Unwetter

Vier Tote bei Überschwemmungen in Baden-Württemberg

Feuerwehreinsatz in Schwäbisch Gmünd: Nach starken Regenfällen wurden zahlreiche Unterführungen und Straßen überschwemmt.

Feuerwehreinsatz in Schwäbisch Gmünd: Nach starken Regenfällen wurden zahlreiche Unterführungen und Straßen überschwemmt.

Foto: Sven Friebe / dpa

Mindestens vier Menschen sind bei verheerenden Unwettern in Baden-Württemberg gestorben. Die Lage bleibt angespannt – auch in Bayern.

Stuttgart.  Bei den schweren Überschwemmungen und Unwettern im Südwesten Deutschlands sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sei ein Feuerwehrmann, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Stuttgart.

Der Mann war in Schwäbisch Gmünd bei dem Versuch ums Leben gekommen, einen anderen Menschen zu retten, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Auch der Mann, der gerettet werden sollte, starb. Die Polizei berichtete, der 21-Jährige sei in einer Bahnunterführung von Wassermassen umgeworfen und in einen Kanalschacht gesogen worden. Bei dem Versuch, ihn zu retten, wurde der 38 Jahre alte Feuerwehrmann ebenfalls in den Schacht gesogen. Am Mittag wurden die Leichen geborgen.

Unwetter in Baden-Württemberg

In Weißbach im Hohenlohekreis sei zudem ein 60 Jahre alter Mann in einer überschwemmten Tiefgarage gestorben. Außerdem gebe es mehrere Verletzte, sagte der Sprecher des Lagezentrums in Stuttgart.

Eine 13-Jährige wurde unter einer Bahnbrücke bei Schorndorf von einem Zug erfasst und getötet. Das Mädchen hatte dort am Sonntagabend Schutz vor dem Regen gesucht und geriet wohl zu nah an die Gleise, wie die Polizei in Aalen am Montag mitteilte.

Unwetter tobte auch in Bayern

Das Lagezentrum in Stuttgart bildete einen Krisenstab und bestätigte zudem mehrere Verletzte. Auch in Bayern – in der Region Ansbach und Teilen des Landkreises Neustadt/Aisch – richteten Unwetter in der Nacht zum Montag massive Schäden an.

Besonders betroffen von Hochwasser nach starken Regenfällen waren die östlichen Teile Baden-Württembergs – neben dem Hohenlohekreis unter anderem die Kreise Biberach, Heidenheim, Heilbronn, der Ostalbkreis, der Alb-Donau-Kreis, der Neckar-Odenwald-Kreis sowie die Stadt Ulm.

Facebook-Nutzer posten Videos von Sturzflut

In Braunsbach, einem kleinen Ort im Norden Baden-Württembergs, war nach heftigen Regenfällen ein Fluss über die Ufer getreten. Die reißenden Fluten strömten durch die 900-Einwohner-Gemeinde, wodurch ein Haus zerstört und mehrere erheblich beschädigt wurden. Rund 150 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz suchten einsturzgefährdete Häuser ab, um sie zu evakuieren. Tote oder ernsthaft Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Auf Videoclips und Fotos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Autos vom Schlammwasser mitgerissen, übereinander getürmten und in Schaufenster von Geschäften geschleudert wurden. Bei einigen Häusern stand das Wasser augenscheinlich bis in Höhe der untersten Fenster. Der Ort im Kreis Schwäbisch-Hall, der rund zehn Kilometer von der gleichnamigen Kreisstadt entfernt liegt, wurde weiträumig abgesperrt und war für Journalisten am Montagmorgen nicht zugänglich.

Entspannung war zunächst nicht in Sicht. Ein Großaufgebot an Rettungskräften wurde mobilisiert. „Hier ist alles im Einsatz, was laufen kann“, sagte ein Polizeisprecher in Heilbronn. „Es sieht düster aus, wirklich schlimm.“

Innenminister Strobel spricht Angehörigen sein Mitgefühl aus

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat den Angehörigen der Hochwasseropfer sein Mitgefühl ausgesprochen. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten. Ich spreche ihnen meine aufrichtige Anteilnahme aus“, sagte er einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge am Montagmorgen.

In der bayrischen Region Ansbach seien nach einem Gewittersturm auf der Frankenhöhe Straßen überflutet und Autos mitgerissen worden. Auch viele Keller in der Region liefen voll, wie ein Sprecher der Integrierten Rettungsleitstelle Ansbach am Morgen mitteilte. Menschen wurden nach vorläufigen Erkenntnissen nicht verletzt.

In Bayern waren den Angaben zufolge mehrere Ortsteile von Flachslanden nördlich von Ansbach besonders schwer betroffen. Dort seien mehrere Autos von den Fluten der über die Ufer getretenen Fränkischen Rezat mitgerissen worden und einige Häuser einsturzgefährdet. Einsatzkräfte und Feuerwehr versuchten, die Gebäude zu sichern, wie die Leitstelle mitteilte.

Bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde

Während der nächtlichen Unwetter in Süddeutschland fielen gewaltige Regenmengen. Im bayerischen Hohenthann bei Landshut etwa gingen innerhalb einer Stunde 67 Liter pro Quadratmeter nieder, in Landshut 57 Liter und in der Region um Weilheim stellenweise 53 Liter, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Das entspreche grob den Mengen, die normalerweise binnen zwei Wochen gemessen würden. Auf der Wetterseite des Meteorologen Jörg Kachelmann war von stellenweise 50 bis 100 Litern die Rede, die in Süddeutschland innerhalb von nur ein bis zwei Stunden gefallen seien. Aus dem baden-württembergischen Laupheim sei ein 100-jähriges Hochwasser gemeldet worden.

In Baden-Württemberg verzeichneten die Behörden Hunderte Notrufe. Allein das Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Ulm meldete, dass es zwischen 16.15 Uhr und 21.00 Uhr 490 Notrufe gegeben habe. Viele Straßen und Ortsdurchfahrten seien gesperrt, sagte Polizeiführer Hagen Guderlei. Hunderte Bürger seien auf den Polizeinotruf 110 ausgewichen, weil unter dem Notruf 112 kein Durchkommen gewesen sei. Von verletzten oder vermissten Menschen war dort zunächst nichts bekannt.

Schneepflug wegen Hagel auf A 7 im Einsatz

Dutzende Keller seien vollgelaufen und müssten ausgepumpt werden, sagte Guderlei. Das Wasser stehe an einigen Stellen 1,70 Meter hoch. Im Kreis Biberach kam es laut Polizei auch zu einem Erdrutsch, der Bäume und Schlamm auf ein Firmengelände schwemmte.

„Der Sachschaden wird immens“, sagte Guderlei. Die Autobahn 7 im Kreis Heidenheim zwischen Giengen und Oberkochen sei wegen großer Hagelkörner, die bis zum Knöchel reichten, vier Stunden lang gesperrt gewesen. Die Autobahnmeisterei musste Schneepflüge einsetzen. In dem Landkreis war laut Polizei auch die Ortsdurchfahrt Steinheim am Albuch komplett unter Wasser.

Unwetterwarnung bis Montagmorgen

In Ulm selbst waren mehrere Straßen nicht mehr befahrbar. Auch die Stadt Künzelsau im Hohenlohekreis teilte mit, dass die Innenstadt am Montag gesperrt bleibe für den Verkehr – wegen der Aufräumarbeiten. Dort waren neben Feuerwehr auch das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz im Einsatz. In Schulen fällt der Unterricht am Montag aus. Auch die Kindergärten bleiben geschlossen. Bürgermeister Stefan Neumann sprach von einer „Naturkatastrophe“. (dpa)