Japan

Nachbeben bei Fukushima - Trinkwasser radioaktiv

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Das Beben hatte eine Stärke von 6,1. In Tokio wurde radioaktives Jod im Trinkwasser nachgewiesen. Verfolgen Sie die Geschehnisse im Liveticker.

Tokio. Der verzweifelte Kampf gegen eine atomare Katastrophe in Japan geht in die entscheidende Phase. Mit Notstromleitungen soll am Sonntag das Kühlsystem eines schwer beschädigten Reaktors im Atomkraftwerk Fukushima wieder angeworfen werden. Rund eine Woche nach dem Erdbeben und den Störfällen im Atomkraftwerk tauchten erste radioaktiv verstrahlte Lebensmittel auf. Zudem wurden im Trinkwasser der Hauptstadt Tokio Spuren von Radioaktivität nachgewiesen. In Fukushima kämpften Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten am Samstag weiter gegen die nukleare Katastrophe. Mit allen Mitteln versuchten sie, die Reaktoren des havarierten AKW zu kühlen, um Kernschmelzen zu verhindern. Mindestens sechs Arbeiter bekamen dabei zu viel radioaktive Strahlung ab, wie der Kraftwerksbetreiber Tepco mitteilte.

Positive Signale kamen indes von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Der Eintritt der schlimmstmöglichsten Katastrophe in Fukushima wird nach IAEA-Einschätzung mit jedem Tag unwahrscheinlicher. „Die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung“, sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Man könne die Wiederherstellung der Stromzufuhr zu den Reaktoren und die Bemühungen um die Kühlung beobachten. Damit reduziere sich das Risiko in Fukushima Tag für Tag. Auch nach Einschätzung eines anderen Strahlenexperten trat zuletzt wohl keine massive Radioaktivität mehr aus den Reaktoren aus. Am Sonntag soll zunächst Reaktor 2 wieder an die Stromversorgung angeschlossen werden, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Techniker hatten Stromkabel zu den Meilern 1 und 2 gelegt. Mit dem Strom soll das Kühlsystem des Reaktors wieder in Gang gesetzt werden, das normalerweise eine Überhitzung der Kernbrennstäbe verhindert.

Ob die Pumpen und Leitungen nach den gewaltigen Explosionen an mehreren Stellen im AKW noch funktionieren, ist allerdings völlig unklar. Auch die japanische Regierung verkündete positive Botschaften zur Lage im Atomkraftwerk und den am meisten gefährdeten Reaktoren 3 und 4. Am Reaktor 3 habe sich die Situation stabilisiert, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Kühlung von außen durch Wasserwerfer zeige Wirkung. In dem Reaktorbecken gebe es mehr Wasser. Reaktor 3 ist der einzige Block, der über so genannte Mischoxid-Brennelemente (MOX) mit hochgiftigem Plutonium verfügt. In die Dächer der Reaktoren 5 und 6, in denen ältere Brennstäbe lagern, wurden Löcher gebohrt, durch die Wasserstoff entweichen kann, ohne dass er explodiert. Die Kühlbecken dort wurden mit Notstrom aus Dieselgeneratoren des Reaktors 6 gekühlt.

Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag gemeldet, dass die Temperatur im Kühlbecken von Block 5 sinke. Sollte es trotz aller Bemühungen eine komplette Kernschmelze in einem der Reaktoren 1 bis 3 oder in einem der vier Kühlbecken geben, wird das gesamte Gelände nach Experteneinschätzung so verstrahlt, dass Menschen dort nicht mehr arbeiten können. Dann dürften auch die anderen Reaktoren völlig außer Kontrolle geraten. Eine vielfache Kernschmelze wäre die Folge. Das japanische Gesundheitsministerium prüfte einen Verkaufsstopp von Lebensmitteln aus der Präfektur Fukushima. Milch, Spinat und Trinkwasser aus der Umgebung des defekten Kernkraftwerks sind stark radioaktiv. Leicht radioaktives Wasser ist sogar im 240 Kilometer entfernten Tokio nachweisbar. Die radioaktiven Partikel haben sich weit verteilt: In der südlicheren Präfektur Ibaraki war ebenfalls belasteter Spinat entdeckt worden. Radioaktives Trinkwasser – wenn auch weit unter den Grenzwerten – wurde außer in Tokio auch in fünf weiteren Präfekturen entdeckt. Die Nachrichtenagentur Kyodo nannte die Präfekturen Tochigi, Gunma, Chiba, Saitama and Niigata. Es bestehe dort jedoch keine Gesundheitsgefahr durch das Wasser, selbst wenn man es trinke, teilten das japanische Wissenschaftsministerium mit.

