Erdbeben in Chile

Ein Land unter Schock - Hundertausende sind obdachlos

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Foto: dpa / dpa/DPA

Der Schaden nach dem Beben in Chile ist immens. 1,5 Millionen Bürger sind betroffen, 500.000 Häuser schwer beschädigt.

Talca/Chile. Das ganze Ausmaß der Zerstörung kommt erst jetzt ans Tageslicht. Bei einem der stärksten jemals gemessenen Erdbeben sind in Chile nach offiziellen Schätzungen mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen. Laut Präsidentin Michelle Bachelet sind 1,5 Millionen Chilenen von der Katastrophe betroffen, 500.000 Häuser und Wohnungen sind schwer beschädigt. Der gigantische Erdstoß jagte einen Tsunami um den halben Erdball, doch in Japan und Hawaii verlief die Flutwelle glimpflich.

In Chile stürzten unzählige Häuser ein, Bewohner rannten in Panik auf die Straßen, die am frühen Sonnabendmorgen durch den Ausfall der Stromversorgung stockdunkel waren. Auch zahlreiche Brücken und Straßen wurden zerstört. Das Beben ereignete sich um 03.34 Uhr Ortszeit (07.34 Uhr MEZ). Telefonverbindungen im gesamten Land waren unterbrochen. Auf den gewaltigen Erdstoß folgten zahlreiche Nachbeben, von denen 21 die Stärke 5,0 oder mehr hatten, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte. Eines der Nachbeben erreichte sogar die Stärke 6,9.

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Das Zentrum des Bebens lag 115 Kilometer von der zweitgrößten chilenischen Stadt ConcepciOn entfernt, in der mehr als 200.000 Menschen leben. Dort stürzte ein 15-stöckiges Mietshaus ein. Die Telefonverbindungen waren stundenlang unterbrochen. In der Hauptstadt Santiago schwankten für eineinhalb Minuten Gebäude, einige stürzten ein, darunter auch ein Kirchturm. In einigen Vierteln fiel der Strom aus. Der Flughafen von Santiago wurde wegen Gebäudeschäden geschlossen. Die U-Bahn stellte ebenfalls ihren Betrieb ein. Der wichtigste Seehafen, Valparaiso, stellte seinen Betrieb vorerst ein, er sollte auf Schäden untersucht werden. Es gab auch Berichte über Plünderungen.

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Präsidentin Bachelet rief für die Mitte des südamerikanischen Landes den Notstand aus. Mindestens 214 Menschen seien getötet worden, 15 würden vermisst, sagte sie in einer Fernsehansprache. Die Leiterin des Katastrophenschutzes, Carmen Fernandez, sprach später von voraussichtlich mindestens 300 Toten - Tendenz steigend. Auf den zu Chile gehörenden Robinson-Crusoe-Inseln schwappte laut Bachelet eine riesige Welle an Land. Dort kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, elf wurden noch vermisst. Die riesigen Wellen zerstörten auch mehrere staatliche Gebäude. Nahe ConcepciOn wurden Flutwellen von rund zwei Metern über dem Normalzustand registriert. In Talcahuano nahe ConcepciOn setzten mehrere Flutwellen Teile der Hafenstadt unter Wasser.

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Erleichterung dagegen in Hawaii: Auf den zu den USA gehörenden Pazifikinseln verlief der Tsunami glimpflich. Mehrere Flutwellen erreichten Hawaii 16 Stunden nach dem Beben im Abstand von etwa 20 Minuten. Die Wellen waren teils bis zu zwei Meter hoch. Berichte über Schäden oder Verletzte gab es zunächst nicht. Die Menschen waren am Sonnabend mit Sirenen vor dem Tsunami gewarnt worden.

Bewohner wurden angewiesen, sich in höhere Gebiete in Sicherheit zu bringen.Auch in Japan wurden Flutwellen registriert. Nach offiziellen Angaben betrug die höchste gemessene Wellenhöhe 90 Zentimeter. Dennoch galt die Gefahr zunächst noch nicht als gebannt. Für die gesamte Ostküste galt eine Tsunami-Warnung, hunderttausende Menschen in niedrig gelegenen Region waren aufgefordert worden, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.

Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 im Süden Chiles gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1.655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der davon ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an.

( (apn/abendblatt.de) )