Naturkatastrophe

Drei Menschen sterben bei Feuer-Chaos auf Madeira

Brände haben auf Madeira Häuser und Wälder zerstört. Tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Brände haben auf Madeira Häuser und Wälder zerstört. Tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Foto: imago stock&people / imago/GlobalImagens

Mehr als tausend Feuerwehrmänner kämpfen auf Madeira gegen einen verheerenden Waldbrand an. Behörden sprechen von einem „Inferno“.

Funchal.  Auf Madeira ist ein Waldbrand außer Kontrolle geraten. Die Flammen haben in der Nacht zum Mittwoch auch die Hauptstadt Funchal erreicht. Feuer und Rauch in den Straßen führen zu Panik und Chaos, so die Polizei. Mindestens drei Menschen sind ums Leben gekommen, zwei weitere mussten schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht werden, ein Mensch werde vermisst, teilte die Regionalregierung mit. Hunderte Touristen sind aus Hotels geflüchtet und haben die Nacht auf der Meerespromenade verbracht. Ein Luxushotel steht in Flammen. Die Behörden sprechen von „Inferno“. Auf der beliebten Blumeninsel Madeira halten sich zur Zeit Zehntausende Touristen auf.

Das Drama hatte am Montag mit einem Waldbrand im Norden der Stadt begonnen. Das Feuer wurde möglicherweise durch einen Brandstifter ausgelöst. Der örtliche Kripo-Sprecher Eduardo Nunes bestätigte, dass ein 24-jähriger Mann festgenommen worden sei. Der junge Mann sei bereits einschlägig bekannt und in der Nähe des mutmaßlichen Ausgangspunktes des Feuers gesehen worden.

Seit Beginn der Brände mussten nach Behördenangaben bereits mehr als tausend Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Darunter waren neben Gästen verschiedener Hotels auch Patienten von zwei evakuierten Krankenhäusern.

In der Stadt sind im Laufe der Nacht und am Mittwoch bereits 37 Gebäude abgebrannt, berichtete Miguel Albuquerque, der regionale Regierungschef Madeiras. Vor allem der Norden und Osten Funchals sind betroffen, wo Bewohner mit Gartenschläuchen und Wassereimern versuchten, ihr Hab und Gut zu retten.

Luxushotel wurde von Flammen zerstört

Die Flammen erreichten in der Nacht aber auch die historische Altstadt, wo mehrere Häuser abbrannten. Mehr als tausend Feuerwehrmänner, Soldaten, Polizisten und Freiwillige kämpften bis zur Erschöpfung gegen die Flammen, die an vielen Brandherden gleichzeitig loderten. Die portugiesische Regierung schickte Verstärkung auf die Insel, die rund anderthalb Flugstunden von Lissabon entfernt im Atlantik vor Marokko liegt.

Der Flugverkehr ist deutlich behindert: Durch den Rauch und den starken Wind muss der Betrieb immer wieder eingestellt werden. Es kommt zu großen Verspätungen und etlichen Flugabsagen.

Dutzende Häuser, Fabrikanlagen und auch das auf einem Hügel in einem Vorort Funchals gelegene Luxushotel Choupana Hills sind vom Feuer zerstört worden. Die Urlauber konnten rechtzeitig herausgebracht und in Gästehäusern untergebracht werden.

Bei den Todesopfern handelt es sich um Bewohner von zwei in einem Außenbezirk von Funchal niedergebrannten Häusern. Hunderte Menschen, die Angst hatten, in ihren Häusern zu bleiben, versammelten sich in der Nacht am Meer. „Das ist ein Horror“, berichtete ein Bewohner im portugiesischen Fernsehen. „Die Lage ist verheerend und an der Grenze zur Katastrophe“, erklärte Cristina Pedra, Chefin der örtlichen Handelskammer.

Viele Menschen und auch die Stadtverwaltung waren vom schnellen Vorrücken der Flammen überrascht worden. Funchal-Bewohnerin Violante Saramago, Tochter des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers José Saramago, beklagte die „Inkompetenz der Inselregierung“. Sie habe spät reagiert und der Bevölkerung irrigerweise versichert, dass alles unter Kontrolle sei.

In Portugal lodern 150 Waldbrände

Auch auf dem portugiesischen Festland und im benachbarten Spanien hielten etliche größere Waldbrände die Feuerwehr in Atem. In Portugal loderten am Mittwoch annähernd 150 Waldbrände, davon waren mindestens sieben außer Kontrolle. Betroffen war vor allem der Norden Portugals. Annähernd 4000 Feuerwehrleute waren im ganzen Land im Einsatz. In der benachbarten spanischen Region Galicien brannte es ebenfalls in mehreren Waldregionen.

Der riesige Busch- und Waldbrand auf der spanischen Kanareninsel La Palma war eine Woche nach Ausbruch weitgehend stabilisiert. Bisher verbrannten dort annähernd 50 Quadratkilometer Land.