South Carolina

Dylann Roof muss mit der Todesstrafe rechnen

Dylann Roof muss sich für den Tod von neun afroamerikanischen Gemeindemitgliedern verantworten

Dylann Roof muss sich für den Tod von neun afroamerikanischen Gemeindemitgliedern verantworten

Foto: dpa

Der 21-Jährige ist für seine Tat in Charleston wegen neunfachen Mordes angeklagt worden. Erhöhte Sicherheit in New Yorker Kirchen.

Charleston/New York. Nach den Todesschüssen auf Afroamerikaner in einer Kirche in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina ist der mutmaßliche Täter wegen neunfachen Mordes angeklagt worden. Dylann Roof werde am Nachmittag (20 Uhr MESZ) zu einem Gerichtstermin erwartet, teilte die Polizei am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Weiterer Anklagepunkt sei der Waffenbesitz bei der Durchführung eines Gewaltverbrechens. US-Medien zufolge habe er die Tat bereits gegenüber den Ermittlern gestanden. Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, sprach sich in einem TV-Interview dafür aus, Roof mit dem Tode zu bestrafen.

Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf einen rassistischen Hintergrund der Tat. US-Medien beschrieben Roof als Einzelgänger, der die Schulausbildung abgebrochen habe und wegen rassistischer Äußerungen aufgefallen sei. In letzter Zeit sei er mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten. Die Polizei sprach von einem „Verbrechen des Hasses“.

Obama will gegen Ursachen ankämpfen

Präsident Barack Obama sagte am Donnerstag, irgendwann müssten sich die USA mit den Ursachen solcher Gewalttaten auseinandersetzen. Er verwies auf die unbewältigten Probleme zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und die laxen US-Waffengesetze. Wieder einmal habe ein Täter es zu leicht gehabt, an eine Schusswaffe zu kommen. „So etwas geschieht nicht an anderen Orten mit einer solchen Häufigkeit“, sagte Obama zur Rechtslage. Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte eine Reform des Waffenrechts.

Roof hatte in der Emanuel-Methodistenkirche während einer Bibelstunde den Pastor und acht weitere Menschen erschossen. Der Täter habe zunächst etwa 50 Minuten lang selbst an der Veranstaltung teilgenommen. Dann sei er aufgestanden, habe rassistische Sprüche von sich gegeben und auf die Teilnehmer geschossen, sagte eine Überlebende nach einem Bericht der Zeitung „Charleston Post and Courier“.

Roof trägt Jacke mit Apartheids-Flaggen

Ein Fahndungsfoto zeigt den Verdächtigen in einer Jacke mit aufgebrachten Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien. Diese Flaggen sind laut „New York Times“ bei weißen Rassisten in den USA beliebt. Noch am Donnerstag nahm die Polizei den Verdächtigen bei einer Verkehrskontrolle fest. Er wurde einem Richter vorgeführt und für die Untersuchungshaft und das Gerichtsverfahren nach South Carolina zurückgebracht.

Das Bundesjustizministerium zog das Ermittlungsverfahren an sich. Es handelt sich um eines der schwersten möglicherweise rassistisch motivierten Verbrechen seit Jahren in den USA. In den Medien war auch von Inlandsterror („domestic terrorism“) die Rede. Dabei wurde als Vergleich der Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City vor 20 Jahren genannt, bei dem 168 Menschen starben. Schwarze und Weiße trauerten in Charleston gemeinsam um die Opfer. Proteste blieben zunächst aus.

New Yorker Kirchen erhöhen Sicherheit

Derweil sind in der Millionenmetropole New York nach der Bluttat von Charleston die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Alle Kirchen, die hauptsächlich von Afroamerikanern besucht werden, würden mit zusätzlichem Personal bewacht, teilte Bürgermeister Bill de Blasio in der Nacht zum Freitag mit.

„In New York hat Hass keinen Platz.“ Es gebe aber keine konkreten Gefährdungshinweise, das Ganze sei lediglich eine Vorsichtsmaßnahme. (dpa/HA)