Der Boden im Umkreis von 30 Kilometern um den Reaktor herum sei kontaminiert, sagte der Leiter des Instituts für Strahlenbiologie im Helmholtz-Zentrum München, Professor Michael Atkinson. „Doch die Aktivität des Radiojodids im Bodens scheint abzuklingen. Das ist ein Hinweis darauf, dass im Moment nichts aus dem Reaktor mehr austritt.“ Die Suche nach den Opfern des Tsunamis ging weiter. Nach Polizeiangaben wurden seit der Katastrophe 7320 Leichen geborgenen.

11 370 Menschen würden noch vermisst. Weil es zu wenig Krematorien gibt, wird in den Unglücksprovinzen nach Medienberichten überlegt, die Toten zu beerdigen. Das ist in Japan nicht üblich ist, weil es fast nur Feuerbestattungen gibt. Der Bau von Baracken für die Überlebenden begann vielerorts mit Problemen. Weil Benzin und Diesel knapp seien, konnte Baumaterial nicht geliefert werden, berichtete die Agentur Kyodo. Die meisten Deutschen haben die japanische Hauptstadt Tokio und ihre Umgebung inzwischen verlassen. „Ich schätze, dass sich weniger als Tausend deutsche Staatsbürger noch in ganz Ostjapan aufhalten“, sagte ein Botschaftssprecher. Im Ballungsgebiet Tokio-Yokohama lebten bis zum Erdbeben etwa 3500 Deutsche. Wegen der dramatischen Lage am Atomkraftwerk verlegte auch die deutsche Botschaft ihren Sitz nach Osaka. Während Retter fieberhaft versuchen, den Überlebenden zu helfen, kommt die Erde in Japan nicht zur Ruhe. Dem Erdbeben mit der Stärke 9,0 vom Freitag vergangener Woche sind so viele Nachbeben gefolgt wie nie zuvor. 262 Mal habe die Erde in der Woche danach mit der Stärke 5 oder mehr gebebt, teilte das Meteorologische Institut in Japan mit. (dpa)

Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages im Liveticker nach:

20.08 Uhr: Im japanischen Krisen-Atomkraftwerk Fukushima Eins soll am Sonntag einer der schwer beschädigten Reaktoren wieder mit Strom versorgt werden. Kraftwerksbetreiber Tepco will zunächst versuchen, Reaktor 2 wieder an die Stromversorgung anzuschließen, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Sonnabend berichtete.

17.25 Uhr: Bei den Rettungsarbeiten am Atomkraftwerk haben sechs Arbeiter zu viel radioaktive Strahlung abbekommen. Bei den Männern wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag mit Verweis auf den Kraftwerksbetreiber Tepco mitteilte. Welche Aufgaben die Arbeiter hatten, teilte Tepco nicht mit. Wegen der Katastrophe hatte das japanische Gesundheitsministerium den Grenzwert für Arbeiter an dem zerstörten Kraftwerk von 100 auf 250 Millisievert hochgesetzt. In Deutschland gilt für Menschen, die beruflich etwa in einem Atomkraftwerk Strahlung ausgesetzt sind, ein Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr. Für alle anderen Menschen, die beruflich künstlicher Strahlenbelastung ausgesetzt sind, liegt die erlaubte Jahresdosis bei 1 Millisievert.

16.44 Uhr: Der IAEA zufolge haben die japanischen Behörden Löcher in die Reaktorblöcke 5 und 6 geschnitten, um eine Wasserstoff-Explosion zu verhindern. Es ist demnach unklar, ob die Wasserpumpen im Kernkraftwerk funktionieren werden, wenn erstmal der Strom wieder angeschlossen ist. Allgemein sei die Lage ähnlich wie am Freitag. Seitdem hat sich auch die Strahlung in den japanischen Großstädten nicht geändert, teilte die Behörde weiter mit.

