Weltrekord

Schwerer als am Boden: Astronaut läuft Marathon auf der ISS

Da hat er es geschafft: Tim Peake nach seinem Marathon im All.

Da hat er es geschafft: Tim Peake nach seinem Marathon im All.

Foto: Esa

Tim Peake lief auf der Stelle und legte doch in 3:35 Stunden 100.000 Kilometer und eine Marathonstrecke zurück. Er rannte auf der ISS.

Köln.  Wie läuft man einen Marathon in der Schwerelosigkeit? Tim Peake kann davon berichten – mit seinem Lauf am Sonntag hat er es auch ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Noch nie war ein Mensch so schnell im All einen Marathon gelaufen – in 3:35 Stunden.

„Lust auf einen Lauf“, hatte der Brite Peak mit einem Foto von London aus dem All die Marathläufer am Boden gegrüßt. Er war für seinen Lauf parallel zum London-Marathon an den Start gegangen.

Mit einer Videobotschaft von Bord der ISS hatte Peake selbst den Marathon dort eröffnet – und seinen eigenen Kampf mit den 42,195 Kilometern begonnen. Von einem Gurtgeschirr und Kunststoffbändern auf das Laufband gezogen konnte er auch in der Schwerelosigkeit Bodenhaftung bewahren. Mit Musik vertrieb er sich die Zeit.

Der Zug durch die Konstruktion entspricht etwa 70 Prozent des Körpergewichts, erläuterte Trainer Patrick Jaekel vom Astronautenzentrum EAC in Köln, der Peake auf den Lauf vorbereitet hatte. Die Bedingungen seien schwieriger als am Boden: „Das ist ungefähr wie ein Marathon mit einem 20-Kilo-Rucksack auf den Schultern.“ Auf der Erde hatte Peake den London-Marathon bereits einmal in 3:18 Stunden absolviert.

Den „Zieleinlauf“ hatte Trainer Jaekel nicht live verfolgen können, weil die Verbindung ins All abgerissen war. Vom erfolgreichen Ende erfuhr das Astronautenzentrum durch einen Anruf. Peake verkündete: „Das war fantastisch heute Morgen.“ In Köln wartete bereits ein Richter des Guinness-Buchs der Rekorde mit der Urkunde, um sie stellvertretend dort zu übergeben. Während Peake die gut 42 Kilometer zurückgelegt hatte, hatte die ISS ein paar Kilometer mehr hinter sich gebracht. Deren Kreisbahngeschwindigkeit liegt bei 7,66 Kilometern in der Sekunde, in Peakes Marathonzeit brachte sie es somit auf rund 100.000 Kilometer.

Erster menschlicher Marathonläufer im All war der Brite allerdings nicht: US-Astronautin Suni Williams hatte 2007 parallel zum Boston-Marathon die gleiche Strecke im All absolviert. Ihre Zeit damals: 4:23 Stunden. (law/dpa)