nächtelang vor Geschäften campen, um am Tag ihrer Markteinführung die ersten abzugreifen.

Und das nicht nur in den USA: Als Adidas im Februar den von US-Rapper Kanye West entworfenen und streng limitierten „Yeezy Boost 350 Pirate Black 2“ in die Läden brachte, kamen die ersten Fans beispielsweise in Berlin schon 20 Stunden vor Öffnung der Geschäfte. Bei Minusgraden.

Kapelushnik ist Zweitverkäufer

Ein Geschäft, das sich für die Schuhhersteller, vor allem aber auch für die Zweitverkäufer lohnt – also für Händler wie Benjamin Kapelushnik. Experten taxieren das Volumen dieses Zweitmarkts schon auf mehr als eine Milliarde Dollar. Ein Beispiel: Die campierenden Berliner zahlten am Ende ihres Winter-Zeltlagers im Februar 200 Euro für den neuen Kanye-West-Schuh. Auf der Seite von Benjamin Kapelushnik kostet er heute bereits 900 Dollar.

Da wundert es nicht, dass der Jung-Unternehmer gerade auf dem Weg ist, zum ersten Mal ein Geschäftsjahr mit einer Million Dollar Umsatz abzuschließen. „Business is boomin“, sagt der Teenie immer gerne, wenn er auf sein Unternehmen angesprochen wird – „das Geschäft brummt“.

Auf einmal Schuh-Dealer

Den Spruch hat er sich teilweise von Antonio Brown geklaut, dem Wide Receiver der Pittsburgh Steelers, einem der populärsten American-Football-Spieler der USA. Und Leute wie Brown, prominente Leute, sind es auch, die Kapelushnik zum Erfolg verhalfen. Seine ersten Schuhe verkaufte der Jugendliche schon in der vierten Klasse. Irgendwann wollten immer mehr Mitschüler seine Ware haben, also bezahlte er Freunde, damit sie mehr von den seltenen Schuhen für ihn besorgten, und verkaufte sie weiter.

Bis irgendwann eine Internetplattform dazu kam – und DJ Khaled ein Paar Sneaker bei Kapelushnik erstand. Der populäre US-Musikproduzent ließ sich mit dem jungen Verkäufer ablichten, die Fotos machten die Runde auf Instagram, Snapchat und Co. – und Kapelushnik war auf einmal so etwas wie der Schuh-Dealer der Promis.

Kontakte sind Geschäftsgeheimnis

Mittlerweile gibt es zahlreiche Fotos des „Sneaker Don“ mit mehr oder weniger prominenten Kunden. Ihnen bringt er die Ware gerne persönlich vorbei. Den deutlich größeren Teil seines Umsatzes macht er zwar über seine Internetseite, aber Promis und Fotos mit ihnen sorgen für die nötige PR und weitere Kontakte.

Kontakte zu knüpfen, das ist ohnehin eine von Kapelushniks größten Stärken. Viele Konkurrenten zollen ihm Respekt, weil er oft und zuverlässig an seltene Schuhe kommt, bevor sie jemand anders hat. Wie das geht? Ein Geschäftsgeheimnis. „Alles, was ich tue, ist top secret“, sagte Kapelushnik unlängst zu „CNBC“, „wenn ich jedem meine Kontakte verraten würde, wäre ich nicht im Geschäft.“

Prollig? Kann er schon

Der 16-Jährige gibt sich bisher aber schweigsam. Und so fährt er munter mit seinem BMW i8 durch die Gegend (Neupreis ab 130.000 Euro), nimmt zu Hause Privatunterricht und macht Selfies mit Rappern. Langfristig will er auch eigene Läden, später eine Ladenkette eröffnen. „Business is boomin“ – nun ja, er hat Recht. Das Gute ist: Seine Fotos können kaum noch prolliger werden.