Smartphone

Bereits ausgetauschtes Galaxy Note 7 fängt im Flieger Feuer

Samsung musste weltweit 2,5 Millionen Galaxy Note 7 wegen Brandgefahr zurückrufen.

Samsung musste weltweit 2,5 Millionen Galaxy Note 7 wegen Brandgefahr zurückrufen.

Foto: Jannis Mattar / dpa (Archiv)

Im Flieger fängt kurz vor Abflug ein Galaxy Note 7 Feuer. Der Vorfall bleibt folgenlos – wirft jedoch kein gutes Licht auf Samsung.

Washington.  Brian Green hatte eigentlich alles richtig gemacht, bevor er am Mittwoch in Louisville die Maschine für den Southwest-Flug 994 nach Baltimore bestieg. Er schaltete sein Smartphone, ein Samsung Galaxy Note 7, aus, lehnte sich entspannt zurück und folgte den Sicherheits-Instruktionen der Crew. Plötzlich das: Brandgeruch.

Green zog sein schmorendes Mobil-Telefon aus der Tasche, warf es auf den Boden. „Dicker, grau-grüner Rauch kam aus dem Ding“, sagt Green. Hektik an Bord. Der Pilot informiert den Tower. Die Feuerwehr wird gerufen. Die Flugbegleiter evakuieren die Maschine. 75 Passagiere bleiben am Boden. Nichts passiert. Bis auf einen Brandfleck im Teppichboden. Von wegen.

Samsung musste 2,5 Millionen Geräte zurückrufen

Der Vorfall im Bundesstaat Kentucky, der in der Luft womöglich eine Katastrophe ausgelöst hätte, könnte für den koreanischen Weltmarktführer die Verlängerung des seit Wochen zu beobachtenden wirtschaftlichen Desasters bedeuten. Wegen akuter Brandgefahr durch fehlerhaft eingebaute Akkus hatte Samsung im vergangenen Monat den Rückruf von weltweit 2,5 Millionen Exemplaren seines Vorzeigemodells einleiten müssen.

Allein in Amerika waren mehr als eine Million Geräte betroffen. Samsung verlor an der Börse zwischenzeitlich 26 Milliarden Dollar an Wert.

Greens Gerät wurde bereits ausgetauscht

60 Prozent der Kunden in den Vereinigten Staaten sind dem Aufruf mittlerweile nachgekommen. Darunter Brian Green. Sein Handy war, so beteuert seine Frau Sarah im US-Fernsehen, bereits ein Austauschgerät. Er hatte es am 21. September in einem Laden des Telekommunikationsanbieter AT & T abgeholt. Im Internet kursieren Fotos mit Identifikations-Label, die das kenntlich machen.

Damit steht die Frage im Raum, die Marktforscher bereits von einem noch größeren Einbruch bei den Verkaufszahlen des Konzerns spekulieren lasen: Hat Samsung bei der Beseitigung der technischen Defizite geschludert?

Samsung will Smartphone untersuchen

Das Unternehmen, das in den USA mit fast 100 bekannten Fällen zu tun hat, in denen Batterien brannten und teilweise schwere Verbrennungen auslösten, wiegelte zunächst ab: „Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen. Wir müssen erst das kaputte Handy inspizieren, bevor wir genaues sagen können.“

Die US-Verbraucherschutzorganisation CPSC ist dagegen hoch alarmiert – und sauer. Sie hatte bereits vor rund sechs Wochen in Tests festgestellt, dass Galaxy-Note-7-Modelle fehlerhaft konstruiert sind. Der Platz für die Batterie im Gehäuse ist zu klein. Bei der Montage wird der Akku gequetscht. Dadurch, so CPSC-Chef Elliot Kaye, steigt die Gefahr von Kurzschlüssen.

US-Fluggesellschaften ziehen Konsequenzen

Konsequenz bis zum Ende eines kompletten Geräte-Rückrufs: US-Fluggesellschaften riefen ihre Kunden dazu auf, ihre Galaxy-Note-7-Handys an Bord weder einzuschalten noch aufzuladen. Mit dem Gepäck dürfen besagte Samsung-Mobiltelefone auch nicht aufgegeben werden. Und um ganz sicher zu gehen, wurde Besitzern empfohlen, die Akkus während des Fluges aus den Handys zu nehmen.

Um das Ganze amtlich zu machen, untersagte die Flugaufsichtsbehörde FAA am 8. September offiziell den Betrieb von entsprechenden Samsung-Geräten an Bord. Tags drauf verhängte die europäische Luftfahrtbehörde EASA die gleiche Anweisung. Natürlich in der Annahme, dass Samsung nach dem Rückruf den Kunden „völlig unbedenkliche Geräte zur Verfügung stellt“, wie ein Luftfahrt-Experte am Donnerstag im US-Fernsehen sagte.

Der Fall Brian Green nährt Zweifel, ob der Smartphone-Hersteller die versprochenen technischen Nachbesserungen mit der nötigen Ernsthaftigkeit veranlasst hat.