Hintergrund

Tunesien nach dem Arabischen Frühling

 Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das tunesische nationale Dialogquartett

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das tunesische nationale Dialogquartett

Foto: Mohamed Messara / dpa

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an eine tunesische Demokratie-Bewegung. Die Hintergründe des tunesischen nationalen Dialogquartetts im Zuge des Arabischen Frühlings.

Tunis. Mit der Jasminrevolution in Tunesien 2010/2011 begann der sogenannte Arabische Frühling. Die Bewegung führte zum Sturz mehrerer arabischer Regime, konnte aber die großen Hoffnungen auf Freiheit nicht erfüllen. Als einziges arabisches Land brachte Tunesien seine Demokratisierung voran.

Dazu trug die Bereitschaft der Islamistenpartei Ennahda bei, nacheinem ersten Wahlsieg die Macht wieder abzugeben, als sie nach derErmordung zweier Oppositioneller mutmaßlich durch Islamisten untermassivem Druck geriet. Das stark von Europa beeinflusste kleine Urlaubsland am Mittelmeer geriet damit aber ins Visier militanterIslamisten.

Anfang 2014 trat eine neue Verfassung in Kraft. Zum Jahresende wurdeder säkulare Kandidat Béji Caïd Essebsi zum Präsidenten gewählt. Derparteilose Ökonom Habib Essid ist seit Februar Regierungschef.

Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme wurden aber nichtgelöst. Mehr als 15 Prozent der elf Millionen Tunesier sindarbeitslos. Dazu kommen der inländische Terrorismus und einemilitärische Bedrohung durch islamistische Milizen, die von Libyenoder Algerien aus operieren.

Tunesien wurde Ende Juni von einem blutigen Attentat erschüttert. Ein Islamist tötete in einer Hotelanlage des Badeorts Sousse 38 Urlauber, bevor er selbst erschossen wurde. Laut tunesischer Regierung wurde der Täter in Libyen ausgebildet, „vermutlich“ von der Miliz Ansar al-Scharia. Die salafistische libysche Gruppierung steht auf der Terrorliste der USA.

Im Juli war der Ausnahmezustand für 30 Tage ausgerufen und später um zwei Monate verlängert worden. Anfang Oktober wurde er aufgehoben.

( dpa )