Unfall

Junge (6) ringt nach Raser-Unfall in Hagen mit dem Tod

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen rasen zwei Fahrer in den Gegenverkehr. Den Rettungskräften bietet sich ein schreckliches Trümmerfeld, ein Unfallverursacher flüchtete.

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen rasen zwei Fahrer in den Gegenverkehr. Den Rettungskräften bietet sich ein schreckliches Trümmerfeld, ein Unfallverursacher flüchtete.

Foto: Michael Kleinrensing / FMG

Die Fahrer illegaler Autorennen gefährden sich und andere. In Hagen sind fünf Menschen schwer verletzt worden – darunter zwei Kinder.

Hagen.  Nach dem Horror-Unfall am Donnerstagabend auf der Feithstraße, bei dem sich die Fahrer eines Skoda Fabia RS und eines Audi A6 nahe der Fernuniversität ein Straßenrennen lieferten und und dabei mit zwei entgegenkommenden Pkw frontal kollidierten, hängt das Leben eines Jungen (6), der in einem der getroffenen Pkw saß, am seidenen Faden.

Der Junge ringe mit dem Tod, hieß es bei der Pressekonferenz, die die Hagener Polizei und die Staatsanwaltschaft heute Mittag im Polizeipräsidium abhielten. Der Fahrer des Audi, der sich vom Unfallort entfernt hatte, hatte sich noch in der Nacht über seinen Anwalt bei der Polizei gestellt.

Mittlerweile wird immer klarer, wie die Tragödie auf der Feithstraße ihren Lauf nahm. Schon im Bereich des Boeler Rings haben Zeugen die beiden Duellanten dabei beobachtet, wie sie sich gegenseitig abzuhängen versuchten. An der Kreuzung am Loxbaum beschleunigten beide wieder stark und rasten Richtung Hoheleye hinauf, um dann mit weit mehr als 100 Stundenkilometern vor der Fernuni in eine leichte Rechtskurve einzubiegen.

In den Gegenverkehr geraten

Dort wollte eine 76-Jährige mit ihrem Smart vom Fahrbahnrand losfahren. Der rasende Audi war auf der rechten Spur unterwegs und wollte ihm ausweichen, der Skoda auf der linken Spur wurde dadurch verdrängt und raste in den Gegenverkehr, wo er mit dem Renault Megane eines 30-Jährigen und dem Ford Focus einer 37-jährigen Frau, die ihre beiden Kinder (6 und 11) mit an Bord hatte, zusammenstieß. „Wären die Insassen nicht angeschnallt gewesen, wären sie tot“, sagte der Leiter der Hagener Verkehrsdirektion, Michael Hoffmann, bei der PK. Er hielt es bereits für ungewöhnlich, dass ein Skoda Fabia sich im Rahmen eines Wettstreits mit einem Audi A6 anlege.

Ob die beiden Fahrer sich kannten, ist nach ersten Vernehmungen unklar. Genau so, ob sie sich zu einem Rennen verabredet hatten oder sich zufällig an einer Ampel begegneten. Der Skoda-Fahrer (46) wurde schwer verletzt. Der Audi trug keine Beschädigungen davon. Der Fahrer, ebenfalls ein Hagener, ergriff noch am Unfallort die Flucht, stellte sich aber später der Polizei. Die beiden Duellanten standen nicht unter Alkoholeinfluss. Auch nicht unter Drogeneinfluss. Beide sind, zumindest im Verkehrsbereich, nicht vorbestraft.

Beide Raser kommen aus Hagen

Wo alle am Unfall beteiligten Personen, sowohl Verursacher als auch Opfer, hin wollten, ist noch unklar. Klar ist, dass der Audi nicht im Besitz des Fahrers war oder ist. Es handelt sich um eine dauerhafte Leihgabe. Beide Fahrer sind auf freiem Fuß. Juristisch schweben die Begriffe der schweren Verkehrsgefährdung, der fahrlässigen Körperverletzung und, im Falle des Audi-Fahrers, auch die Fahrerflucht über ihnen.

Beide Raser kommen aus Hagen. Die Beweissituation sei sehr günstig, erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Viele Zeugen beobachteten das grauenvolle Geschehen auf Höhe der Fernuniversität. Die Führerscheine der Raser wurden sichergestellt und ein Antrag auf Entzug der Fahrerlaubnis gestellt.

Am 18. Februar 2001 war es in Hagen zuletzt zu einem so schweren Unfall durch ein Straßenrennen auf der Eckeseyer Straße gekommen. Ein BMW und ein Opel waren in Haspe losgerast, hatten auf der Hochbrücke in Altenhagen die Kontrolle über ihre Autos verloren und waren dann mit einem Mercedes kollidiert, in dem eine Familie saß. Der 37-jährige Familienvater starb beim Zusammenprall sofort durch einen Genickbruch, seine Frau und seine Kinder wurden schwer verletzt.

Diese Geschichte ist zuerst auf derwesten.de erschienen.