18 Stunden waren Urlauber eingeschlossen, nachdem ein Gleitschirm die Seilbahn lahmgelegt hatte. Die Rettung kam per Hubschrauber.

Schwangau. Der Seilbahn-Unfall bei Schwangau, der 19 Urlauber und den Gondelführer zum nächtlichen Ausharren in einer Gondel zwang, hat ein gutes Ende genommen: Helfer haben 20 Menschen am frühen Sonnabendmorgen aus der festsitzenden Seilbahnkabine nahe dem Schloss Neuschwanstein mit Hubschraubern gerettet. Die Touristen mussten mehr als 18 Stunden in der engen Gondel über einem Steilhang ausharren. „Es lief alles glatt“, sagte der Sprecher der Bergwacht Allgäu, Roland Ampenberger. Ein Gleitschirmflieger hatte sich am Freitag aus unbekannter Ursache in den Seilen der Bergbahn verfangen und sie lahmgelegt. Der Tegelberg ist bei Gleitschirmfliegern beliebt.

Die Geretteten wurden in einem Zelt medizinisch betreut und mit Essen, Getränken und Decken versorgt. Alle seien den Umständen entsprechend wohlauf, sagte Ampenberger. Unter den Eingeschlossenen waren nach Angaben des Sprechers der Bergwacht Bayern, Roland Ampenberger, auch fünf Kinder im Alter von vier bis neun Jahren. Ältester Fahrgast sei eine 75 Jahre alte Person gewesen.

Sechs der festgesessenen Passagiere stammen aus Nordrhein-Westfalen. Wie die Polizei in Kempten im Allgäu mitteilte, kommen drei von ihnen aus dem Kreis Recklinghausen und drei andere aus dem Kreis Paderborn. Die 13 anderen Touristen kamen aus Bayern und Baden-Württemberg. Drei von ihnen kämen aus Schwäbisch-Hall, drei aus Biberach und einer aus dem Neckar-Odenwald-Kreis.

Gegen Gleitschirmflieger wird ermittelt

Der Gleitschirmflieger, der im Tandem unterwegs war, und sein 35 Jahre alter Passagier, ein Kameramann aus München, wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Die übrigen Beteiligten blieben unversehrt.

Möglicherweise hing der Gleitschirmflug mit Dreharbeiten für einen Film zusammen. Es zeichneten sich Erkenntnisse ab, die einen solchen Zusammenhang möglich erscheinen ließen, sagte am Sonnabendabend ein Polizeisprecher in Kempten. Sollte sich dies bestätigen, kämen mehr Menschen für eine mögliche strafrechtliche Verantwortung infrage.

Gegen den 54-jährigen Piloten, der in der Schweiz wohnt, wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Wie es genau zu dem Unfall kam, ist aber noch unklar. Polizeisprecher Christian Owsinski sprach von einer "unerwarteten Windböe“, die dem "sehr erfahrenen Piloten“ zum Verhängnis geworden sei. Dagegen warf der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Franz Bucher, dem Gleitschirmpiloten vor, "grob fahrlässig“ gehandelt zu haben. Ein Überfliegen der Gondelseile sei streng verboten.

Die Helfer hatten im Morgengrauen mit der Bergung begonnen. Das gute Flugwetter mit nur wenig Wind habe den „komplexen Einsatz“ am Steilhang erleichtert, sagte Ampenberger. Wenige Stunden zuvor hatte es am Tegelberg noch stark geregnet.

Zwei Hubschrauber flogen die Eingeschlossenen aus luftiger Höhe nach und nach ins Tal. Die Touristen stammen nach Angaben der Bergwacht unter anderem aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

30 Menschen wurden abgeseilt

Am Freitagnachmittag gegen 13.00 Uhr hatte sich ein Tandem-Gleitschirm in der Tegelbergbahn bei Schwangau verfangen und sie damit blockiert. 132 Menschen mussten von der Bergspitze aus – teils mit Hubschraubern - ins Tal gebracht werden. Aus einer zweiten Gondel wurden bis zum Freitagabend 30 Menschen abgeseilt.

Die in der oberen Gondel in rund 80 Metern Höhe über einem Steilhang festsitzenden Menschen konnten allerdings wegen aufkommender Winde bis zum späten Freitagabend nicht in Sicherheit gebracht werden. Nach Einbruch der Dunkelheit leuchteten die Rettungskräfte den Berg mit Flutlicht aus. Zahllose Schaulustige verfolgten das Berg-Drama vom Tal aus.

Ein Versuch, den Gleitschirm aus dem Seil zu lösen und damit die Bahn wieder zu starten, musste in der Nacht abgebrochen werden. Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Bergbahn, Franz Bucher, wird die Reparatur mehrere Tage dauern. Ein Spezialist des Herstellers aus Italien sei angefordert worden, um das Stoffknäuel zu entfernen. Sollten die Seile beschädigt sein, könne die Bahn auch bis zu einem Monat ausfallen.

Insgesamt waren mehr als 250 Rettungskräfte im Einsatz. Die Bergbahn muss nun erst einmal auf mögliche Schäden überprüft werden. Daher bleibt sie vorerst geschlossen, wie der Geschäftsführer der Bergbahn, Franz Bucher, mitteilte. Die Prüfung werde mehrere Tage dauern. Sollte das Stahlseil ausgewechselt werden müssen, drohe der Bahn ein Stillstand von bis zu zwei Monaten.

Mit Material von dpa und dapd