Kurzschluss

Marder legt weltgrößten Teilchenbeschleuniger lahm

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf.

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) im Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf.

Foto: Martial Trezzini / dpa

Die Maschine ist riesig. Doch bei Begegnungen mit kleinen Tieren macht der weltgrößte Teilchenbeschleuniger schon mal schlapp.

Genf.  Ein kleiner Marder hat den größten Teilchenbeschleuniger der Welt lahmgelegt: Das Tier sei in die unterirdische Riesenmaschine eingedrungen und habe einen Kurzschluss ausgelöst, verzeichnet das Arbeitsprotokoll des Europäischen Kernforschungszentrums (Cern) für Freitag. Es habe eine „schwere elektrische Störung“ gegeben. Die Anlage musste den Betrieb einstellen, wie Cern-Sprecher Arnaud Marsollier dem britischen Sender BBC sagte.

Vor einigen Jahren hatte der Beschleuniger – die Wissenschaftler am Cern nennen ihn gern „Weltmaschine“ – nach der Begegnung mit einem Vogel schlapp gemacht. Wie damals eine Cern-Sprecherin bestätigte, hatte er Brotstücke fallengelassen, die in einer elektrischen Anlage unweit der Cern-Gebäude einen Kurzschluss auslösten. Davon war das Kühlsystem des Beschleunigers betroffen, so dass die Temperatur zu stark anstieg. Der Vogel sei unverletztentkommen, habe aber sein Essen eingebüßt, erklärte die Sprecherin damals.

Der Steinmarder bezahlte sein Eindringen in eine 66-Kilovolt-Transformator-Anlage mit dem Leben. Er wurde von einem Stromschlag getötet. Bis die Folgen des Kurzschlusses behoben sind und der Beschleuniger Large Hadron Collider (LHC) wieder hochgefahren wird, könnten nach Einschätzung des Sprechers einige Tage vergehen.

Forschungseinrichtung liegt in eher ländlich geprägter Gegend

Steinmarder sind dafür berüchtigt, dass sie Autos ausbremsen, indem sie Kabel durchbeißen, weshalb sie gelegentlich auch als „Automarder“ bezeichnet werden. Wie das Tier in die bewachte Beschleunigeranlage nördlich von Genf gelangen konnte, war am Samstag noch unklar. Die Tatsache an sich sei aber nicht unbedingt verwunderlich, erklärte Marsollier: Die Forschungseinrichtung liege halt in einer eher ländlich geprägten Gegend.

Die Fälle in Genf sind nicht die einzigen, in denen kleine Tiere großen Schaden verursachten:

  • Eine Nacktschnecke bringt 2011 den Berufsverkehr in Bayreuth zum Erliegen. Ihre Schleimspur hatte in einer Ampel einen Kurzschluss verursacht.
  • Quallen legen 2011 ein Atomkraftwerk an der schottischen Nordseeküste lahm. Die Tiere hatten Filter der Kühlung verstopft.
  • In Wolfsburg setzen Mäuse 2011 ein Fachwerkhaus in Brand. Sie hatten Elektroleitungen in einer Zwischendecke zerfressen.
  • An der berühmten Notlandung eines Passagierjets auf dem Hudson River in New York sind 2009 Vögel schuld. Sie waren in die Triebwerke geraten.
  • Ein pakistanisches Kampfflugzeug muss 2007 dran glauben. Es war mit einem Vogel kollidiert, der Pilot rettete sich per Schleudersitz.
  • Im Jahr 2005 sind Teile der niedersächsischen Stadt Langenhagen kurzzeitig ohne Strom. Eine Ratte hatte in einer Trafostation für einen Kurzschluss gesorgt.
  • Noch im Tod soll eine Ratte 1997 ein englischen Landhaus in Brand gesetzt haben. Das Tier hatte wohl phosphorhaltiges Gift gefressen und war unter dem Strohdach gestorben. Beim Zersetzen des Kadavers soll Phosphor ausgetreten sein und sich an der Luft entzündet haben. (dpa)