Zensur

München verbietet die anzüglichen „True Fruits“-Plakate

Die „True Fruits“-Gründer (v.l.) Nic Lecloux, Inga Koster und Marco Knauf.

Die „True Fruits“-Gründer (v.l.) Nic Lecloux, Inga Koster und Marco Knauf.

Foto: Katja Kuhl / true fruits

„True Fruits“ darf seine neuen Smoothies in München nicht mit dem „Oralverzehr“-Slogan bewerben. Die Firma druckte „Zensiert“-Plakate.

Berlin.  Einhornkotze war gestern, jetzt hat der Smoothie-Hersteller „True Fruits“ ein neues Lieblingsgetränk: Chiasamensaft. Und um den zu bewerben, feuert das Unternehmen, nun ja, aus allen Rohren. Nicht nur online wird der gelbe und rote Samensaft angepriesen, erstmals sind die frechen Sprüche auch auf Plakaten in mehreren deutschen Städten zu lesen. In einer regt sich allerdings Widerstand.

Die Stadtverwaltung München hat drei der vier Plakatmotive nicht genehmigt. „Bei Samenstau schütteln“, „Oralverzehr: Schneller kommst du nicht zum Samengenuss“ und „2 Samenspender aus gutem Hause“ waren der Behörde offenbar zu schlüpfrig. Lediglich „Besamt und befruchtet“ ließ die Stadt gelten. „True Fruits“ reagierte prompt: Die Firma druckte „Zensiert“-Plakate und überklebte damit die untersagten Motive.

Grund für Verbot nicht mitgeteilt

„Als wir das erfuhren, wollten wir nicht klein beigeben und haben die neuen Motive entwickelt. Wir lassen uns den Mund und Humor nicht verbieten“, sagte Nicolas Lecloux, Mit-Gründer und Marketing-Chef von „True Fruits“ der „Abendzeitung“. Warum die Motive nicht genehmigt wurden, sei dem Unternehmen nicht mitgeteilt worden. Auf zwei privaten Grundstücken sind die umstrittenen Plakate dennoch zu sehen, weil dort das Verbot der Stadt nicht greift.

Während der Münchner Stadtverwaltung bei den Werbesprüchen offenbar der Appetit verging, trifft der Bonner Saftladen mit dieser Art von Kommunikation den Geschmack seiner Zielgruppe. Mehr als einer halben Millionen Facebook-Fans gefällt der mal absurd-komische, mal provokante Wortwitz. Dennoch fragten sich die Smoothie-Macher selber, ob sie mit ihrer Samen-Kampagne diesmal nicht zu weit gehen könnten. Aber nur kurz.

Sexismus-Vorwurf wegen „Black Edition“

„Jeglicher Inhalt wird von uns selbst konzipiert und so sind uns zu den Samensäften – so nennen wir sie hier liebevoll – viele doppeldeutige Sprüche eingefallen“, sagte Nicolas Lecloux, „True Fruits“-Mitgründer und Geschäftsführer Marketing, dem Branchenmagazin „Werben & Verkaufen“. „Wir haben uns gefragt, ob diese Art der Kommunikation erlaubt ist. Haben kurz überlegt und festgestellt, dass es uns egal ist.“

Dass es nach der Vermarktung der „Black Edition“ im vergangenen Jahr nun erneut Sexismus-Vorwürfe hageln könnte, glaubt Lecloux nicht: „Klar, der ein oder andere mag unsere Motive anstößig finden, aber Sexismus-Vorwürfe erwarten wir keine. Denn beim Sexismus wird jeweils ein Geschlecht diskriminiert – und das tun wir hier nicht.“

#ohnemett und #einhornkotze

Vor einem Jahr eckte „True Fruits“ mit dem „Black Edition“-Etikett an. Kritiker bewerteten Sätze wie „Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber total lieb ist, ein Date besorgt?“ als sexistisch. Das Netz blies zum Shitstorm. „True Fruits“ reagierte mit einem Video, in dem sich Lecloux offiziell entschuldigte – am 1. April und natürlich in gewohnt eigenwilliger Manier. Auch viele andere Nutzer sprangen dem Unternehmen bei. Schließlich hatte sich „True Fruits“ mit Hashtags wie #ohnemett und #einhornkotze, so der Name eines pinken Smoothies mit Drachenfrucht, eine treue Gefolgschaft aufgebaut.

Lecloux: „Für eine Marke ist es wichtig, dass sie Profil hat. Wir werden lieber von einigen nicht gemocht dafür aber von anderen gefeiert.“ (cho)