Gastro-Mafia

Mallorca-Urlauber wurden mit Ekelessen abgezockt

Eine Flaniermeile auf Mallorca: Auf der Balearen-Insel sollen Gastronomen Touristen gezielt mit Ekelessen betrogen haben.

Eine Flaniermeile auf Mallorca: Auf der Balearen-Insel sollen Gastronomen Touristen gezielt mit Ekelessen betrogen haben.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Jahrelang sollen mehrere Gastronomen auf Mallorca Urlauber betrogen haben. Sie verkauften verdorbenes Essen zu überhöhten Preisen.

Palma.  Jahrelang sollen auf Mallorca Urlauber in Dutzenden Touristenlokalen mit minderwertigen und verdorbenen Speisen, mit Etikettenschwindel bei Getränken und Wucherpreisen betrogen worden sein.

Ermittlungen in Mallorcas Inselhauptstadt Palma brachten derart Haarsträubendes an den Tag, dass die Inselpresse von „Ekel-Essen“ und einer „Gastro-Mafia“ sprach, die ihr Unwesen vor allem in Palmas Altstadt und in der Umgebung der Strandpromenade trieb. Allein 30 Lokale eines bekannten Großgastronomen sollen betroffen sein. Ein Untersuchungsrichter ermittelt inzwischen wegen Gesundheitsgefährdung, Verstoß gegen die Hygienevorschriften, Betrugs und sogar wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Den Untersuchungen zufolge wurden in etlichen dieser Wirtschaften systematisch Speisen in fragwürdigem Zustand „recycelt“. Etwa indem Essensreste, die ein Gast auf dem Teller gelassen hatte, dem nächsten Kunden erneut vorgesetzt wurden. Genauso wie verschimmelte Produkte für die Speisezubereitung verwertet worden sein sollen. „Der Geschäftsführer zwang uns, alles wiederzuverwerten – sogar wenn das Essen auf den Boden gefallen war“, sagte eine Restaurantangestellte vor dem Ermittlungsrichter in Palma aus. „Hier wird nichts weggeworfen“, habe der Lokalchef angeordnet. Zudem habe es jede Menge Ungeziefer in der Küche gegeben.

Billige Weine mit falschen Etiketten beklebt

Etikettenschwindel sei auch mit Getränken betrieben worden, berichtete die Inselzeitung „Diario de Mallorca“: Fruchtsäfte seien mit vergammelten Früchten zubereitet worden. Flaschen von Markenweinen habe man mit billigem Tischwein gefüllt. Genauso wie andere auf der Karte angepriesene Markengetränke, egal ob Softdrinks, Bier oder Spirituosen, heimlich durch Billigprodukte ersetzt worden seien.

Zudem wurden Urlauber mit Wucherpreisen über den Tisch gezogen. Etwa indem ihnen keine Preisliste ausgehändigt wurde und sie dann für ein Erfrischungsgetränk sechs statt drei Euro bezahlen mussten.

Die Ermittlungen waren bereits Ende 2015 ins Rollen gekommen, nachdem mehrere Restaurantangestellte Anzeige wegen ihrer miserablen Arbeitsbedingungen erstattet hatten. Der Gastronomieverband Mallorcas verurteilte derweil die aufgeflogenen Praktiken. Die Vereinigung versicherte aber, dass es sich angesichts von mehr als 10.000 Lokalen auf der Insel um „Einzelfälle“ handele.