Naturkatastrophe in Chile

Abendblatt-Fotograf Hernandez: So erlebte ich das Erdbeben

| Lesedauer: 3 Minuten
René Soukup

Foto: Marcelo Hernandez

Marcelo Hernandez ist in Chile aufgewachsen. Derzeit ist er in Vina del Mar. Der 38-Jährige beschreibt, wie er das Erdbeben erlebt hat.

Vilabelmar. Es sollte eine Reise werden, die Freude macht. Doch die Heiterkeit ist gewichen. "Wir haben permanent Angst vor Nachbeben", sagt Abendblatt-Fotograf Marcelo Hernandez (38), der in Chile geboren wurde und dort gerade Urlaub macht. Seine Familie wohnt in Vina del Mar, neun Kilometer entfernt von Valparaiso (280.000 Einwohner). Hernandez erlebte das Beben der Stärke 8,8 im Haus seiner Eltern. Es liegt am Strand, etwa 200 Meter vom Wasser und 600 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Den Moment, als alles begann, beschreibt er so: "Wir haben gerade im Bett gelegen, als es plötzlich anfing. Die Wände haben sich bewegt, wir haben uns an den Bettpfosten geklammert. Ich habe mich wie in einem Cocktail-Mixer gefühlt."

1. MEHR ALS 700 TOTE - AUSNAHMEZUSTAND ERKLÄRT

2. ERDBEBENKARTE DES POTSDAMER ERDBEBENFORSCHUNGSZENTRUMS

3. DIE ERLEBNISSE DER ABENDBLATT-REPORTERINNEN AUF HAWAII

Hernandez, seine Lebensgefährtin und die sieben Monate alte Tochter blieben unverletzt. "Unser Haus hat etwas abbekommen. Da sind ein paar Scheiben kaputt. Ist aber nicht schlimm", berichtet er. Schlimmer traf es da schon das Haus des Nachbarn. Dessen komplette Forderfront ist rausgebrochen. Die gute Nachricht: Der Mann kam unversehrt davon.

Das Video konnte nicht gefunden werden.
Unterartikel für hao-4-Artikel mit ID: 1400413
Das Video konnte nicht gefunden werden.
Unterartikel für hao-4-Artikel mit ID: 1400413



Der Abendblatt-Fotograf hat in seiner Kindheit mehrere Erdstöße erlebt, "aber diese Intensität war erschreckend. Das war eine ganz andere Dimension. Ich habe Schreie aus der Nachbarschaft gehört, Licht und Wasser sind ausgefallen, alle Kommunikationswege waren abgeschnitten. Da denkt man schnell an Apokalypse", berichtet Hernandez.

Zahlreiche Nachbarn sind in die Berge geflüchtet, Hernandez und seine Familie geblieben, auch wenn da immer diese Angst war der Tsunami-Welle war. "Wir waren von der Außenwelt abgeschnitten. Keiner wusste, was noch auf einen zukommt. Man schaut teilweise wie paralysiert aufs Meer und hofft, dass da nichts anrollt." Zum Glück ist es ruhig geblieben, zum Glück ist auch sein Vater heil von der Arbeit zurückgekehrt. "Er ist in der Kupferbranche tätig, war zum Zeitpunkt des Bebens unterwegs und danach nicht zu erreichen. Da befürchtet man das Schlimmste", erzählt Hernandez.

Wie stark das Beben Chile getroffen hat, erfuhr der 38-Jährige erst über Quellen aus dem Ausland. 1,5 Millionen Chilenen sollen von der Katastrophe betroffen, 500.000 Häuser und Wohnungen schwer beschädigt sein. "Auch der Flughafen in Valparaiso ist betroffen", weiß Hernandez, der sich mit seiner Kamera aufgemacht und Fotos der Zerstörung in der Alstadt von Valparaiso, die mit ihrer Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde, gemacht hat. Dort sind viele Häuser älter als 100 Jahre, "dementsprechend stark sind auch die Schäden".

Wenn Hernandez die Gemütslage der Menschen in seiner Umgebung beschreibt, spricht er noch immer von einem "Schock-Zustand". "Das Beben war von der Stärke schlimmer als in Haiti, Europa kennt solche Werte schon gar nicht. Die Leute hier sind verunsichert." Er selbst möchte so schnell wie möglich zurück nach Deutschland.