13.10 Uhr: Japan erwägt nach Angaben der IAEA, den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima zu stoppen, da radioaktives Jod in der Nahrung kurzfristig die Gesundheit gefährden könnte.

12.58 Uhr: Gut eine Woche nach dem Atomunfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 haben die Behörden im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich Spuren von radioaktivem Jod. Ungewöhnlich hohe Werte von radioaktivem Jod seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden.

12.04 Uhr: Nach dem Erdbeben und dem Tsunami am Freitag vergangener Woche geben die japanischen Behörden die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen mit 7.348 an. Vermisst werden demnach 10.947 Menschen. Einige der Vermissten könnten außerhalb der betroffenen Regionen gewesen sein, als sich die Katastrophe ereignete. Andererseits könnte eine bislang unbekannte Zahl von Opfern nach dem Tsunami von der Rückwelle aufs Meer hinaus gespült worden sein.

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11.01 Uhr: Ein erneutes Nachbeben hat am Sonnabend die Erdbebenregion im Nordosten Japans erschüttert. Wie der Amerikanische Erdbebendienst USGS meldete, hatte das Beben eine Stärke von 5,9. Japanische Medien meldeten eine Stärke von 6,1. Das Epizentrum im Meer nahe der Ostküste Japans lag etwa 142 Kilometer nordöstlich von Tokio und 98 Kilometer südlich der Päfektur Fukushima. Über weitere Schäden gab es zunächst keine Meldungen.

9.56 Uhr: Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima verbunden worden. Dies berichtet die japanische Atomaufsicht. Es sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

8.40 Uhr: In der Umgebung des beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi ist laut Regierungsangaben eine erhöhte radioaktive Verstrahlung bei Spinat und Milch festgestellt worden. Die Strahlenbelastung bei beiden Lebensmitteln überstieg die amtlichen Grenzwerte, wie Kabinettssekretär Yukio Edano am Samstag erklärte. Die überprüfte Milch stammte aus der Präfektur Fukushima, der Spinat aus dem benachbarten Ibaraki.

8.03 Uhr: Die Reaktoren im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins sollen weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Wenn das gelänge, seien am Ende 1260 Tonnen Wasser auf Reaktor 3 gesprüht worden. Ein weiteres Spezialfahrzeug zur Kühlung auf dem Weg nach Fukushima. Das Fahrzeug sei in Deutschland gebaut worden und pumpe normalerweise flüssigen Beton. Ein ähnliches Modell sei bereits beim Atomunglück in Tschernobyl eingesetzt worden. Derzeit sind 44 fahrzeuge und 240 Feuerwehrmänner aus Tokio an der Anlage im Einsatz.

5.01 Uhr: Zumindest von einem der Reaktoren im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins gibt es gute Nachrichten: In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonnabend unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco meldete. Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es „keine unmittelbaren Bedenken“.

4.51 Uhr: Um mögliche Wasserstoffexplosionen an den Reaktoren 5 und 6 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima zu verhindern, hat die Betreiberfirma Löcher in die Dächer der Reaktorgebäude bohren lassen. Ingenieure hätten jeweils drei Löcher von drei bis 7,5 Zentimetern in die Dächer gebohrt, teilte ein Sprecher der Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) am Sonnabend mit. An den Reaktoren 1, 2 und 3 hatten Wasserstoffexplosionen zum Teil erhebliche Schäden verursacht. In den Reaktoren 5 und 6 funktionierten die Kühlsysteme mit Hilfe eines Dieselgenerators auch nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März. Obwohl sie zum Zeitpunkt des Erdbebens abgestellt waren, wurde aber ein Druckanstieg im Inneren der Reaktoren registriert.

4.04 Uhr: Tepco macht Tempo für Kühlung in Fukushima: Das neue Stromkabel liegt vor den Unglücks-Reaktoren schon bereit, doch der Anschluss ist schwierig und die Zeit läuft davon. Die Kühlanlagen sind beschädigt, die improvisierte Energieversorgung muss erst noch getestet werden. Der Erfolg der Aktion ist ungewiss.

