Felix Baumgartner

Der durchgeknallte Sprung um sein Leben

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Thomas Körbel

Spannung und Nervenkitzel bei Baumgartners Weltrekordsprung. Schallmauer offenbar durchbrochen – Weltrekord: Kein Mensch von Ballon höher getragen

Roswell/Berlin. Es ist der reine Nervenkitzel: Felix Baumgartner ist die Anspannung kurz vor seinem äußerst waghalsigen Sprung deutlich anzumerken. Als er die anvisierte Höhe von rund 37 Kilometern erreicht hat, schließt er kurz die Augen. So vieles könnte schiefgehen bei diesem Stunt, es ist ein Sprung um sein Leben. Noch einmal durchatmen – dann geht es los. „Jetzt wird's ernst, Felix“, sagt sein Mentor Joe Kittinger über Funk, als er mit Baumgartner die letzten Vorkehrungen für den Sprung trifft.

30 Handgriffe bis zum Sprung – während Baumgartner sich vorbereitet, steigt die Kapsel an ihrem Heliumballon weiter auf schwindelerregende 39 Kilometer. Am Boden, im Kontrollzentrum, steht den Beobachtern die Nervosität ins Gesicht geschrieben, wie bei der Live-Übertragung im Fernsehen zu sehen ist. Auch Baumgartners Eltern sind vor Ort. Er sei froh, wenn sein Junge wieder unten sei, sagt der Vater des 43-Jährigen.

„Jetzt wir's richtig ernst“, raunt Kittinger wenig später in sein Funkgerät. „Voller Druckausgleich mit Außendruck“, lautet seine Anweisung. Zwischenzeitlich gibt es kleine Unterbrechungen der Kommunikation, Baumgartner antwortet nicht immer sofort. Die Spannung steigt.

Um 20.03 MESZ öffnet sich die Tür der Kapsel. Tiefblau schimmert Baumgartner im Licht der Kameras. „Punkt 27. Leg die Beine auf die Türschwelle“, gibt das Kontrollzentrum Anweisung. Baumgartner schiebt seine Beine aus der Luke und setzt sich an den Rand seiner Kapsel. „Punkt 29. Löse den Sicherheitsgurt.“ Dann stellt er sich auf. Die Hand geht kurz zum Gruß zum Kopf – und Baumgartner stürzt sich in die Tiefe.

„Ein ziemlich langer freier Fall“

Es geht alles ganz schnell. Als weißer Punkt ist Baumgartner auf den Bildschirmen zu sehen. Er scheint ins Taumeln zu geraten. Wie geht es ihm? Nach einer Minute und 40 Sekunden gibt es ein Lebenszeichen. Er spricht. „Das ist ein ziemlich langer freier Fall“, sagt er wenig später. Beifall und erster Jubel brechen aus, Gesichter der Erleichterung sind zu sehen, als Baumgartner früher als erwartet nach rund vier Minuten die Leine zieht und sich der Fallschirm ausbreitet. Seine Mutter lacht in die Kameras. Sekunden später landet Baumgartner, reist die Hände vor Freude in die Höhe. Geschafft. Der „furchtlose Felix“ hat überlebt.

Wenig später meldet der Sponsor Red Bull, Baumgartner habe eine Geschwindigkeit von 1.137 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Daten mussten jedoch noch bestätigt werden. Ob Baumgartner also schneller als der Schall zur Erde raste, bleibt zunächst ungewiss.

„Manchmal muss man wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind“, sagt ein überschwänglicher Baumgartner nach seiner Landung zu Journalisten. Nach dem Rekordsprung will er sich nach eigenen Angaben den kleineren Dingen im Leben widmen, sesshaft werden, doch auch dabei will er offenbar noch hoch hinaus: In den USA oder Österreich wolle er Hubschrauber fliegen, hatte er vor dem Sprung gesagt.