Bochum

Klinikbrand mit zwei Toten offenbar von Patientin gelegt

Feuerwehrleute kämpfen gegen Glutnester auf dem ausgebrannten Dachstuhl des Bettenhauses 1 der Klinik Bergmannsheil in Bochum.

Feuerwehrleute kämpfen gegen Glutnester auf dem ausgebrannten Dachstuhl des Bettenhauses 1 der Klinik Bergmannsheil in Bochum.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Bei einem Großbrand im Bergmannsheil-Krankenhaus in Bochum sind zwei Menschen gestorben. Verantwortlich war offenbar eine Patientin.

Bochum.  Bei einem Großbrand in einem Bochumer Krankenhaus sind in der Nacht zum Freitag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. 16 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt, sieben von ihnen schweben in Lebensgefahr.

Der verheerende Brand könnte nach Angaben der Dortmunder Polizei von einer Patientin gelegt worden sein. „Suizidale Absichten sind nicht auszuschließen“, teilte die Polizei am Freitag mit. Im Zimmer der 69 Jahre alten Frau war das Feuer entfacht worden, sie war in den Flammen ums Leben gekommen. Bei dem zweiten Toten, einem Patienten aus dem Nachbarzimmer, handelt es sich um einen 41 Jahre alten Mann aus Marl.

Feuer im sechsten Stock ausgebrochen

Das Feuer war um 2.35 Uhr im sechsten Stock in einem Patientenzimmer der Abteilung zur Behandlung von Infekten ausgebrochen. Es hatte sich in Windeseile auf die beiden darüberliegenden Etagen und das Dachgeschoss ausgebreitet. Dort waren allerdings keine Patienten untergebracht. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf mehrere Millionen Euro.

Tote nach Brand in Krankenhaus in Bochum
Tote nach Brand in Krankenhaus in Bochum

Die Flammen breiteten sich innerhalb weniger Minuten aus. Auch die Feuerwehr war von dem Ausmaß überrascht, als sie am Einsatzort eintraf. „Das Brandereignis war viel weiter fortgeschritten, als zu vermuten war“, sagte Gottfried Wingler-Scholz von der Bochumer Feuerwehr. Teils sei hinter den Menschen, die sich an Fenstern bemerkbar machten, schon der Feuerschein zu sehen gewesen.

300 Einsatzkräfte vor Ort

Die Feuerwehr rechnete damit, den ganzen Tag über im Einsatz zu sein, um letzte Glutnester zu löschen. Insgesamt waren fast 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk (THW) vor Ort, sie wurden aus Dortmund, Gelsenkirchen und Herne sowie von Helfern des THW Bochum unterstützt.

Augenzeugen berichteten von einem komplett zerstörten Dach. Wegen der enormen Hitze des Feuers seien Fenster und Möbel geschmolzen. Anwohnern wurde empfohlen, wegen der Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nach Sonnenaufgang am Morgen was das Ausmaß der Beschädigungen deutlich zu erkennen, wie das Video eines Reporters der „Bild“ zeigte.

Patientenschützer forderten bereits Stunden nach dem Unglück Sprinkleranlagen in jedem Zimmer der Krankenhäuser und Pflegeheime. „Rund 40 Mal im Jahr brennt es in deutschen Krankenhäusern, noch häufiger in Behinderten- und Pflegeeinrichtungen“, sagte Vorstand Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz in Dortmund. Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber würden aber ebenso halbherzig reagieren wie die Landespolitik.

Bettenlager könnte Ausmaß des Feuers verstärkt haben

In dem betroffenen Gebäude waren zuletzt 180 Patienten untergebracht, 100 von ihnen wurden vorzeitig entlassen, um die Lage zu entspannen. Weitere 80 Patienten werden hausintern verlegt. Das Krankenhaus sei aber nicht in der Notfallversorgung eingeschränkt, sagte Schildhauer. „Es sind keine Operationsbereiche betroffen.“

Ein Bettenlager könnte das Ausmaß des Feuers verstärkt haben, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei einem Besuch am Brandort in Bochum. „Das muss man jetzt klären, das ist die erste Information, dass in einem Geschoss darüber Betten gelagert wurden.“ Stadt und Klinik äußerten sich dazu nicht.

Bergmannsheil ist eines der größten Krankenhäuser im Ruhrgebiet

Das Universitätsklinikum Bergmannsheil ist eines der größten Krankenhäuser des Ruhrgebiets. Es hat rund 650 Betten.

(dor/ik/ac/dpa)