Lesen Sie auch die Ereignisse des gestrigen Tages im Liveticker:

Freitag, 18. März

21.03 Uhr: Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken, wie aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervorgeht. In den beiden anderen Blöcken aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Morgen des Sonnabend (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz. Die NISA gibt lediglich Zahlenwerte an und bewertet diese nicht. An Stelle der Notkühlung von Block 3 mit Wasserwerfern will die Betreibergesellschaft Tepco am Samstag versuchen, die reguläre Kühlung für die Reaktorblöcke 1 und 2 wieder in Gang zu setzen.

20.12 Uhr: Der US-Hersteller der japanischen Krisenreaktoren hat den Vorwurf von Konstruktionsmängeln zurückgewiesen. Die Reaktoren des Typs Mark 1 entsprächen allen Vorschriften und hätten „in den vergangenen 40 Jahren gut funktioniert“, erklärte der im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Konzern General Electric (GE) am Freitag. Das in den 1960er Jahren entwickelte Reaktormodell sei in den 80er Jahren überholt worden, um es den neuen Bestimmungen anzupassen. „Alle Änderungen, die von den Regulierungsbehörden verlangt wurden, sind umgesetzt worden“, erklärte GE.

18.23 Uhr: Die Zeitung "Yomiuri Shimbun“ aus Tokio vermeldet auf ihrer Internetseite, dass der verheerende Tsunami vom 11. März an seiner höchsten Stelle bis zu 23 Meter hoch war. Diese Höhe sei vor der Küste der Stadt Ofunato in der Präfektur Iwate registriert worden, berichtete die Zeitung und berief sich auf Forscher der Hafenbehörde. Iwate war von dem Tsunami mit am schwersten betroffen worden.

18.01 Uhr: Die Ausläufer der Krise in Japan sind in Deutschland angekommen: Opel muss die Produktion im Werk Eisenach wegen fehlender Teile unterbrechen. Auch in den USA muss eine Autofabrik pausieren. Die Japaner kriegen ihre Fabriken nur langsam wieder ans Laufen.

17.51 Uhr: Die Situation im und um das Atomkraftwerk Fukushima hat sich nach Einschätzung der IAEA weiter stabilisiert. „Ich würde es so beschreiben, dass es sich hin zu einer stabilen Lage entwickelt – was positiv ist“, sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Dass dies Grund für Optimismus sein könnte, wollte Andrew jedoch nicht bestätigen: „Es ist weiterhin sehr ernst, aber es ist nicht bedeutend schlimmer geworden.“

17.32 Uhr: Deutschland hat Japan die Lieferung von Robotern für den Einsatz im Atomkraftwerk Fukushima angeboten. „Die Geräte stehen bereit“, sagte am Freitag ein Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Berlin. Jetzt warte das Ministerium auf eine Entscheidung der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA), welche Roboter konkret benötigt würden.

16.20 Uhr: Der Wind am japanischen Unglücksreaktor Fukushima 1 soll zu Beginn kommender Woche wieder in Richtung der Millionen-Metropole Tokio drehen. „Wie weit sich die Radioaktivität dann ausbreitet, kann man aber noch nicht sagen“, sagte Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Am Dienstag soll der Wind voraussichtlich erneut seine Richtung ändern und wieder auf Nord/Nordwest umschwenken. Am Montag werde zudem Niederschlag „ein großes Thema“ sagte Speicher. Starken Regen gebe es vor allem im Süden des Landes, ob es auch in Fukushima regne, sei noch nicht absehbar, aber durchaus möglich. Dann würden die radioaktiven Partikel in die Erde geschwemmt und könnten ins Grundwasser gelangen. Bereits in der Nacht zum Montag könne am Kraftwerk Fukushima der Wind drehen. Schon am Sonntag weht er vermutlich kurzzeitig in Richtung Süden und damit zum Großraum Tokio hin, wo 35 Millionen Menschen leben.

