Mordkommission

Im Horrorhaus von Höxter gab es tödliche Machtspiele

In diesem Haus in Höxter soll ein Ehepaar jahrelang Frauen gequält haben.

In diesem Haus in Höxter soll ein Ehepaar jahrelang Frauen gequält haben.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Ein Paar aus Höxter soll eine weitere Frau umgebracht haben. Die 47-jährige Verdächtige legte ein Geständnis ab, der Mann streitet ab.

Höxter.  Ihren Opfern sollen sie die Haare büschelweise vom Kopf gerissen haben. Spurten sie nicht, wurden sie mit einem Kälberstrick an der Heizung gefesselt. Selbst Kriminalisten sind erschüttert über die Details, die bei den Vernehmungen von Wilfried W. und Angelika B. zu Tage kommen. Das Paar aus Höxter, das kürzlich eine 41-Jährige zu Tode gequält haben soll, ist den Ermittlern zufolge für mindestens ein weiteres Opfer verantwortlich. Und es gibt Hinweise auf weitere Misshandlungen, wie Ralf Östermann, Leiter der Mordkommission, am Dienstag sagte. Die Aussagen hätten die Ermittler „ziemlich mitgenommen.“ „Das waren Abgründe, die sich da auftaten.“

Die 41-Jährige aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim war wahrscheinlich nicht das erste Opfer der tatverdächtigen Ex-Eheleute. Bereits ab 2013 sollen sie eine 33-Jährige schwer misshandelt und im folgenden Jahr getötet haben. Nach Angaben der Ermittler zerstückelte das Paar die Leiche der ebenfalls aus Niedersachsen stammenden Frau und fror sie ein. Später seien die Körperteile im Kamin verbrannt, die Asche in der Umgebung verstreut worden.

Mutter erfuhr erst jetzt vom Tod ihrer Tochter

Bei der Tat gingen die Beschuldigten aus Höxter-Bosseborn (Nordrhein-Westfalen) den Ermittlern zufolge planvoll vor. Sie registrierten das Opfer beim Einwohnermeldeamt in Höxter, anschließend heiratete Wilfried W. (46) die Frau. Nach ihrem Tod im Sommer 2014 erfolgte die Abmeldung beim Amt mit der Begründung, die junge Frau sei in die Niederlande verzogen. Vom Handy der 33-Jährigen wurden bis zuletzt SMS an ihre Mutter geschickt. Vom Tod ihrer Tochter erfuhr die Mutter erst jetzt von der Polizei.

Bei ihren Erkenntnissen stützen sich die Kriminalbeamten vor allem auf Aussagen der verdächtigen Angelika B. (47). Oberstaatsanwalt Ralf Meyer sagte, sie habe ein umfassendes Geständnis abgelegt. Weitere Ergebnisse der Untersuchungen der Mordkommission „Bosseborn“ stützen ihre Schilderungen. Die 47-Jährige gab zu Protokoll, ebenfalls massiv von ihrem Ex-Mann misshandelt worden zu sein. Sie sei ihm „hörig“ gewesen. Dem Paar sei es um das Ausüben von Macht gegangen, sagten die Ermittler. Beide sitzen in Untersuchungshaft.

Wilfried W. beschuldigt seine frühere Ehefrau

Der Hauptverdächtige, der zuletzt von Hartz IV gelebt habe, bestreitet hingegen jede Schuld. Der bereits vorbestrafte Mann schiebt alles auf seine Ex-Frau. Bereits 1995 war er zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Damals hatte er seine erste Ehefrau geprügelt, gequält und mit Säure verätzt.

Die Beamten haben auch Hinweise auf weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar verletzt überlebt haben sollen. Spuren führen auch in das Berliner Umland. Eine in Brandenburg lebende Frau erkannte das Gehöft in den Medien wieder und meldete sich bei der Polizei. „Ermittler der Mordkommission sind am Dienstag zu der Frau gereist, um die Zeugin zu befragen“, sagte der Bielefelder Polizeisprecher Achim Ridder unserer Redaktion. Sollten relevante Erkenntnisse vorliegen, würden diese zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt. Die Polizei prüft mögliche Verbindungen zu anderen ungeklärten Vermissten- und Todesfällen.

Beamte durchsuchen Grundstück „quadratzentimeterweise“

Hinweise auf ein mögliches drittes Todesopfer gibt es bislang nicht. Aber: „Wir können nicht völlig ausschließen, dass möglicherweise dort auch noch eine andere Frau gestorben ist“, sagte Chefermittler Östermann. Beamte durchsuchen das Grundstück in Höxter nun „quadratzentimeterweise, um zu schauen, ob man Spuren anderer Frauen findet“. Die Spurensicherung könnte noch zwei Wochen oder länger dauern. Am Dienstag suchten Spürhunde das Gelände ab.