Tierschutz

Sind Zoos sicher? Kritik nach Löwen-Drama von Leipzig

Die Löwen-Männchen Motshegetsi (l.) und Majo im Außengehege der Löwensavanne im Zoo Leipzig (Sachsen): Motshegetsi wurde nach dem Ausbruch aus dem Gehege erschossen.

Die Löwen-Männchen Motshegetsi (l.) und Majo im Außengehege der Löwensavanne im Zoo Leipzig (Sachsen): Motshegetsi wurde nach dem Ausbruch aus dem Gehege erschossen.

Foto: Jan Woitas / dpa

Der Löwen-Ausbruch im Zoo Leipzig ging für Menschen glimpflich aus. Aber ein Tier musste sterben. Wie sicher sind eigentlich Zoos?

Leipzig.  Am Tag nach dem tödlichen Löwen-Drama im Zoo Leipzig muss Direktor Jörg Junhold etwas kaum Vorstellbares verkünden. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Wassergraben durch die Löwen überwunden worden ist“, sagt er.

Der Graben, zwischen 6,60 Meter und 7,90 Meter breit, ist die Hauptsicherheitseinrichtung der Leipziger Löwen-Savanne. Beim Bau seien „alle Vorgaben und Empfehlungen“ eingehalten worden. „Und dennoch haben die beiden Löwen die Anlage verlassen. Das war für uns bis dato nicht vorstellbar“, sagt der Zoo-Chef. Der Vorfall, bei dem einer der Löwen erschossen wurde, wirft nun Fragen nach der Sicherheit von Zoo-Anlagen auf.

Die Vorgaben für den Bau der Anlagen ergeben sich unter anderem aus der EU-Zoorichtlinie, dem Bundesnaturschutzgesetz und dem sogenannten Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums. In letzterem heißt es zur Gehegebegrenzung: „Glatte Wände oder Gitter mit Überhang oder Elektrosicherung, für Löwe und Tiger 4 Meter hoch, für Gepard 2,5 Meter hoch“. Für Löwe, Tiger und Gepard seien auch Trocken- und Wassergräben möglich, „wenn die Außenkante ausreichend Sicherheit bietet“.

Peta gegen Wildtierhaltung in Zoos

Tierschützer halten diese Vorschriften für zu unbestimmt. „Auf gut Deutsch gesagt bedeutet das: Tiere sollen nicht ausreißen können“, kritisiert Peta-Referent Peter Höffken. Die Tierrechtsorganisation Peta lehnt ohnehin eine Wildtierhaltung in Zoos ab. Der Ausbruch in Leipzig habe einmal mehr gezeigt: „Egal wie sehr sich die Zoos anstrengen – Löwen und noch mehr Tiger sind so freiheitsliebend, die werden jede noch so kleine Möglichkeit nutzen, um zu entkommen.“ Ausbrüche ließen sich nicht effektiv verhindern.

Auch der Deutsche Tierschutzbund sieht gerade die Zoo-Haltung von Großkatzen sehr kritisch. „Es werden Artenschutzgründe angegeben“, sagt Artenschutzreferent James Brückner. „Aber man muss die Frage stellen, wie sinnvoll das ist, wenn diese Tiere nie für eine Auswilderung infrage kommen.“

Wassergraben soll umgebaut werden

In Gefangenschaft aufgezogene Löwen und Tiger würden sich niemals in freier Wildbahn zurechtfinden. Nach dem Ausbruch von Leipzig müsse nun geschaut werden, ob es das erste Mal war, dass Löwen einen so breiten Graben überwinden konnten. „Das sollten sich andere Zoos sehr zu Herzen nehmen“, sagt Brückner.

Der Leipziger Zoo-Direktor Junhold kündigt am Freitag an, dass der Wassergraben umgebaut werden soll. Wie genau, das müsse noch entschieden werden. Junhold kann nicht sagen, ob die Löwen Majo und Motshegetsi den Graben übersprungen oder durchschwommen haben. Es werde sich auch nicht mehr klären lassen. „Den Ausbruch selbst hat niemand beobachtet.“ Als Maßstab für den Umbau der Löwen-Savanne würden die Verantwortlichen aber davon ausgehen, dass die Tiere es mit einem gewaltigen Satz geschafft haben könnten.

Junhold: „Zoos sind sicher“

Der Zoo-Direktor nutzt die Gelegenheit, sich gegen „unsachgemäße Kritik und persönliche Angriffe“ zu verwahren. Nach dem tödlichen Schuss auf Motshegetsi hatte es im Internet harsche Kommentare gehagelt. „Wir lieben und schützen Tiere, das ist unser Selbstverständnis“, sagt Junhold. „Niemand hat leichtfertig, unüberlegt oder fahrlässig gehandelt.“ Dass die Narkose bei Motshegetsi – mindestens drei Pfeile trafen den Löwen – nicht gewirkt habe, müsse an der Stresssituation und dem dabei ausgeschütteten Adrenalin gelegen haben.

An der Löwenhaltung in Leipzig will Junhold festhalten. Es gehe um eine bedrohte Art. Menschen mit Tieren in Kontakt zu bringen trage dazu bei, für Artenschutzfragen zu sensibilisieren. Über Kritik an der Großkatzenhaltung könne man angesichts verschiedener Unfälle in den deutschen Zoos in der Vergangenheit zwar nachdenken, sagt Junhold. „Aber ich glaube, gemessen an dem, was die Zoos an Tierhaltung haben, ist die Zahl der Unfälle sehr gering.“ Zoos in Deutschland hätten sehr hohe Sicherheitsstandards. Zwar gebe es immer ein gewisses Restrisiko. Aber: „Ich sage: Ja, Zoos sind sicher.“ (dpa)