14.31 Uhr: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat Japans Ministerpräsident Naoto Kan erneut die Hilfe seines Landes angeboten. Sarkozy würdigte in dem Telefonat nach Angaben seines Amtes „den Mut und die außergewöhnliche Würde“ des japanischen Volkes angesichts der Katastrophe in dem Inselreich. Frankreich stehe bereit, um weitere Hilfe für den Schutz der Bevölkerung sowie bei der Krisenbewältigung im Atomkraftwerk Fukushima Eins zu leisten. Schon vor Tagen hatte Sarkozy als „Geste der Solidarität Frankreichs und der Länder der G-8 und der G-20“ einen Besuch in Japan vorgeschlagen. Voraussetzung wäre aber das Einverständnis der japanischen Behörden.

13.42 Uhr: Am Katastrophen-AKW Fukushima 1 sind am Freitag fast 140 Feuerwehrleute aus Tokio zum Einsatz gekommen. Diese rückten mit 30 Fahrzeugen an, berichtete das staatliche Fernsehen NHK am Freitagabend (Ortszeit). Sie verspritzten 50 Tonnen Wasser auf den havarierten Reaktor 3, um eine Kernschmelze darin zu verhindern. Es handelte sich um Fahrzeuge, die normalerweise für Einsätze an hohen Gebäuden gedacht sind: Mit ihnen können die Feuerwehrleute aus 22 Metern Wasser spritzen.

13.08 Uhr: Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima 1 entfernt ist eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Verstrahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag bei 170 Microsievert am Donnerstag und 150 Microsievert am Freitag, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die höchste Belastung habe dabei in einer Zone gelegen, die bisher nicht evakuiert worden ist. Die Menschen hier wurden lediglich aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Nach Expertenmeinung nehmen Menschen bei der gemessenen Belastung innerhalb von sechs bis sieben Stunden so viel Strahlung auf, wie sonst innerhalb eines Jahres gerade noch verträglich wäre.

Die Strahlung direkt am Reaktor ist um ein Vielfaches höher: Erst am Donnerstag hatten die Betreiber nach eigenen Angaben wieder 400 Millisievert am Block 3 gemessen. Ein Millisievert sind 1000 Microsievert. Die japanische Regierung hat den Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk evakuiert. Wer bis zu 30 Kilometer entfernt lebt, soll im Innern von Häusern bleiben.

12.41 Uhr: Ministerpräsident Naoto Kan hat sich in einer Fernsehansprache an die Menschen in Japan gewandt. „Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen“, betonte Kan. Die Bevölkerung habe die erste Woche nach der Katastrophe mit Ruhe bewältigt. Die atomare Krise erlaube keinen Optimismus. Den Opfern und Angehörigen der Opfer drückte er sein Beileid und Mitgefühl aus. Ministerpräsident Kan erklärte weiter, Japan stehe vor der größten Krise der Nachkriegszeit. Als Antwort würden alle verfügbaren Kräfte gebündelt.

12.37 Uhr: Das US-Militär hat Japan Unterstützung durch 450 Strahlenexperten angeboten. Die Einheit könne dem Land bei der Bewältigung seiner Nuklearkrise helfen, sagte der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard. Ein Team aus neun US-Spezialisten sei bereits nach Japan geschickt worden. Es soll die Behörden unterstützen, den drohenden Super-GAU in den außer Kontrolle geratenen Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima abzuwenden. Die US-Experteneinheit könne unter anderem zur Strahlenmessung und Dekontamination verstrahlter Menschen oder Objekte eingesetzt werden, hieß.

11.42 Uhr: Auf die massive Kritik am Krisenmanagement der japanischen Regierung hat Ministerpräsident Naoto Kan mit dem Versprechen reagiert, mehr Informationen über die Atomkrise zu liefern. „Ich möchte versprechen, dass wir der internationalen Atomenergiebehörde IAEA so viele Informationen wie möglich zur Verfügung stellen wollen, auch der ganzen Welt“, sagte Kan nach einem Treffen mit IAEA-Chef Yukiya Amano am Freitag in Tokio.

