Mode

Wie ein H&M-Schal für große Aufregung bei Twitter sorgt

Original und, nun ja, Fälschung? Der Schal des Modehauses H&M (re.) gleicht in Muster und Machart dem jüdischen Gebetstuch Tallit (li.). Darüber gibt es nun Aufregung im Internet.

Original und, nun ja, Fälschung? Der Schal des Modehauses H&M (re.) gleicht in Muster und Machart dem jüdischen Gebetstuch Tallit (li.). Darüber gibt es nun Aufregung im Internet.

Ein Schal von H&M sorgt für Aufregung im Netz. Das Accessoire ähnelt dem jüdischen Gebetstuch. Die Modekette beteuert: reiner Zufall.

Berlin.  Ein im Design eher schlicht gehaltener Schal für 17.99 Dollar hat in den USA eine Welle der Empörung beim Kurznachrichtendienst Twitter ausgelöst. Weil das Accessoire im Streifenmuster eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jüdischen Gebetstuch, dem Tallit, aufweist, muss sich die Modekette H&M, die den Schal im Sortiment hat, nun rechtfertigen.

Angeblich, so heißt es bei Twitter-Usern, würden durch das Tuch religiöse Gefühle verletzt. Ein Twitterer findet das Teil ziemlich geschmacklos:

Ein anderer Twitterer ist der Meinung, der Tallit sei „zu heilig, um als alltägliches Mode-Accessoire kopiert zu werden“:

Andere sehen das lockerer. Eine Twitterin findet, der Schal sei sogar „cool“:

Bei dem Modeunternehmen ist die Empörung inzwischen angekommen. „Wir möchten uns ausdrücklich entschuldigen, falls wir mit diesem Kleidungsstück jemanden verärgert haben, dies war selbstverständlich nicht unsere Intention“, erklärte eine Sprecherin von H&M-Deutschland gegenüber unserer Redaktion. Das Streifenmuster gehöre zu den „Trends der Saison“ und orientiere sich keinesfalls am Tallit, sondern habe das traditionelle Badetuch der türkischen Hamam-Bäder zum Vorbild.

Bemerkenswert ist, dass die Online-Ausgabe des führenden amerikanischen Modemagazins „Cosmopolitan“ der Aufregung um den Schal einen ausführlichen Beitrag widmet. Die Autorin Nikki Kinstlinger, nach einer Auskunft selbst orthodoxe Jüdin, empfiehlt darin gleich zu Anfang: „Reg dich ab, Internet!“ Sie hält die ganze Aufregung für ziemlich daneben, würden sich Modeschöpfer doch schon immer an allen möglichen Vorbildern orientieren, auch an religiösen. Kinstlinger: „Es ist ein beiger Schal mit blauen Streifen – nicht mehr, nicht weniger. Beleidigt mich der Schal? Überhaupt nicht!“

Aber auch für die Mode-Journalistin gibt es Grenzen. Sie erinnert an das Kindershirt, mit dem das Modehaus Zara 2014 für Empörung sorgte: Dunkelblau und weiß gestreift, auf der linken Brust ein großer, gelber Stern mit sechs Spitzen aufgedruckt, weckte das „Sheriff-T-Shirt“ Assoziationen mit dem sogenannten Judenstern, den das Nazi-Regime seinen Opfern als Zwangskennzeichen anheftete; ebenso wie mit der gestreiften Kleidung von KZ-Häftlingen. Zara stoppte daraufhin des Verkauf des Hemdes.

Auch israelische Zeitungen berichten aktuell über den Schal der Empörung, allerdings relativ klein und rein nachrichtlich. Die „Times of Israel“ zitiert dazu die französische Mode-Ikone Coco Chanel: „Die Mode ändert sich, Stil ist von Dauer.“