Flugzeugabsturz

Wie es nach dem Fund der MH370-Wrackteile weitergeht

Ein Experte untersucht das in Mosambik gefundene Wrackteil von Flug MH370. Die Maschine samt der mehr als 200 Insassen ist seit zwei Jahren verschollen.

Ein Experte untersucht das in Mosambik gefundene Wrackteil von Flug MH370. Die Maschine samt der mehr als 200 Insassen ist seit zwei Jahren verschollen.

Foto: Fazry Ismail / dpa

Erst war es Vermutung, nun Gewissheit: Zwei neue Wrackteile von Flug MH370 sind aufgetaucht. Hilft das bei der Suche nach der Boeing?

Canberra.  Die MH370-Experten sind praktisch sicher: Farbe und Markierungen auf den beiden in Mosambik angespülten Trümmerteilen stimmen mit denen der 2014 verschwundenen Malaysia-Airlines-Boeing mit der Flugnummer MH370 überein. Drei Wrackteile sind damit identifiziert.

Was bedeutet das für die Suche nach dem Rest des Wracks?

Der Fund an der Südostküste Afrikas bestätigt die Theorie, dass die Maschine im Indischen Ozean abgestürzt ist. „Das stimmt mit unseren Strömungsmodellen überein“, sagt der australische Transportminister Darren Chester. Mosambik ist 6000 Kilometer vom angenommenen Absturzort entfernt. Das Meer bewegt sich zwischen Australien und Afrika im Kreis. Der nördliche Bogen fließt von Ost nach West. Die Strömung kann mehr als drei Kilometer in der Stunde betragen, 70 Kilometer am Tag. 6000 Kilometer in zwei Jahren ist ein Klacks.

Ändert sich bei der Suche dann etwas?

Nein. Bergungsspezialisten werden das letzte Viertel des nach Satellitenauswertungen abgesteckten Suchgebiets 2000 Kilometer westlich von Perth weiter beackern. Das soll bis Juli abgeschlossen sein. Anfang März zeigten sich die Regierungen Australiens und Malaysias optimistisch, dass das Wrack dort gefunden wird.

Was lässt sich aus den gefundenen Wrackteilen schließen?

Es könnte Anhaltspunkte geben, was damals genau an Bord passierte. „Wir können vielleicht herausfinden, wie das Flugzeug auseinandergebrochen ist, und wie hart die Landung auf dem Wasser war“, sagt Pilot und Luftfahrtdozent Ronald Bishop von der Central Queensland-Universität der Nachrichtenagentur dpa. „Sank das Wrack sofort oder ist es an der Oberfläche getrieben? Ist es in der Luft explodiert oder beim Aufprall auseinandergebrochen?“

Wie können die Ermittlungen vorangetrieben werden?

Dass jetzt schon drei Wrackstücke bis nach Südostafrika gespült wurden, legt nahe, dass dort weitere Trümmerteile sind. „Wir denken, wir sollten ein Team hinschicken, um nach Trümmerteilen zu suchen. Wir verhandeln darüber schon mit den Behörden Südafrikas und warten auf grünes Licht“, sagt Malaysias Transportminister Liow Tiong Lai.

Was sagen die Angehörigen?

„Mich packt bei solchen Nachrichten (über den Fund) wieder der Schock“, sagt die Anwältin Grace Nathan. Ihre Mutter Ann Daisy war an Bord. „Ich will, dass sie (intensiver) vor Mosambik suchen“, sagt der Chinese Liang Qingshan, dessen Frau an Bord war. „Vor allem sollen sie uns die Wahrheit sagen.“ Wie viele andere Angehörige, so glaubt auch er an eine Verschwörung, die die Ermittlungen behindert. Auch Nathan fragt sich, warum die Strände nicht längst systematisch abgesucht werden. „Man fragt sich doch: wollen sie dieses Flugzeug wirklich finden?“

Sind die Ermittler der Aufklärung eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte auf der Spur?

Schwer zu sagen. „Jedes Trümmerteil bringt uns dem Wrack näher und der Frage: Was ist an Bord passiert?“, sagt Luftfahrtdozent Bishop. „Es ist wie ein Puzzle. Jedes Teil ist für das große Ganze wichtig.“ (dpa)