11.11 Uhr: Neben Wasserwerfern und Hubschraubern ist zur Kühlung der Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima 1 jetzt auch ein Diesel-Generator im Einsatz. Der Generator sorge von Reaktor 6 aus für die Wasserzufuhr in die Abklingbecken mit gebrauchten Brennstäben der Reaktoren 5 und 6, berichtete die Internationale Atomenergiebehörde IAEA unter Berufung auf japanische Behörden. Nach den der IAEA vorliegenden Daten scheinen die bisherigen Kühlungsversuche bei den Abklingbecken am Donnerstag nur wenig Wirkung gehabt zu haben.

10.41 Uhr: Japan hat die Gefährlichkeit des Störfalls im Atomkraftwerk Fukushima hochgestuft. Der Störfall wurde von der Stufe 4 auf die Stufe 5 der internationalen Bewertungsskala Ines eingeordnet, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Bewertungsskala ist in 7 Stufen unterteilt. Danach beschreibt Stufe 4 einen „Unfall mit lokalen Konsequenzen“, Stufe 5 einen „Unfall mit weitreichenden Konsequenzen“. Schon vor Tagen hatten die französische Atomsicherheitsbehörde (ASN) und das unabhängige US-Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) den Unfall auf der zweithöchsten Stufe 6 - „ernster Unfall“ - eingeordnet.

Die Skala für nukleare Ereignisse heißt Ines (International Nuclear Event Scale) und reicht von Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld).

9.48 Uhr: Japans Ministerpräsident Naoto Kan besucht möglicherweise am Montag das Katastrophengebiet im Nordosten des Landes. Das deutete Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo an. Eine Woche zuvor hatten das Erdbeben mit der Stärke 9,0 und ein Tsunami die Region zerstört. Mehr als 6500 Menschen starben, Tausende werden noch immer vermisst. In rund 2200 Notfalllagern leben Kyodo zufolge derzeit mehr als 380.000 Obdachlose. Einige sind schon wegen der Kälte gestorben. Die Versorgung etwa mit Lebensmitteln ist immer noch sehr schwierig.

9.34 Uhr: Sie werden die "Fukushima 50“ genannt - jetzt bekommen die Männer, die im havarierten Atomkraftwerk in Japan gegen den Super-GAU kämpfen, Verstärkung. Mehr als 120 Männer seien inzwischen am Ort des Geschehens im Einsatz, darunter auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco. Japanische Medien berichteten am Freitag, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die Armee zu unterstützen.

9.16 Uhr: Der Betreiber des japanischen Unglücksreaktors Fukushima erwägt erstmals öffentlich, das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben. "Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen“, teilte Tokyo Electric Power mit. Zunächst solle aber versucht werden, den Reaktor abzukühlen.

8.37 Uhr: Die japanische Regierung hat den Betreibern des Atomkraftwerks Fukushima 1 einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Laut der Zeitung "Mainichi Shimbun“ äußerte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es "schwierig“ sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen.

8.17 Uhr: Der AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Sonnabend mit der wiederhergestellten Stromverbindung versorgen zu können. Das berichtet der Sender NHK.

7.39 Uhr: Die Kühlversuche per Wasserwerfer sollen nun auch auf Reaktor 1 des Atomkraftwerks Fukushima 1 ausgeweitet werden. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Zuvor war der Einsatz der Wasserwerfer nur für die Blöcke 3 und 4 geplant gewesen. Um die Situation zu entschärfen, war geprüft worden, ob auch Reaktor 1 auf diese Weise gekühlt werden könne. Edano betonte laut TV-Sender NHK, dass die Lage an Reaktor 1 nicht so dramatisch sei wie an den Blöcken 3 und 4.

6.57 Uhr: Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, fordert den japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan auf, mehr spezifische Informationen über die Situation in den Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima bereitzustellen.

6.15 Uhr: Am havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 haben Feuerwehrleute und Soldaten mit einem zweiten Kühlversuch begonnen. Einsatzfahrzeuge der Armee richteten ihre Wasserfontänen auf die strahlenden Reaktoren.

5.54 Uhr: Zumindest heute werden die Armee-Helikopter nicht erneut zum Einsatz kommen, um die Reaktoren am Unglücks-Atomkraftwerk zu kühlen. Das berichtet der Fernsehsender NHK unter Berufung auf Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa. Zunächst sollen Armee und Feuerwehr vom Boden aus mit Wasserwerfern arbeiten.

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