Zivilklage

Ex-Staatsanwalt zweifelt an Sex-Vorwürfen gegen Bill Cosby

Bill Cosby am Dienstag vor einer Anhörung vor Gericht in Norristown, Pennsylvania.

Bill Cosby am Dienstag vor einer Anhörung vor Gericht in Norristown, Pennsylvania.

Foto: POOL / REUTERS

Der US-Komiker Bill Cosby muss sich in diesen Tagen gleich mehrfach vor Gericht erklären. Im Strafverfahren läuft es aktuell gut für ihn.

Los Angeles.  Bill Cosby (78) kann im Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs hoffen, muss aber in einer Zivilklage wegen sexuellen Missbrauchs in diesem Monat in Kalifornien eine weitere eidesstattliche Erklärung abgeben. Dies ordnete Richter Craig Karlan am Dienstag im kalifornischen Santa Monica an. Der Entertainer muss demnach vor dem 29. Februar den Anwälten einer Klägerin Rede und Antwort stehen. Cosby war in dem Fall bereits im vorigen Oktober befragt worden, aus Sicht der Klägerin blieb er damals aber Antworten schuldig.

Die Zivilklage der Frau gegen Cosby läuft seit Dezember 2014. Sie wirft dem Schauspieler und Komiker vor, sie 1974 in einem Schlafzimmer in der Playboy-Mansion in Los Angeles missbraucht zu haben. Sie gab an, damals erst 15 Jahre alt gewesen und von dem Erlebnis traumatisiert worden zu sein. Zu einem Strafprozess kam es nicht, denn der Vorfall ist bereits verjährt.

Mehr als 50 Frauen beschuldigen Cosby

Cosby musste am Dienstag in einem anderen Fall in Norristown (US-Staat Pennsylvania) vor Gericht erscheinen. Dort muss er sich wegen strafrechtlicher Vorwürfe verantworten – und hat nach der Aussage eines früheren Staatsanwalts bessere Karten: Der Ex-Staatsanwalt hat die Vorwürfe wegen sexueller Nötigung und die Glaubwürdigkeit einer wichtigen Zeugin angezweifelt. Die mutmaßlich Betroffene habe nach einem Vorfall von 2004 einen Anwalt kontaktiert, bevor sie die Polizei rief, sagte Bruce Castor laut einem Bericht des „Philadelphia Inquirer“ in der Anhörung. Das stelle ihre Glaubwürdigkeit infrage.

Castors Aussagen und ein Mangel an Beweisen lassen Zweifel aufkommen, ob die Vorwürfe vor dem Gericht in Norristown Bestand haben werden. Castor hatte 2005 zugestimmt, den TV-Star nicht anzuklagen, wenn er in einem von der Frau angestrengten Zivilverfahren kooperiere. Cosby gab daraufhin zu, mit ihr „einvernehmlichen Sex“ gehabt und Drogen besorgt zu haben.

Insgesamt werfen mehr als 50 Frauen der TV-Ikone sexuellen Missbrauch vor. Viele der mutmaßlichen Übergriffe liegen bereits Jahrzehnte zurück und gelten deshalb als verjährt. Der Star der 80er-Jahre-Sitcom „Die Bill Cosby Show“ (The Cosby Show) hat die Vorwürfe in der Vergangenheit immer bestritten. (dpa)