Oslo

Kritik an Friedensnobelpreis für Kinderrechtlerin Malala

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Wer hätte die Auszeichnung in diesem Jahr noch verdient? Bundeskanzlerin Merkel gratuliert Malala. Einer ihrer Vorgänger wartet vergeblich auf den Friedensnobelpreis.

Oslo/Hamburg. Der Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon nennt sie eine Heldin, der Uno-Bildungssondergesandte Gordon Brown das „mutigste Mädchen der Welt“. Nun erhält die 17 Jahre alte pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai zusammen mit dem Kinderrechtler Kailash Satyarthi aus Indien den Friedensnobelpreis. Er widmete ihn am Freitag den Kinderarbeitern, für deren Rechte er seit Jahrzehnten kämpft. „Mit diesem Preis finden die Stimmen von Millionen von Kindern Gehör“, wurde er in lokalen Medien zitiert.

Genau zwei Jahre und einen Tag ist es her, dass ein Talibankämpfer Malala mit einem Schuss in den Kopf lebensgefährlich verletzte.

Bereits im vergangenen Jahr wurde Malala vom Europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. Auch vor der Uno hielt sie eine bemerkenswerte Rede, die Sie hier im Video sehen können.

Bekannt wurde Malala mit einem Blog für den britischen Rundfunksender BBC, den sie im Alter von zwölf Jahren zu schreiben begann. Darin beschrieb sie ihr Leben unter den radikalislamischen Taliban, die damals das Swat-Tal an der Grenze zu Afghanistan kontrollierten, bevor die Armee sie wieder vertrieb. Das Mädchen schrieb von den Gräueltaten der Gotteskrieger, vor allem gegen Frauen und Kinder. Es schilderte, wie die Taliban Mädchenschulen anzündeten und Frauen, die ihre strengen Verhaltensregeln ignorierten, öffentlich auspeitschten.

Malala überlebte das Taliban-Attentat schwer verletzt

In Pakistan wurde Malala rasch zu einem Symbol für den Kampf gegen radikalislamische Extremisten. Für die Taliban wurde sie zur Feindin. Am 9. Oktober 2012 stiegen mehrere Taliban-Kämpfer in den Schulbus, in dem Malala mit einigen Freundinnen saß. Einer schoss ihr gezielt in den Kopf und verletzte sie schwer.

Nur dank einer raschen Notoperation in Pakistan und einer anschließenden Behandlung im britischen Birmingham kam das Mädchen mit dem Leben davon. Erst vor wenigen Wochen wurden in Pakistan zehn Verdächtige im Zusammenhang mit dem Attentat festgenommen.

„Meine Freunde sagen, er feuerte drei Schüsse, einen nach dem anderen“, schrieb Malala in ihrem Buch „Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft“. Als sie nach sechs Tagen im Koma aufgewacht sei, sei ihr erster Gedanke gewesen: „Gott sei Dank, ich bin nicht tot.“ Der Anschlag löste weltweit Empörung aus. Die Entschlossenheit der jungen Bloggerin konnten die Taliban mit der brutalen Tat jedoch nicht bremsen.

Sie will in die Politik gehen

Bei einem Auftritt vor der Uno-Jugendversammlung in New York versicherte Malala im vergangenen Jahr, sie werde weiter für die Rechte aller Kinder und Frauen kämpfen. „Nichts hat sich in meinem Leben geändert, außer dies: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind gestorben, Stärke, Kraft und Mut wurden geboren“, sagte sie. Dem Uno-Generalsekretär übergab sie eine Internetpetition, in der die 193 Uno-Mitgliedstaaten aufgefordert werden, Schulen und Lehrkräfte zu finanzieren.

Für ihre eigene Zukunft hat Malala, die derzeit mit ihrer Familie in Großbritannien lebt, präzise Pläne. Sie wolle in die Politik gehen, verriet sie vor einiger Zeit in einem Interview. Ihr Ziel sei es, „die Zukunft meines Landes zu verändern“. Als Politikerin wolle sie ein Recht auf Bildung festschreiben lassen, um Terrorismus und Extremismus den Nährboden zu entziehen, erläuterte die Jugendliche.

Als politische Vorbilder nennt Malala die früheren pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto – und ihren Vater Ziauddin Yousafzai. Auch er engagierte sich in Pakistan gegen die Taliban und für das Recht auf Bildung. Im Dezember 2012 wurde er von der Uno zum Sonderberater für Erziehung ernannt, derzeit arbeitet er beim pakistanischen Konsulat in Birmingham.

Bei Helmut Kohl warteten die Kamerateams vergebens

Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg gratulierte den Preisträgern, ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor der Verkündung hatten Friedensforscher und Medien unter anderem über eine Auszeichnung für den umstrittenen US-Whistleblower Edward Snowden spekuliert. Er hatte im September den Alternativen Nobelpreis in Stockholm bekommen.

Die deutsche Friedensbewegung nannte die Vergabe an die beiden Kinderrechtler „mut- und ideenlos“, weil es sich nicht um Vorkämpfer für den Frieden handele.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist auch in diesem Jahr bei der Vergabe des Friedensnobelpreises leer ausgegangen. Gut ein Dutzend Journalisten, die am Freitag vor dem Wohnhaus des 84-Jährigen in Ludwigshafen-Oggersheim gewartet hatten, mussten ihre Kameras, Mikrofone und Notizblöcke wieder einpacken.

Kohls Nachbarn, Sicherheitsleute und die Polizei nehmen den Termin inzwischen mit Humor. Sie verabschiedeten sich mit den Worten: „Bis nächstes Jahr!“

( (AFP/dpa/HA) )