Hollywood-Star

Der verkannte Rebell Hollywoods – Robert Redford wird 80

Robert Redford auf dem Höhepunkt seiner Karriere – in der Verfilmung der Watergate-Affaire „Die Unbestechlichen“ (1976).

Robert Redford auf dem Höhepunkt seiner Karriere – in der Verfilmung der Watergate-Affaire „Die Unbestechlichen“ (1976).

Foto: imago/United Archives

Hollywood verkaufte Robert Redford stets als blonden Traummann. Aber er war immer viel mehr. Jetzt wird der Schauspieler 80 Jahre alt.

Berlin.  Er wird immer dreißig, blond und perfekt sein, hat sein Lieblingsregisseur Sydney Pollack einmal über ihn gesagt. Als wäre es ein Pakt mit dem Teufel. Den Tod der Fantasie ertragen wir nicht, und so fällt es uns auch heute nicht schwer, in diesem zerfurchten, wettergegerbten und kantigen Gesicht den schönen Mann aus Santa Monica zu sehen, der am Donnerstag 80 Jahre alt wird. Robert Redford hat an dieser Schönheit, dieser Perfektion, nicht unbedingt gelitten. Seiner verdienten Wertschätzung als Schauspieler stand sie allerdings lange im Weg.

Es ist einer der Gründe, warum er in Interviews durchblicken lässt, wie satt er Hollywood hat, das ihn schon seines Aussehens wegen stets als romantischen Helden besetzen wollte und es oft tat: Die Zahl der Frauen, die sich wie Meryl Streep 1985 in ihn als wortkargem Großwildjäger im Hochglanzmelodram „Jenseits von Afrika“ verliebten, dürfte Legende sein. In Schmachtfetzen wie „So wie wir waren“ mit Barbra Streisand oder gehobenen Boulevardkomödien wie „Barfuß im Park“ mit Jane Fonda polierte er früh das Bild des begehrten amerikanischen Modellmanns.

Redford musste nie um Sympathien buhlen

Dabei waren es anspruchsvollere Stoffe, die ihn elektrisierten. Als Ikone der Linken und engagierter Umweltschützer bekämpfte Redford, der aus einfachen Verhältnissen stammt, die politischen und gesellschaftlichen Missstände seiner Heimat: „Ich bin interessiert daran, was falsch ist in dem, was so perfekt aussieht.“ Enthüllungsthriller wie „Die Unbestechlichen“ zur Watergate-Affäre, „Der Kandidat“ um politische Korruptheit und „Die drei Tage des Condor“ über die schmutzigen Praktiken der Geheimdienste, gehören zu den Perlen der 70er-Jahre, einer Zeit, in der das Vietnam-gepeinigte Amerika seinen Institutionen endgültig misstraute.

Der Feuilletonist Georg Seeßlen hat Redford als „das große Trotzdem im ironischen, sarkastischen und melancholischen New Hollywood“ beschrieben. Das trifft es, denn Redford ist kein Zyniker, der auf Amerika herumtrampelt, eher ein sanfter Rebell. Er liebt sein Heimatland, ist fest in ihm und seinen freiheitlichen Traditionen verwurzelt, weiß um seine Möglichkeiten, kennt seine Schwächen und ringt um eine bessere Zukunft.

Robert Redford, der Ein-Mann-Mythos

Ein Ein-Mann-Mythos, der sich am stärksten in den Filmen entfaltet, in denen Redford als Einzelgänger mit wortloser, uramerikanischer Wucht zupackt: Pollack, mit dem er sieben Filme drehte, schickte ihn 1972 in einem Meisterwerk als Trapper „Jeremiah Johnson“ in die unbarmherzige Wildnis. Und mit 77 Jahren kämpfte Redford 2013 als Solist ums Überleben auf seiner sinkenden Yacht – „All Is Lost“ halten nicht wenige für seine beste Arbeit überhaupt. Dass er für diesen Kraftakt nicht einmal nominiert wurde für den Oscar: pure Ignoranz.

Es sind Filme, die perfekt zu Redfords schauspielerischem Minimalismus passen, fernab von den Rollen fressenden Schauspielexzessen seiner New Yorker Kollegen Al Pacino oder Robert De Niro, den Grimassen eines Jack Nicholson: ein Gesicht, in dem sich nicht gleich alles ablesen lässt, ein Spiel, das spannende Leerstellen lässt, die wir mit unserer Fantasie füllen.

Einer Figur anderthalb Stunden beim Überleben zuzusehen, das funktioniert nur bei einem wie Redford, einem, der nie um unsere Sympathien buhlen musste; wir waren ja ohnehin stets auf seiner Seite. Spätestens mit den beiden hinreißendsten Gaunerkomödien der Filmgeschichte hatte er uns in den Siebzigern eingewickelt: „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ und „Der Clou“, beide mit seinem Freund Paul Newman, machten ihn zum Weltstar. So sehr hätte man sich einen dritten Film dieses Dreamteams gewünscht, als Redford endlich ein Drehbuch gefunden hatte, war Newman bereits zu schwach: Er starb 2008 mit 83 Jahren.

Hollywood hat Redford reich gemacht, aber es zog ihn schon früh zu kleinen Projekten, die den Studios zu speziell schienen. In den Bergen von Utah, wo Redford 1968 ein ganzes Skigebiet kaufte und mit den Jahren ein traumhaft schönes Öko-Resort errichtete, erfand er das unabhängige amerikanische Kino mit dem Sundance-Festival. Aus ihm gingen Filmemacher wie die Coen-Brüder, Quentin Tarantino oder Jim Jarmusch hervor. Sundance, wo der vierfache Vater Robert Redford mit seiner zweiten Frau lebt, der Hamburger Malerin Sibylle Szaggars (59), wird sein Rückzugsort bleiben, wie er sagt: „Andere haben Psychotherapeuten, ich habe Utah.“

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