Rechtsgutachten

Türkische Religionsbehörde warnt Verlobte vor Händchenhalten

Händchenhalten? Die türkische Religionsbehörde reicht den Gläubigen nicht mal den kleinen Finger: So viel Nähe sei auch bei Verlobten unislamisch und führe zu Gerede.

Händchenhalten? Die türkische Religionsbehörde reicht den Gläubigen nicht mal den kleinen Finger: So viel Nähe sei auch bei Verlobten unislamisch und führe zu Gerede.

Foto: ALBERTO L. POMARES G. / Alberto L. Pomares G.

Händchenhalten vor der Hochzeit ist unislamisch, sagt die türkische Religionsbehörde. Deutsche Türken interessiert das offenbar kaum.

Istanbul.  Die türkische Religionsbehörde Diyanet mahnt verlobte Paare, kein Händchen zu halten. Ein entsprechendes Rechtsgutachten der Religionsbehörde zieht Kreise. Bei Ditib, dem deutschen Dachverband der türkisch-islamischen Moscheegemeinden ist das Gutachten lange bekannt, sagt deren Generalsekretär.

In der Antwort der Religionsbehörde auf eine Frage zum richtigen Verhalten vor der Ehe heißt es von Diyanet, der Islam missbillige derartige Nähe vor der Ehe. Verlobte sollten zudem nicht flirten oder alleine miteinander Zeit verbringen, ob mit oder ohne Wissen der Eltern. Das könne Gerüchte aufkommen lassen. Empfohlen wird, sich gegenseitig Geschenke zu kaufen.

Religionsbehörde unterstehen deutsche Moscheen

Die Religionsbehörde, das Präsidium für Religionsangelegenheiten, ist die höchste islamische Autorität der Türkei, wird staatlich finanziert und verwaltet die mehr als 85.000 Moscheen im Land. Ihr untersteht auch der deutsche Verein Ditib mit etwa 900 Moscheevereinen. Ditib leitet sich ab von Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, dem türkischen Namen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V.

Der Ditib-Generalsekretär und Islamwissenschaftler Bekir Alboga wundert sich, dass die Fatwa nun Thema sei. Diyanet habe diesen Standpunkt bereits vor etwa einem Jahr bekannt gegeben, sagte er unserer Redaktion. „Das ist ein altes Gutachten.“ Ditib habe es selbst nicht veröffentlicht. „In deutschen Moscheegemeinden war es auch überhaupt kein Thema.“ Bekannt geworden sei es nur den Menschen, die die Diyanet-Entscheidungen aktiv verfolgten. Diskussionen darum habe es aber in Deutschland bisher nicht gegeben.

Diyanet hatte Klopapier für zulässig erklärt

Die Tageszeitung „Hürriyet“ erinnert daran, dass die Religionsbehörde zuletzt Schlagzeilen gemacht hat mit Entscheidungen über die Nutzung von Toilettenpapier und alkoholhaltigen Reinigungsmitteln. Die Behörde hatte verkündet, Wasser sei als bevorzugtes Reinigungsmittel zu verwenden, Klopapier und andere Mittel dürften aber verwendet werden.