Südkorea

Staatspräsidentin nennt Kapitän der gekenterten Fähre Mörder

Harsche Worte von Park Geun Hye. Die Behörden verhafteten nach dem Kapitän weitere Crew-Mitglieder. Mitschnitte des Funkverkehrs belegen Chaos an Bord.

Seoul. In Südkorea hat Präsidentin Park Geun Hye schwerste Vorwürfe gegen führende Besatzungsmitglieder der Unglücksfähre erhoben. „Das Verhalten des Kapitäns und mancher Besatzungsmitglieder ist für den gesunden Menschenverstand unfassbar, und es war wie eine Mordtat, die nicht toleriert werden darf“, sagte Park der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge am Montag vor Mitarbeitern ihres Stabs.

Der 69-jährige Kapitän und sechs weitere Crew-Mitglieder befinden sich derzeit wegen des Verdachts auf gravierende Pflichtverletzungen in Haft. Darunter befinden sich die Dritte Offizierin, die zum Zeitpunkt des Unglücks am Steuer war, sowie zwei Erste Offiziere, ein Zweiter Offizier und ein Chefmaschinist. Augenzeugen zufolge haben der Kapitän und mehrere Crew-Mitglieder vor den Passagieren das sinkende Schiff verlassen.

Die Fähre „Sewol“ war am Mittwoch vor der südkoreanischen Küste mit 476 Menschen an Bord – darunter 339 Schüler und ihre Lehrer – in Seenot geraten und untergegangen. 174 Menschen wurden gerettet. 64 Leichen wurden bislang geborgen. 238 Menschen werden noch vermisst. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass auch sie ums Leben kamen.

Zu der befürchteten hohen Opferzahl könnte der chaotische Funkverkehr zwischen dem in Not geratenen Schiff und der Aufsichtsbehörde auf der Insel Jindo geführt haben. Mitschnitte der Kommunikation belegten, wie beide Seiten minutenlang aneinander vorbeiredeten.

Rund eine halbe Stunde nachdem die „Sewol“ zu kentern begann, fragte ein Crewmitglied dreimal in Folge, ob andere Schiffe die Passagiere retten könnten, sobald sie die Fähre verlassen und in den Rettungsbooten seien.

Darauf entgegnete ein Mitarbeiter des Schiffsverkehrsdienstes nur, dass die Crew den Passagieren Rettungswesten und weitere Kleidung geben und ihnen zur Flucht verhelfen solle. Erst auf wiederholtes Nachfragen sagte er, dass innerhalb von zehn Minuten Patrouillenboote vor Orte sein würden. Dabei erwähnte er aber nicht, dass ein Schiff bereits in der Nähe war und die Passagiere sofort retten könnte.

Die Fähre hatte den Angaben zufolge am Mittwoch um 08:55 Uhr (Ortszeit) den ersten Notruf abgesetzt, der Kontakt zum Schiffsverkehrsdienst bestand demnach für etwa 30 Minuten, dann brach er ab. Das Crewmitglied sagte während der Verbindung mehrmals, dass man sich auf dem havarierten Schiff kaum auf den Beinen halten könne.