Unwetter

Tornadoverdacht in Minden: Ein Verletzter und große Schäden

Wegen Einsturzgefahr mussten die Bewohner dieses Haus im Mindener Stadtteil Meißen verlassen.

Wegen Einsturzgefahr mussten die Bewohner dieses Haus im Mindener Stadtteil Meißen verlassen.

Foto: Oliver Krato / dpa

Demolierte Autos, abgedeckte Dächer und ein zerlegtes Windrad: Bei einem Unwetter in Ostwestfalen wütete eventuell auch ein Tornado.

Minden.  Das Unwetter in Minden vom Sonntagabend könnte nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) als Tornado eingestuft werden. „Es gibt einige Indizien, die darauf hindeuten“, sagte der DWD-Meteorologe Andreas Würtz unserer Redaktion. Demnach sei auf dem Radarbild deutlich das sogenannte Hakenecho zu sehen, das ein wesentlicher Hinweis für einen Tornado ist. Dessen Rotation sei auf dem Radarbild jedoch nicht zu erkennen. Um ganz sicher zu sein, müsse man daher die Schäden vor Ort begutachten, sagte Würtz.

Das Unwetter hat in Minden in Nordrhein-Westfalen erheblichen Schaden angerichtet. Der mögliche Tornado tobte im Stadtteil Meißen und deckte mehrere Dächer ab. Wie die Polizei mitteilte, waren auch Porta Westfalica, Bad Oeynhausen und Petershagen von einem heftigen Unwetter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel betroffen.

Unwetterwarnungen für Ostdeutschland

Eine weitere Unwetterwarnung bestehe für Westdeutschland erstmal nicht, sagte Meteorologe Würtz. Im Osten hingegen seien „unwetterartige Gewitter“ ab Montagnachmittag durchaus wahrscheinlich – eventuelle Tornados nicht ausgeschlossen. „Eine genaue Vorhersage ist jedoch fast unmöglich“, sagte Würtz.

Die Wirbelstürme entstehen bei großen Temperaturunterschieden über dem Festland. Durch Warmluft bildet sich eine rotierende Bewegung in einer Wolke. Der Unterdruck im Zentrum des Tornados erzeugt einen Sog und reißt alles in die Höhe. In den vergangenen Jahren haben Wirbelstürme in Deutschland während der Sommermonate immer wieder Verwüstungen angerichtet.

Straßen sind mittlerweile wieder frei

Rund um Minden rückten die Retter am Sonntagabend zu mehr als 60 Einsätzen aus. Der Sturm knickte Bäume um. Eine Bundesstraße war blockiert. Fünf Häuser wurden wegen Einsturzgefahr geräumt. Dabei wurden 33 Bewohner in Sicherheit gebracht.

Auf den Straßen standen demolierte Autos. In Porta Westfalica stürzte ein Rollerfahrer über einen herausgespülten Gullydeckel. Der Mann kam schwer verletzt in eine Klinik. Der Schaden liege nach ersten Schätzungen vermutlich im hohen sechsstelligen Bereich, hieß es.

Die meisten Straßen sind mittlerweile wieder frei. Wie Polizei und Feuerwehr in Minden am Montagmorgen mitteilten, waren die Hauptverkehrsstraßen nach etwa einer Stunde geräumt. Anwohner seien mit Motorsägen aus ihren Häusern gekommen und hätten geholfen, die abgeknickten Bäume von der Straßen zu räumen, berichtete die Polizei.

Windrad bei Paderborn zerstört

Nicht weit entfernt von Minden, im Kreis Paderborn, ist eine Windkraftanlage von dem Unwetter regelrecht zerlegt worden. Trümmerteile seien bis zu 250 Meter weit weggeschleudert worden und steckten in einem Feld, sagte eine Pressesprecherin des Kreises Paderborn am Montagmorgen.

Es wird vermutet, dass am Sonntagabend starke Windböen oder Blitzeinschlag die 70 Meter hohe Windkraftanlage bei Dörenhagen zerstört haben. Nach Polizeiangaben sind zwei Flügel abgerissen worden, ein weiterer Flügel hänge abgeknickt noch an der Maschinengondel. Die „Neue Westfälische“ hatte zuerst über die zerstörte Windkraftanlage berichtet. (bnb/dpa)