Störung

Fußballfans fliehen vor Hitze aus liegengebliebener U-Bahn

Eine U-Bahn der MVG an der Haltestelle „Münchner Freiheit“. Ein defekter Zug war am Mittwoch Auslöser für Chaos auf der Strecke zur Allianz Arena.

Eine U-Bahn der MVG an der Haltestelle „Münchner Freiheit“. Ein defekter Zug war am Mittwoch Auslöser für Chaos auf der Strecke zur Allianz Arena.

Foto: imago stock&people / imago/Ralph Peters

Chaos auf der Münchner U-Bahnlinie 6: Fahrgäste befreiten sich aus einem defekten, überhitzten Zug – und brachten sich in Lebensgefahr.

München.  Die Anfahrt zum Fußballspiel zwischen Bayern München und Manchester City wurde am Mittwochabend zur Tortur für hunderte Fans. Wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) am Donnerstag mitteilte, war kurz nach 20 Uhr ein Zug der U-Bahnlinie 6 wegen einer technischen Störung auf offener Strecke liegengeblieben. Weil sich die voll besetzte U-Bahn offenbar wegen einer defekten Klimaanlage aufheizte, hielt es einige Fahrgäste nicht lange in dem Zug. Nach MVG-Angaben sprangen sie am Bahnhof „Kieferngarten“ vom Bahnsteig aus in den Gleisbereich und setzten so ihren Weg zur Arena fort.

„Für sie bestand damit eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben“, schrieb die MVG. Das Verkehrsunternehmen habe daher keine andere Wahl gehabt, als den Zugverkehr anzuhalten und den Strom auf der Strecke zu kappen.

Zeitweise mehrere hundert Fans auf den Gleisen

Da sich nun Personen auf den Gleisen befanden, konnten zwei nachfolgende U-Bahnen ebenfalls nicht weiterfahren. Auch die Fahrgäste in diesen Bahnen betätigten an mehreren Türen die Notentriegelung und sprangen auf die Gleise. Laut MVG befanden sich dort zeitweise mehrere hundert Fahrgäste, die von alarmierten Polizisten und Einsatzkräften der Feuerwehr zu den Bahnhöfen begleitet wurden. Einige Menschen mussten wegen Kreislaufschwäche behandelt werden. Ein Fahrgast zog sich beim Übersteigen eines Zauns eine Schnittwunde zu.

Gegenüber der Münchner Abendzeitung sagte ein Passagier, die MVG habe ihre Fahrgäste über die Situation komplett im Unklaren gelassen: „Das wirkliche Problem war die mangelnde Kommunikation und dass auf einmal ein MVG-Mitarbeiter durch den Zug ging, um alle Türen wieder zu schließen, worauf die Fenster anfingen zu beschlagen und man wirklich keine Luft mehr bekam.“

Auch auf Twitter ließen die Betroffenen kein gutes Haar an der MVG. Eine Nutzerin schrieb etwa: „Aus Bamberg angereist, um FCB vs. ManCity zu sehen. Tickets 120 Euro, Zugtickets 100 Euro, MVG-Chaos – unbezahlbar...“ Ein anderer postete Bilder von den Zuständen auf den Gleisen.

Die MVG teilte mit, Hinweisen nachzugehen, wonach die Fahrer der betroffenen Züge ihre Kunden nicht informiert hätten. Einer von beiden habe bereits befragt werden können und die Vorwürfe zurückgewiesen.

Der U-Bahn-Verkehr konnte in eingeschränkter Form gegen 22 Uhr wieder aufgenommen werden – rechtzeitig immerhin für den Rückweg der Fußballfans. (cho)