Auszeichnung 2015

Merkel gratuliert Tunesiern zum Friedensnobelpreis

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war dieses Jahr selbst für den Nobelpreis nominiert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war dieses Jahr selbst für den Nobelpreis nominiert

Foto: Michael Kappeler / dpa

Komitee habe eine "ausgezeichnete Entscheidung" getroffen. Der Preis sei der „verdiente Lohn“ für das Festhalten an der Demokratie.

Oslo. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem tunesischen „Quartett für den nationalen Dialog“ zum Friedensnobelpreis gratuliert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, das Nobelkomitee habe eine „ausgezeichnete Entscheidung“ getroffen. Das Quartett stehe stellvertretend für das Zusammenwirken der Zivilgesellschaft, um Bürgerrechte und -freiheiten zu erkämpfen und zu sichern. Der Preis sei der „verdiente Lohn“ für das Festhalten an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ein Volk, das die Diktatur abgeschüttelt habe, habe mehr verdient als eine neue Diktatur, sagte Seibert.

Das norwegische Nobelkomitee hatte am Vormittag in Oslo dem Quartett den Friedensnobelpreis zuerkannt. Das Gremium würdigt damit die vier Mitgliedsorganisationen des Quartetts für ihren entscheidenden Beitrag zur Schaffung einer pluralistischen Demokratie nach der tunesischen Jasmin-Revolution 2011. Das Quartett habe einen friedlichen politischen Prozess angestoßen, als das Land am Rand eines Bürgerkrieges gestanden habe.

Seibert sagte, die vier Organisationen des Quartetts hätten der Welt Hoffnung gegeben, dass es auch unter schwierigen Bedingungen möglich sei, an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie festzuhalten. Deutschland stehe an der Seite derer, die sich dafür einsetzen.

Hintergrund: Tunesien nach dem Arabischen Frühling

Mit der Jasminrevolution in Tunesien 2010/2011 begann der sogenannte Arabische Frühling. Die Bewegung führte zum Sturz mehrerer arabischer Regime, konnte aber die großen Hoffnungen auf Freiheit nicht erfüllen. Als einziges arabisches Land brachte Tunesien seine Demokratisierung voran. Dazu trug die Bereitschaft der Islamistenpartei Ennahda bei, nach einem ersten Wahlsieg die Macht wieder abzugeben.

Das stark von Europa beeinflusste kleine Urlaubsland am Mittelmeer geriet damit aber ins Visier militanter Islamisten. Anfang 2014 trat eine neue Verfassung in Kraft. Zum Jahresende wurde Béji Caïd Essebsi zum Präsidenten gewählt. Der parteilose Ökonom Habib Essid ist seit Februar Regierungschef. Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme sind aber nicht gelöst. Mehr als 15 Prozent der elf Millionen Tunesier sind arbeitslos.

Hinzu kommen der inländische Terrorismus und eine militärische Bedrohung durch islamistische Milizen, die von Libyen oder Algerien aus operieren. Ende Juni wurde Tunesien von einem blutigen Attentat erschüttert. Ein Islamist tötete in einer Hotelanlage des Badeorts Sousse 38 Urlauber, bevor er selbst erschossen wurde.

Der Friedensnobelpreis ist mit 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 850 000 Euro) dotiert und wird - anders als die anderen Nobelpreise - nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekanntgegeben. Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

( HA/dpa/epd )