Felix Baumgartner

Überschall-Sprung sorgt für YouTube-Rekord

Lesedauer: 4 Minuten

Extremsportler Baumgartner glückt waghalsiger Weltrekord. Millionen verfolgen seinen Sprung. Auch im Internet sorgte der Vorgang für Rekorde

Berlin. Der Rekordsprung von Felix Baumgartner aus der Stratosphäre hat auch der Videoplattform YouTube einen neuen Höchstwert beschert. In der Spitze sahen bis zu acht Millionen Menschen gleichzeitig online zu, wie der Österreicher von seiner Kapsel absprang und auf die Erde zuraste, teilte der Betreiber Google in einem Blogeintrag mit. Das dürfte auch der Rekord für Live-Übertragungen im Internet überhaupt sein: Als bisheriger Spitzenwert galten die über sieben Millionen Zuschauer, die der Netz-Dienstleister Akamai im Januar 2009 bei der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama zählte.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter war Baumgartners Sprung über Stunden das Top-Thema in den Trend-Charts. Zugleich bekamen mehrere gefälschte Twitter-Accounts unter Baumgartners Namen in kürzester Zeit Tausende neue Abonnenten. Einige dieser Konten gaukelten Tweets direkt aus der Stratosphäre vor, andere waren ganz offensichtliche Parodien mit Texten wie „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für das Marketing von Energiegetränken“.

Auf der Facebook-Seite der Mission sammelte das Bild, auf dem Baumgartner nach der Landung auf dem Boden kniet, mehr als 470.000 „Gefällt mir“-Klicks ein.

Baumgartner war die Anspannung kurz vor seinem äußerst waghalsigen Sprung deutlich anzumerken. Als er die anvisierte Höhe von rund 37 Kilometern erreicht hat, schließt er kurz die Augen. So vieles könnte schiefgehen bei diesem Stunt, es ist ein Sprung um sein Leben. Noch einmal durchatmen – dann geht es los. „Jetzt wird's ernst, Felix“, sagt sein Mentor Joe Kittinger über Funk, als er mit Baumgartner die letzten Vorkehrungen für den Sprung trifft.

30 Handgriffe bis zum Sprung – während Baumgartner sich vorbereitet, steigt die Kapsel an ihrem Heliumballon weiter auf schwindelerregende 39 Kilometer. Am Boden, im Kontrollzentrum, steht den Beobachtern die Nervosität ins Gesicht geschrieben, wie bei der Live-Übertragung im Fernsehen zu sehen ist. Auch Baumgartners Eltern sind vor Ort. Er sei froh, wenn sein Junge wieder unten sei, sagt der Vater des 43-Jährigen.

„Jetzt wir's richtig ernst“, raunt Kittinger wenig später in sein Funkgerät. „Voller Druckausgleich mit Außendruck“, lautet seine Anweisung. Zwischenzeitlich gibt es kleine Unterbrechungen der Kommunikation, Baumgartner antwortet nicht immer sofort. Die Spannung steigt.

Um 20.03 MESZ öffnet sich die Tür der Kapsel. Tiefblau schimmert Baumgartner im Licht der Kameras. „Punkt 27. Leg die Beine auf die Türschwelle“, gibt das Kontrollzentrum Anweisung. Baumgartner schiebt seine Beine aus der Luke und setzt sich an den Rand seiner Kapsel. „Punkt 29. Löse den Sicherheitsgurt.“ Dann stellt er sich auf. Die Hand geht kurz zum Gruß zum Kopf – und Baumgartner stürzt sich in die Tiefe.

Es geht alles ganz schnell. Als weißer Punkt ist Baumgartner auf den Bildschirmen zu sehen. Er scheint ins Taumeln zu geraten. Wie geht es ihm? Nach einer Minute und 40 Sekunden gibt es ein Lebenszeichen. Er spricht. „Das ist ein ziemlich langer freier Fall“, sagt er wenig später. Beifall und erster Jubel brechen aus, Gesichter der Erleichterung sind zu sehen, als Baumgartner früher als erwartet nach rund vier Minuten die Leine zieht und sich der Fallschirm ausbreitet. Seine Mutter lacht in die Kameras. Sekunden später landet Baumgartner, reist die Hände vor Freude in die Höhe. Geschafft. Der „furchtlose Felix“ hat überlebt.

Wenig später meldet der Sponsor Red Bull, Baumgartner habe eine Geschwindigkeit von 1.137 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Daten mussten jedoch noch bestätigt werden. Ob Baumgartner also schneller als der Schall zur Erde raste, bleibt zunächst ungewiss.

„Manchmal muss man wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind“, sagt ein überschwänglicher Baumgartner nach seiner Landung zu Journalisten. Nach dem Rekordsprung will er sich nach eigenen Angaben den kleineren Dingen im Leben widmen, sesshaft werden, doch auch dabei will er offenbar noch hoch hinaus: In den USA oder Österreich wolle er Hubschrauber fliegen, hatte er vor dem Sprung gesagt.

( dpa/dapd )