Familienplanung

So erlebte ein Mann den lange unerfüllten Kinderwunsch

Unerfüllter Kinderwunsch: Um endlich ein Baby zu bekommen, nehmen manche Paare harte Strapazen auf sich.

Unerfüllter Kinderwunsch: Um endlich ein Baby zu bekommen, nehmen manche Paare harte Strapazen auf sich.

Foto: imago

Dan und Leah Majesky wünschen sich ein Kind. Doch es will nicht klappen. Die Fragen nach der Familienplanung verschlimmern den Schmerz.

Berlin.  Irgendwann beginnen die Fragen. „Na, wollt ihr nicht auch langsam mal eine Familie gründen?“ Und: „So langsam solltet ihr aber mit dem Kinderkriegen anfangen – tick-tack ...“ Oder auch: „Ihr habt doch jetzt geheiratet, ihr seid schon so lange zusammen, wann kommen die Kinder?“ Sicher sind diese Fragen nicht böse gemeint, häufig einfach unüberlegt dahergesagt. Doch manchmal tun sie weh.

Für manch einen haben solche Fragen die Schlagkraft eines Fausthiebs in die Magengegend. Für manch einen ist die Wucht: zerstörerisch. Im September 2015 hat die Facebook-Nutzerin Emily Elizaebeth Bingham ein Ultraschallbild – zufällig über die Google-Suche gefunden – veröffentlicht. Sich der Aufmerksamkeit sicher, die sie dadurch auf den Post lenkte, schrieb sie: „Das ist bloß ein freundlicher Hinweis, dass persönliche Fortpflanzungs- und Zeugungspläne euch nichts angehen.“ Schließlich kenne man die Gründe nicht. „Ihr wisst nicht, was eure scheinbar unschuldigen Fragen für Leid, Schmerz, Stress und Frustration verursachen.“

Dan Majesky will nicht schweigen

Dan Majesky aus Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio kann all das nachempfinden. Doch statt zu schweigen, erzählt er seine Geschichte. Auf Facebook schreibt er von dem lange unerfüllten Kinderwunsch. Vielleicht schreibt er sich damit das Leid von der Seele.

„Habt ihr eine Minute?“, fragt er zu Beginn des Posts. Seine Geschichte zu lesen, soll am Ende viel länger dauern. Drei Jahre lang habe er gemeinsam mit seiner Frau Leah versucht, ein Kind zu bekommen. Es klappte nicht. „Keine große Sache“, so sah es das Pärchen am Anfang. „Wir sind in unseren 30ern. Vielleicht ein bisschen verstaubt und eingerostet“, dachte sich Majesky. Seine Frau und er begannen, Fruchtbarkeitskalender zu führen, den Eisprung mit Testern abzupassen, Stellungs-Tipps zu beachten – Sex nach Plan. Schwanger wurde Leah nicht.

Majesky schreibt von den Strapazen der Hormonbehandlung vor der künstlichen Befruchtung, von Leahs Stimmungsschwankungen. „Mein Job bestand darin, nichts Falsches zu sagen“, berichtet er. Ein „Guten Morgen“ oder ein „Ich liebe dich“ seien manchmal schon zu viel für sie gewesen. „Am besten war’s, wenn Leute gefragt haben, wann wir endlich Kinder haben wollen – das war einfach das beste“, beschreibt er zynisch.

Experte in Sachen „Samenproduktion“

Doch Majeskys Post ist nicht nur düster. Humorvoll erzählt er etwa von der „Samenproduktion“. „Du kannst es zu Hause machen, aber dann musst du dich beeilen, deine Probe rechtzeitig ins Labor zu schaffen.“ Das sei ihm zu stressig gewesen, deshalb nutzte er den dafür vorgesehenen Raum im Reproduktions-Labor. „Ich rede nicht viel darüber, aber ich glaube, ich bin mittlerweile richtig gut in der Kunst der Samenproduktion.“

Doch wieder und wieder habe es nicht geklappt. Hoffen. Warten. Enttäuschung. Und wieder von vorn, während um das unglückliche Paar herum Freunde, Familienmitglieder, die 17-jährige Nachbarin von gegenüber schwanger wurden. „Du willst die Menschen nicht hassen. Aber du kannst die Eifersucht nicht verhindern. Den Neid. Die Missgunst“, schreibt Majesky.

Und irgendwann klappte es doch. Leah war schwanger. Die Freude war groß, die Unsicherheit auch. „Wir sind Ende 30“, schreibt Majesky in dem Bewusstsein, dass das Risiko für Komplikationen und Gendefekte steigt. Doch alles schien gut, erzählt Majesky weiter, die Anspannung wich einer Unbeschwertheit. „Es tut mir leid, ich kann den Herzschlag nicht finden“, sagt der Arzt ein paar Wochen später. „Und dann bist du nicht mehr schwanger“, schreibt Majesky. Erst Wochen nach der Fehlgeburt habe er es durch den Tag geschafft, ohne zu weinen.

Endlich schwanger

Dan und Leah versuchten es weiter, nahmen wieder die Strapazen der Hormonbehandlung auf sich, hofften erneut. Die Schwangerschaftstests hatten in der ganzen Zeit immer nur die Ärzte durchgeführt, erzählt Majesky, bis zu diesem einen Mal. Leah habe sich nicht getraut, auf den Teststreifen zu schauen. Er musste ihr sagen: „Nein, er ist negativ.“ Leah stand einfach nur da und weinte. Doch Majesky täuschte sich – auch eine ganz schwache Linie bedeutet: schwanger.

Auf ihrer Facebook-Timeline hat Leah ein Foto hochgeladen, ein kleiner Babybauch ist sichtbar. Das lang ersehnte Wunschkind wird ein Mädchen. Es ist – so sieht es aus – gesund. Im November, verspricht Majesky, will er Babyfotos posten. „Noch 26 Wochen halte ich den Atem an.“ Und mit ihm 57.000 Facebook-Nutzer. So viele haben seinen Text mit „Gefällt mir“ markiert. Viele senden ihm und Leah die besten Wünsche, freuen sich mit dem Paar. Bedanken sich für seine Geschichte. Manch einer schreibt seine eigene Geschichte auf. Diese Facebook-Nutzer kennen die verletztenden Fragen der anderen, das Problem von Leah und Dan.