NSU-Prozess

Beate Zschäpe attackiert ihre alten Anwälte erneut

Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.r.) steht am 13.06.2013 mit ihren Anwälten Anja Sturm (l-r), Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer im Gerichtssaal. Heute ist das Verhältnis alles andere als harmonisch.

Die Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.r.) steht am 13.06.2013 mit ihren Anwälten Anja Sturm (l-r), Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer im Gerichtssaal. Heute ist das Verhältnis alles andere als harmonisch.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Beate Zschäpe gibt keine Ruhe: In einem Schreiben bewert sich die Hauptangeklagte im NSU-Prozess erneut über ihre Stammverteidiger.

München.  Mit einem dreiseitigen handgeschriebenen Brief hat sich die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe bei Gericht erneut über ihre drei Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm beschwert. Sie wirft dem Trio vor, ihr bewusst geschadet und ihren Wunsch nach einer Aussage im Münchner NSU-Prozess nicht respektiert zu haben. Die Anwälte wollten sich auf Anfrage nicht zu Zschäpes Schreiben äußern.

Zschäpe beschreibt darin die Reaktion ihrer drei Anwälte, als sie zum ersten Mal vorschlug, vor Gericht auszusagen und damit ihr jahrelanges Schweigen über die Serie der zehn NSU-Morde und ihr Untergrundleben mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu brechen. Als Antwort darauf will sie gehört haben: „Sind Sie irre, Frau Zschäpe?“

„Schädigendes Verhalten“

Die drei Verteidiger hätten ihr dann auch mitgeteilt, dass sie „für eine solche Verteidigung [...] nicht zur Verfügung stünden“. Die Diskussion über ein Ende der Schweigestrategie hätten die Anwälte immer „im Keim erstickt“ und von „prozessualem Selbstmord“ gesprochen.

Als Zschäpe dann vor zwei Wochen tatsächlich ihr Schweigen brach, hätten Heer, Stahl und Sturm fortwährend nonverbal in aller Öffentlichkeit gezeigt, was sie davon halten. Zschäpe klagt über „abfällige Gesten“, während ihr vierter Pflichtverteidiger Mathias Grasel ihre Aussage verlas. Tatsächlich war auch von der Zuschauerempore aus zu sehen, wie die drei Verteidiger immer wieder die Köpfe schüttelten. „Dieses Verhalten werte ich als bewusst schädigend“, schrieb Zschäpe.

Prozessfortsetzung am 12. Januar

Ihr Streit mit Heer, Stahl und Sturm über ihr Aussageverhalten dauert schon mindestens ein halbes Jahr. Über einen erneuten Antrag Zschäpes auf Abberufung der drei Verteidiger hat das Gericht noch nicht entschieden. Auch über ihren Wunsch, stattdessen Grasels Kanzleipartner Hermann Borchert zum weiteren Pflichtverteidiger zu bestellen, gibt es noch keine Entscheidung. In ihrem Schreiben bat Zschäpe die Richter, ihre jetzt nachgereichten Gründe zu berücksichtigen.

Der NSU-Prozess geht planmäßig am 12. Januar weiter, vermutlich mit Nachfragen der Richter an beide Angeklagte. An Zschäpe hatten die Richter bereits zahlreiche Fragen gerichtet. Zschäpe-Verteidiger Grasel kündigte an, die Antworten schriftlich abzufassen und im Gericht zu verlesen. (dpa)